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Vernehmlassung 2005/43: Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Agrarpolitik 2011) · 370 Seiten
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Allgemeiner Teil
chen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Einerseits wird dadurch die Abhängigkeit von Importen begrenzt. Andererseits wird das Potenzial zur Produktion von Nahrungsmitteln erhalten, insbesondere die Bodenfruchtbarkeit aber auch Know-how und Ausrüstungsgüter. Die Wiederherstellung des Produktionspotenzials im Fall einer Notwendigkeit wäre kostspielig und würde sehr lange dauern.
Die Versorgung mit Nahrungsmitteln aus der Nähe ist ein ausgesprochenes Bedürfnis der Menschen. Deshalb stützen die meisten entwickelten Länder die inländische Produktion und nutzen so ihre landwirtschaftlichen Potenziale. Obschon aus einer weiteren Arbeitsteilung Wohlfahrtsgewinne resultieren würden, erachten sie die Erhaltung einer eigenen Grundversorgung als notwendig. Dies gilt im besonderen Masse für Länder, mit einem tiefen Selbstversorgungsgrad wie der Schweiz (60%), Japan (40%) oder Norwegen (50%)14. Für die laufenden WTO-Verhandlungen haben sich diese Staaten15 deshalb zusammengeschlossen, um sich innerhalb des multilateralen Handelssystems die Möglichkeit einer angemessenen Eigenversorgung zu erhalten.
Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen
In der ursprünglich vorwiegend bewaldeten Schweiz ist der fruchtbare Kulturboden durch Rodung und anschliessende Bewirtschaftung über Jahrhunderte entstanden. Die landwirtschaftliche Nutzung verhindert das Aufkommen von Wald und die nachhaltige Produktion erhält die Bodenfruchtbarkeit. Dadurch bleibt der Kulturboden als Ernährungsgrundlage für den Menschen erhalten.
Ähnliches gilt auch für die Biodiversität. In der offenen Flur leben teilweise andere Arten und Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren als im Wald. Sie sind in der Regel auf eine extensive Nutzung angewiesen. Da die Lebensräume dieser Arten mit dem Aufkommen von Wald verschwinden würden, hängt ihr Fortbestand von der regelmässigen Bewirtschaftung ab. Gleiches gilt für verschiedene Lebewesen, die im Kulturboden leben, insbesondere für sehr viele Arten von Mikroorganismen, die für die Bodenfruchtbarkeit wichtig sind.
Eine wichtige Lebensgrundlage ist auch die Vielfalt der Kulturpflanzen und Nutztiere. Sie enthält die genetischen Ressourcen für die Anpassung der Produktion an sich ändernde Bedingungen wie Konsumverhalten, wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder Klimaänderungen sowie für die natürliche Bekämpfung von alten oder neuen Schädlingen und Krankheiten. Heute basiert die landwirtschaftliche Produktion meist auf einer sehr schmalen genetischen Grundlage. Ausnahme bildet der Futterbau, der in der Schweiz eine breite genetische Grundlage unterhält. Durch die Bewirtschaftung von Standorten unterschiedlicher Intensität erhält die Landwirtschaft eine Vielfalt von Wiesenbeständen mit einem grossen Reichtum an Sorten und Ökotypen verschiedenster nutzbarer Pflanzen. Für nicht mehr zur Produktion genutzte Arten, Sorten und Rassen werden in vielen Ländern Erhaltungsmassnahmen getroffen.
14 Der im internationalen Vergleich tiefe Selbstversorgungsgrad dieser Länder ist darauf zurückzuführen, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Einwohner sehr klein ist (Schweiz 2003: 0,14 ha LN). 15 G10 bestehend aus der Schweiz, Lichtenstein, Japan, Südkorea, Bulgarien, Taiwan, Island, Israel, Norwegen und Mauritius