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BGE (45)BGer (4'436)
1874–2026
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BGE ab 1875
18742026
BGE 150 V 46903.10.2024
Art. 24 und 25 UVG ; Art. 36 Abs. 3 UVV ; Anhang 3 UVV; Bemessung der Integritätsentschädigung beim Zusammenfallen mehrerer Integritätsschäden. Zusammenfassung der Rechtsprechung (E. 3). Beim unfallbedingten Verlust beider Beine sind die tabellarisch festgesetzten…
BGE 149 V 20323.08.2023
Art. 4, 5 und 18 Abs. 1 UVG ; Art. 134-140 UVV ; Art. 27 ATSG ; Art. 9 BV ; freiwillige Unfallversicherung; Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Unfall nach Eintritt des ordentlichen Rentenalters; Auslegung eines verwaltungsrechtlichen Vertrages; Abweichung von Art. 18…
BGE 149 V 21808.08.2023
Art. 4 ATSG ; Art. 6 Abs. 1 UVG ; Zahnschaden beim Beissen auf einen Stein, der sich in einem abgepackten verzehrfertigen Salat befand; Kausalzusammenhang; krankhafter Vorzustand; Gelegenheits- und Zufallsursache. Hält ein bereits behandelter Zahn einer plötzlichen, nicht…

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BGE150 V 469
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BGE 150 V 469›Regeste›
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BGE 149 V 3922.02.2023
Art. 66 Abs. 1 lit. m i.V.m. lit. f, Art. 66 Abs. 2 UVG ; Zuständigkeitsbereich der Suva. Bejahung der Suva-Unterstellung eines im Bereich der Mobilität tätigen Vereins, welcher neben verschiedenen anderen Angeboten und Dienstleistungen in Service-Centern auch freiwillige und…
BGE 148 V 36617.08.2022
Art. 57 Abs. 1 UVG ; Zuständigkeit des Schiedsgerichts. Die sachliche Zuständigkeit des kantonalen Schiedsgerichts nach Art. 57 Abs. 1 UVG bestimmt sich unter anderem mit Blick auf die sich in Wirklichkeit gegenüberstehenden Parteien und die Klagebegehren (E. 4.3.2 und 5). Es…
BGE 148 V 28604.05.2022
Art. 5 und 15 UVG ; Art. 24 Abs. 2 und Art. 138 UVV ; Anpassung des versicherten Verdienstes bei verzögertem Rentenbeginn in der freiwilligen Versicherung. Der erhebliche und langandauernde Unterschied zwischen dem im Unfallzeitpunkt vereinbarten versicherten Verdienst und dem…
BGE 148 V 19501.03.2022
Art. 17 Abs. 1, Art. 21 Abs. 1 und Art. 53 Abs. 2 ATSG ; Art. 37 Abs. 3 UVG ; Art. 54 StGB ; Art. 90 Abs. 2 SVG ; Leistungskürzung bei einem Unfall, der bei Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt wurde; Wiedererwägung; Revision. Ist die Staatsanwaltschaft auf…
BGE 148 V 8409.11.2021
Art. 15 Abs. 2 UVG ; Art. 22 Abs. 4 und Art. 24 Abs. 3 UVV ; Bestimmung des versicherten Verdienstes zur Bemessung der Rente eines Werkstudenten. Versicherter Verdienst von Werkstudenten. Übersicht über die Rechtsprechung (E. 4) und die im Schriftum geübte Kritik (E. 5). Eine…
BGE 147 V 20717.02.2021
Art. 6 UVG ; Kausalitätsbeurteilung bei psychischen Unfallfolgen. Die Anerkennung der adäquaten Kausalität allfälliger psychischer Beschwerden eines Versicherten ist unzulässig, wenn die sich in tatsächlicher Hinsicht stellenden Fragen bezüglich der Natur dieser Beschwerden…
BGE 147 V 16704.02.2021
Art. 53 Abs. 2 und Art. 17 Abs. 1 ATSG ; Wiedererwägung oder Revision einer Revisionsverfügung. Gegenstand einer Wiedererwägung oder Revision kann nur die Revisionsverfügung bilden, sofern sie auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer…
BGE 147 V 1628.08.2020
Art. 43 ATSG ; Art. 18 Abs. 1 UVV in der bis am 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Fassung; Abklärung des Anspruchs auf Hauspflegeleistungen. Art. 43 ATSG statuiert keine Rechtspflicht, eine bestimmte Methode, genau definierte Verfahren oder Standards für die Abklärung…
BGE 145 V 14119.02.2019
Art. 17 Abs. 1, Art. 31 Abs. 1 ATSG ; Revision der Invalidenrente (der UV) bei einer Meldepflichtverletzung. Bei Revision einer Invalidenrente nach Art. 17 Abs. 1 ATSG , die auf einem Umstand gründet, der in Missachtung der Meldepflicht nach Art. 31 Abs. 1 ATSG von der…
BGE 144 V 41819.09.2018
