Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2013/48: Gesundheitsberufegesetz, GesBG (provisorischer Titel) · 46 Seiten

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Vorentwurf Gesundheitsberufegesetz / Erläuternder Bericht

1 Grundzüge der Vorlage

1.1 Ausgangslage

1.1.1 Gesundheitspolitische Herausforderungen Bestandesaufnahme und Ausblick

In der Schweiz hat sich das medizinische Wissen im 20. Jahrhundert wie in allen Industrieländern enorm weiterentwickelt. Gleichzeitig haben sich die hygienischen Bedingungen und der sozioökonomische Hintergrund verbessert, wodurch die Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung merklich zugenommen hat. Seit 1900 hat sie sich fast verdoppelt und ist in den letzten knapp 30 Jahren (1981)

9 von 72,4 auf 79,8 Jahre für die Männer und von 79,2 auf 84,4 Jahre für die Frauen angestiegen. Diese markante Erhöhung gehört zu den bedeutendsten Errungenschaften unserer Gesellschaft.

Parallel dazu wurde das Gesundheitswesen massiv ausgebaut und ist zu einem wichtigen Schweizer Wirtschaftssektor geworden. Die Branche wächst ungebrochen weiter. 2008 betrugen die Gesundheitskosten 58,4 Milliarden Franken, was einem Anteil von 10,7 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts entsprach. 2008 arbeiteten rund 541 000 Personen oder 13,4 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung im Gesundheitswesen. Von der Dynamik des Gesundheitswesens zeugt auch die Zahl der Erwerbstätigen, die sich um 2,5 Prozent pro Jahr erhöht, während die branchenübergreifende

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Beschäftigungszahl nur um knapp 0,4 Prozent ansteigt.

Das Schweizer Gesundheitswesen befindet sich heute an einem Wendepunkt und steht vor grossen Herausforderungen. Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Dafür gibt es mehrere Gründe. Gemäss den Bevölkerungswachstumsprognosen ist bis 2030 mit einem Zuwachs der Bevölkerung von 1 Million (+13 %) auf 8,8 Millionen Menschen zu rechnen. Gleichzeitig wird die Zahl der über 65-Jährigen bis zum Jahr 2030 um 771 000 (+57,5 %) auf 2 114 900 Personen (das sind 25 % der Schweizer Bevölkerung) zunehmen. Hinzu kommen die Herausforderungen der epidemiologischen Veränderungen: massive Zunahme chronischer Krankheiten und Mehrfacherkrankungen, Anstieg von übertragbaren Krankheiten, neue gesundheitliche Risiken, zunehmende Bedeutung der psychischen Gesundheit und der Demenzerkrankungen. Weitere Einflussfaktoren für die steigende Nachfrage sind die Entwicklung der Medizintechnik und der wissenschaftliche Fortschritt (Spitzenmedizin, Medizintechnik, Genetik, Pharmakologie), die frühzeitigere Erkennung von Krankheiten und die explosionsartige Vergrösserung der medizinischen Kenntnisse (die Hälfte des medizinischen Wissens ist nach fünf bis zehn Jahren veraltet). Darüber hinaus stellen die besser informierten Patientinnen und Patienten höhere Anforderungen.

Dieser stark wachsenden Nachfrage wird das Versorgungsangebot kaum gerecht, dies umso mehr, als die Erwerbsbevölkerung auch in den Medizinal- und den Gesundheitsberufen altert. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) weist darauf hin, dass die Fähigkeit eines Gesundheitswesens, sich diesen wachsenden und wandelnden Bedürfnissen anzupassen, von dessen Fähigkeit abhängt, die Personalressourcen zu verwalten. Nach einschlägigen nationalen und internationalen Prognosen droht in diesem Bereich ein Arbeitskräftemangel. Gemäss Schweizer Studien müssten bis

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2030 120 000 bis 190 000 Personen angestellt werden (abhängig vom betrachteten Szenario; alle Berufskategorien zusammengenommen). Davon werden mindestens zwei Drittel für die Kompensation von Altersrücktritten benötigt. Das restliche Drittel ist erforderlich, um dem steigenden Pflege- und Dienstleistungsbedarf zu begegnen. Die Branche, in der 70 bis 80 Prozent der Kosten auf Personalausgaben entfallen, steht somit vor einer riesigen Herausforderung.

9 BFS, Indikatoren Lebenserwartung, www.bfs.admin.ch > Themen > 01-Bevölkerung > Bevölkerungsbewegung > Indikatoren > Todesfälle, Sterblichkeit und Lebenserwartung > Lebenserwartung.

10 Gesundheitswesen Schweiz 2010–2012. Eine aktuelle Übersicht, Gerhard Kocher, Willy Oggier (Herausgeber), Verlag Hans Huber, S.277.

11 Ageing Workforce in an Ageing Society, Careum Working paper 1, 2009, S.9.