Art. 17 Abs. 2 ATSG ; Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG ; Anpassung von Heilbehandlungsleistungen. Heilbehandlungsleistungen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG gelten als Dauerleistungen. Ihre nachträgliche Aufhebung oder eine wesentliche Anpassung im Leistungsumfang setzt einen…
BGE 143 III 16227.02.2017
Art. 80 SchKG ; Art. 54 ATSG ; Art. 99 und 105 UVG ; definitive Rechtsöffnung, Prämien der obligatorischen Unfallversicherung. Bedingungen, unter denen eine Rechnung der Suva betreffend Prämien der obligatorischen Unfallversicherung einen definitiven Rechtsöffnungstitel…
BGE 140 V 32106.06.2014
Art. 89 Abs. 1, Abs. 2 lit. a und d, Art. 93 Abs. 1 BGG ; Art. 62 Abs. 1 bis ATSG ; Art. 78a UVG ; Legitimation des Bundesamtes für Gesundheit zur Anfechtung eines Rückweisungsentscheids des Bundesverwaltungsgerichts betreffend einen Kompetenzkonflikt zwischen Versicherern…
BGE 140 V 13019.03.2014
Art. 19 Abs. 1, Art. 20 Abs. 2 und Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG ; Anspruch auf Heilbehandlung des obligatorischen Unfallversicherers nach Festsetzung einer zufolge Zusammentreffens mit einer Rente der Invalidenversicherung gekürzten Rente der Unfallversicherung. Wird die Rente der…
BGE 138 V 15415.02.2012
Art. 112 Abs. 1 lit. a BGG ; Begründung vorinstanzlicher Entscheide. Wird das Dispositiv eines Entscheides direkt nach der mündlichen Beratung und Urteilsfällung des Gerichts den Parteien eröffnet, so braucht die Übereinstimmung zwischen Beratung und anschliessend erstellter…
BGE 138 V 16113.02.2012
Art. 89 Abs. 1 und Art. 121 BGG ; Art. 70 Abs. 2 UVG ; Beschwerdelegitimation; Legitimation zur Einreichung eines Revisionsgesuches. Bei einer Zusammenarbeit im Sinne von Art. 70 Abs. 2 UVG ist jener Versicherer zur Einreichung eines Rechtsmittels legitimiert, welcher die…
BGE 138 V 10615.12.2011
Art. 82 ff., 90, 93 und 107 BGG; Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Erhebt eine im kantonalen (End-)Entscheid teilweise unterlegene Partei innerhalb der gesetzlichen Beschwerdefrist nicht selbst Beschwerde beim Bundesgericht, ist es ihr angesichts der im BGG…
BGE 136 V 14109.12.2009
Art. 10 Abs. 1, Art. 48 Abs. 1, Art. 54 und 57 UVG ; sachliche Zuständigkeit des Schiedsgerichts. Das Schiedsgericht nach Art. 57 UVG ist sachlich zuständig für Streitigkeiten zwischen einem Leistungserbringer (hier eine spezialisierte Einrichtung) und einem Unfallversicherer…
BGE 135 V 41211.09.2009
Art. 97 und 105 Abs. 3 BGG ; eingeschränkte Kognition bei der Prüfung der Versicherungsdeckung in der obligatorischen Unfallversicherung. Im Streit, ob für ein Unfallereignis Versicherungsdeckung besteht, kommt die Ausnahmeregelung des Art. 105 Abs. 3 (i.V.m. Art. 97 Abs. 2) BGG…
BGE 135 V 19417.03.2009
Art. 99 Abs. 1, Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG ; Unzulässigkeit von Noven bei Geldleistungen der Militär- und Unfallversicherung. Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen auch im Verfahren um Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Militär- und…
BGE 135 V 8827.01.2009
Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG in Verbindung mit Art. 27 KLV ; Art. 13 UVG in Verbindung mit Art. 20 UVV ; Art. 19 MVG ; Leistungspflicht für Rettungskosten. Die Übernahme der Kosten einer Evakuierung einer nicht verletzten Person setzt jedenfalls voraus, dass die Notsituation einen…
BGE 134 V 34011.06.2008
Art. 37 Abs. 2 und Art. 39 UVG ; Art. 50 UVV ; Wagnis; Leistungskürzung. Sind die Voraussetzungen von Art. 37 Abs. 2 und Art. 39 UVG gleichzeitig erfüllt, gelangt Art. 39 UVG als lex specialis zur Anwendung (E. 3.2.4). Offengelassen, ob das Tauchen in einem hoch gelegenen…
BGE 134 V 15328.01.2008
Art. 59 und Art. 66 Abs. 2 ATSG ; Art. 24 f. BVV 2; Legitimation der Vorsorgeeinrichtung zur Anfechtung des Rentenentscheids des Unfallversicherers. Die Vorsorgeeinrichtung, welche der versicherten Person eine Invalidenrente auszurichten hat, ist auf Grund ihrer nachrangigen…
12…180›
1 / 180
BGE 150 V 469BGEx
BGEx

BGE 150 V 469

44. Auszug aus dem Urteil der IV. öffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. VAUDOISE ALLGEMEINE Versicherungs-Gesellschaft AG gegen A. (Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
8C_415/2023 vom 3. Oktober 2024

Regeste

Anhang 3 UVVArt. 24 UVGArt. 25 UVG

Art. 24 und 25 UVG ; Art. 36 Abs. 3 UVV ; Anhang 3 UVV; Bemessung der Integritätsentschädigung beim Zusammenfallen mehrerer Integritätsschäden. Zusammenfassung der Rechtsprechung (E. 3). Beim unfallbedingten Verlust beider Beine sind die tabellarisch festgesetzten Integritätsentschädigungen von je 50 % zusammenzuzählen (E. 5).

Sachverhalt ab Seite 469

Sachverhalt

— BGE 150 V 469, S. 469 —

A. A., geboren 1999, arbeitete zwischen seinem Abschluss des Gymnasiums sowie Absolvierung des Militärdienstes und dem geplanten Beginn eines Physikstudiums an der Hochschule B. in einem Sandwich-Restaurant und war dadurch bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 8. Februar 2020 stürzte er im Bahnhof C. vom Perron unter einen Zug. Die Vaudoise erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Wegen des Verlusts beziehungsweise der Amputation beider Unterschenkel sprach sie ihm mit Verfügung vom 16. Mai 2022 und Einspracheentscheid vom 18. Oktober 2022 eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 80 % (Fr. 118'560.-) zu. — BGE 150 V 469, S. 470 —

B. Die dagegen von A. erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 14. April 2023 gut und setzte die Integritätseinbusse auf 100 % fest (Fr. 148'200.-).

C. Die Vaudoise lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führen mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Urteils sei ihr Einspracheentscheid vom 18. Oktober 2022 zu bestätigen.

A. lässt auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

2. Streitig ist, ob die Vorinstanz Bundesrecht verletzte, indem sie dem Beschwerdegegner eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 100 % zusprach statt der von der Beschwerdeführerin auf 80 % festgesetzten. Umstritten ist die Bemessung beim Zusammenfallen mehrerer Integritätsschäden.

3. Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grundsätze über den Anspruch auf Integritätsentschädigung nach Art. 24 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 UVG sowie Anhang 3 UVV (SR 832.202; in Verbindung mit Art. 25 Abs. 2 UVG ) zutreffend dargelegt. Es bedarf dafür einer dauernden erheblichen Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität im Sinne eines anatomischen, funktionellen, geistigen oder psychischen Defizits ( BGE 115 V 147 E. 1; BGE 113 V 218 E. 4b) mit Beeinträchtigung in den Lebensfunktionen und im Lebensgenuss ( BGE 117 V 71 E. 3a/bb/aaa). Die Schwere des Integritätsschadens wird nach dem medizinischen Befund beurteilt. Bei gleichem medizinischem Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird in der Unfallversicherung abstrakt und egalitär bemessen, ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls. Auch geht es dabei nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind ( BGE 133 V 224 E. 5.1; BGE 115 V 147 E. 1 mit Hinweisen; Urteil 8C_812/2010 vom 2. Mai 2011 E. 6.2). Unerheblich ist, ob die Schädigung dank eines Hilfsmittels mehr oder weniger vollständig ausgeglichen werden kann mit der Folge, dass sie sich im täglichen Leben nicht mehr oder nur noch — BGE 150 V 469, S. 471 — in geringem Masse nachteilig auswirkt. Die Bemessung des Integritätsschadens bei Funktionsausfall oder Gebrauchsunfähigkeit eines Organs hat daher auch bei der Versorgung mit Endoprothesen nach dem unkorrigierten Zustand zu erfolgen ( BGE 115 V 147 E. 3a; RKUV 2001 Nr. U 445 S. 555, U 40/01 E. 4; RKUV 2003 Nr. U 496 S. 403, U 313/02 E. 3 und 4; Urteil 8C_746/2022 vom 18. Oktober 2023 E. 4.3).

Richtig dargestellt werden im angefochtenen Urteil insbesondere auch die Grundsätze über die Festsetzung der Integritätsentschädigung beim Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger oder psychischer Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen ( Art. 36 Abs. 3 UVV ). Hervorzuheben ist, dass die Integritätseinbusse für jeden Verlust einzeln zu bestimmen ist. Führen ein oder mehrere versicherte Ereignisse zu verschiedenen Integritätsschäden, sind die den einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen zusammenzuzählen, sofern die Beeinträchtigungen medizinisch eindeutig feststehen und sich in ihren Auswirkungen klar voneinander unterscheiden lassen ( BGE 116 V 156 E. 3, insb. 3b; SVR 2008 UV Nr. 10 S. 32, U 109/06 E. 6; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 230, U 99/86 E. 2b; Urteile 8C_38/2024 vom 28. Juni 2024 E. 2.3.2; 8C_300/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 4.3; 8C_19/2017 vom 22. Mai 2017 E. 4.4; 8C_826/2012 vom 28. Mai 2013 E. 3.2; U 363/02 vom 5. April 2004 E. 5). Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, soll das Ergebnis praxisgemäss auf vergleichbare Schäden gemäss Skala hin überprüft beziehungsweise ein Quervergleich mit einer tabellarisch erfassten weitergehenden Schädigung vorgenommen werden. Dies galt etwa bei verbleibender Belastungsintoleranz eines Beins mit Bewegungseinschränkung des Knies und des Sprunggelenks sowie Arthrosen beziehungsweise bei einem Beschwerdebild mit Schwindel, Tinnitus und einer Gleichgewichtsstörung sowie einer psychischen Störung jeweils nach Verkehrsunfällen (s. insb. Urteile 8C_38/2024 vom 28. Juni 2024 E. 4; 8C_826/2012 vom 28. Mai 2013 E. 3.4; U 100/98 vom 30. November 1998 E. 3b und 3c; ferner SJZ 92/1996 S. 127, U 179/94; Urteile U 314/98 vom 5. Juli 1999 E. 1; U 235/96 vom 3. Juni 1997 E. 5b mit Hinweis auf RKUV 1989 Nr. U 78 S. 357 E. 3f). Die Integritätseinbusse kann insgesamt indessen nicht mehr als 100 % betragen ( Art. 36 Abs. 3 UVV ; BGE 116 V 156 E. 3b; Urteil 8C_812/2010 vom 2. Mai 2011 E. 4-6).

Zu ergänzen bleibt, dass dem Bundesgericht eine Angemessenheitskontrolle hinsichtlich der Beurteilung des Integritätsschadens durch — BGE 150 V 469, S. 472 — die Vorinstanz verwehrt ist. Es hat nur bei rechtsfehlerhafter Ermessensausübung einzugreifen ( Art. 24 Abs. 1 UVG ; Art. 95 lit. a BGG ; Urteile 8C_760/2023 vom 24. Juni 2024 E. 3.3; 8C_193/2013 vom 4. Juni 2013 E. 4.1).

4.

4.1 Gemäss Vorinstanz liegt nach zuletzt übereinstimmender Beurteilung durch die vom Beschwerdegegner beauftragte Privatgutachterin Dr. med. D., Fachärztin für Chirurgie FMH, vom 14. November 2022 und den beratenden Arzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. E., Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 14. Dezember 2022 beidseitig ein Verlust des Beines oberhalb des Kniegelenks im Sinne der ausdrücklichen Regelung in Anhang 3 UVV vor. Diese Verletzung ist je für sich allein gesehen mit 50 % zu entschädigen. Nach dem kantonalen Gericht sind die beiden Integritätsentschädigungen zu addieren.

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sich eine Integritätsentschädigung von insgesamt 100 % nicht rechtfertige angesichts des Quervergleichs mit der gemäss Anhang 3 UVV auf 100 % festzusetzenden Integritätseinbusse bei Tetraplegie und insbesondere auch mit Rücksicht auf die dort getroffene Unterscheidung gegenüber der Paraplegie, die mit 90 % zu entschädigen sei.

5. Inwiefern das kantonale Gericht die beim Zusammenfallen mehrerer Integritätsschäden zu beachtenden Grundsätze verletzt haben sollte, ist nicht zu erkennen.

5.1 Unbestrittenerweise liegt an beiden Beinen ein Verlust jeweils oberhalb des Kniegelenks vor. Es handelt sich dabei um je medizinisch eindeutige und zudem klar unterscheidbare Beeinträchtigungen. Damit ist praxisgemäss die Voraussetzung gegeben für eine vollumfängliche Berücksichtigung der in der Verordnung ausdrücklich vorgesehenen Integritätseinbussen von je 50 % durch Zusammenzählen. Dass die Vorinstanz dem Beschwerdegegner eine Integritätsentschädigung von 100 % zugesprochen hat, ist somit nicht zu beanstanden.

5.2 Selbst eine Würdigung des entsprechenden Resultats einer Entschädigung von 100 % mit Blick auf allenfalls vergleichbare tabellarisch erfasste andere Schädigungen könnte daran nichts ändern. Gemäss der Liste von Anhang 3 UVV wird eine Gruppe von sehr schweren Integritätsschäden mit 80 bis 100 % veranschlagt. Dies gilt für die Tetraplegie sowie die vollständige Blindheit (100 %), die — BGE 150 V 469, S. 473 — Paraplegie (90 %), sodann die vollständige Taubheit (85 %) und schliesslich die sehr schwere Beeinträchtigung der Lungenfunktion oder der Nierenfunktion, sehr schwere organische Sprachstörungen und das sehr schwere motorische oder psychoorganische Syndrom (je 80 %). Innerhalb dieser Gruppe von sehr schweren Schädigungen erfolgt somit nur eine geringfügige Abstufung über insgesamt 20 %. Mit grossem Abstand dazu folgen, jeweils mit 50 % zu bemessen, der Verlust eines Arms im Ellbogen oder oberhalb desselben, der Verlust eines Beines oberhalb des Kniegelenks, die sehr schwere Entstellung im Gesicht und die sehr starke schmerzhafte Funktionseinschränkung der Wirbelsäule, und schliesslich eine Vielzahl weiterer mit bis zu 40 % veranschlagter Schädigungen.

Dass beim hier vorliegenden Verlust beider Beine oberhalb des Knies eine Zuordnung zu den in Anhang 3 UVV geregelten schwersten Schädigungen zu erfolgen hat, wird auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten, nachdem sie selber eine Entschädigung von 80 % zusprach. Weshalb der Verlust beider Beine eine als geringer zu wertende Integritätseinbusse bewirken sollte als eine Tetraplegie, liesse sich kaum begründen, zumal hier zum funktionellen ein anatomisches Defizit hinzutritt. Zudem bleibt zu beachten, dass das Bundesgericht zulässigerweise lediglich bei rechtsfehlerhafter Ermessensausübung korrigierend einzuschreiten hätte. Eine solche ist hier indessen nicht auszumachen.

5.3 Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet.

Themen
Abstrakte und egalitäre BemessungAddition der IntegritätseinbussenAngemessenheitskontrolleBemessung der IntegritätsentschädigungIntegritätsentschädigungQuervergleich mit tabellarisch erfassten SchädigungenVerlust beider Beine oberhalb des KniegelenksZusammenfallen mehrerer Integritätsschäden
§Normen
Anhang 3 UVVArt. 24 Abs. 1 UVGArt. 24 UVGArt. 25 Abs. 1 UVGArt. 25 Abs. 2 UVGArt. 25 UVGArt. 36 Abs. 3 UVVArt. 95 lit. a BGG
Zitierte Entscheide
8C_38/202428.06.2024
Integritätsentschädigung, Beweiswert ärztlicher Berichte, Quervergleich bei Integritätsschäden
8C_760/202324.06.2024
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, Invaliditätsbemessung, Valideneinkommen
8C_746/202218.10.2023
Integritätsentschädigung, Voraussehbare Verschlimmerung, Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten
8C_300/202002.12.2020
Revision der Invalidenrente, Natürlicher Kausalzusammenhang, Adäquater Kausalzusammenhang
8C_19/201722.05.2017
Integritätsentschädigung, Anfechtungsgegenstand, Fallabschluss
8C_193/201304.06.2013
Invaliditätsbemessung, Valideneinkommen, Invalideneinkommen
8C_826/201228.05.2013
Integritätsentschädigung, Additionsverbot bei Integritätsschäden, Beweiswürdigung
8C_812/201002.05.2011
Integritätsentschädigung, Gesetzmässigkeit von Verordnungen, Willkürverbot
U 109/0604.04.2007
Integritätsentschädigung, Integritätsschaden, Anschlussbeschwerde
BGE 133 V 22412.01.2007
Berufskrankheit, Dauerhafter Integritätsschaden, Integritätsentschädigung
U 363/0205.04.2004
Recht auf Beweis - Anspruch auf Parteibeteiligung im Beweisverfahren, Integritätsentschädigung, Willkür
U 313/0204.09.2003
Integritätsentschädigung, Revision der Integritätsentschädigung, Bemessung des Integritätsschadens
U 40/0104.09.2001
Verwaltungsgerichtsbeschwerde, Bemessung des Integritätsschadens, Hilfsmittel
BGE 117 V 7111.01.1991
Auskauf der Integritätsrente, Barwerttafeln Stauffer/Schaetzle, Hilfsmittel/Prothesen (Unbeachtlichkeit bei Bemessung)
BGE 116 V 15611.06.1990
Bemessung des Integritätsschadens, Integritätsschaden, Kausalanteil
BGE 115 V 14729.03.1989
Integritätsentschädigung nach UVG, Unkorrigierter Visus als Bemessungsgrundlage, Hilfsmittel (Brille/Kontaktlinsen) im Unfallversicherungsrecht
BGE 113 V 21811.08.1987
Bemessung des Integritätsschadens, Integritätsschaden, Unterschied zur privatrechtlichen Genugtuung
U 99/86
U 100/98
U 179/94
U 314/98
U 235/96
Quelle: Bundesgericht·bger.ch·BGE 150 V 469

Zitiervorschlag: BGE 150 V 469, bgex.ch/bge/150-v-469

Quelle des Entscheidtextes: bger.ch · Schweizerisches Bundesgericht · BGE 150 V 469