Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2013/48: Gesundheitsberufegesetz, GesBG (provisorischer Titel) · 46 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 8Fedlex · Erläuternder Bericht

Vorentwurf Gesundheitsberufegesetz / Erläuternder Bericht

Berufsausübung

Eine grosse Mehrheit der Pflegefachleute ist in Gesundheitseinrichtungen tätig, während Hebammen oder Physiotherapeutinnen und -therapeuten deutlich häufiger selbstständigerwerbend sind. Die Gesundheitsfachleute, die selbstständingerwerbend sind, stellen nur einen Teil jener Personen dar, die gemäss der Terminologie des Gesetzesentwurfs «in eigener fachlicher Verantwortung» tätig sind. Folglich stellen die Zahlen in Tabelle 2 nur einen Teil der «in eigener fachlicher Verantwortung» Berufstätigen (vgl. Ziffer 2.1 zu Artikel 1).

Nicht selten werden von einer Person auch mehrere Formen der Erwerbstätigkeit ausgeübt. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut zum Beispiel kann als Angestellte oder Angestellter in einem Spital- oder Rehabilitationsbetrieb arbeiten und parallel dazu selbstständigerwerbend in einer Praxis tätig sein. Manchmal werden im Nebenerwerb zusätzlich Unterrichtstätigkeiten ausgeübt.

Die vom Gesundheitswesen eingeschlagene Wende zur ambulanten Versorgung zeigt sich in der wachsenden Anzahl der Selbstständigerwerbenden in diesem Bereich. Zwischen 2004 und 2012 ist ihre Zahl um 29,6 Prozent gestiegen (vgl. Tabelle 2). Die Angaben zu den Pflegefachfrauen und - männern in Tabelle 2 umfassen sowohl die HF- als auch die FH-Abschlüsse.

Privatwirtschaftlich in eigener fachlicher Verantwortung nach Artikel 10 ist zudem nicht deckungsgleich mit dem Begriff "selbstständig" der nachfolgenden SASIS-Statistik (zur Unterscheidung vgl. die Ausführungen in Ziffer 2 zu Artikel 1 und 10).

Tabelle 2. Entwicklung der Anzahl der Selbstständigerwerbenden in den fünf FH-Berufen (Pfle-

ge inklusive HF) für die ganze Schweiz Anzahl Selbstständigerwerbende Entwicklung Entwicklung Leistungs- 31.12.2004 31.12.2011 31.12.2012 2004–2011 2004–2012 erbringer

Pflege 1250 1697 1682 15 % +35,8 % +34,6 % Physiotherapie 5060 6007 6264 58 % +18,8 % +23,8 % Ergotherapie 611 853 896 8 % +39,6 % +46,7 % Hebamme 1121 1539 1627 15 % +37,3 % +45,2 % Ernährung und 374 426 432 4 % +13,9 % +15,5 % Diätetik

Total 8416 10 522 10 901 100 % +25,1 % +29,6 %

Quelle: SASIS-Statistik der aktiven ZSR nach Berufskategorie, Santésuisse, Stand vom 31.12.2012

Anhand der statistischen Angaben von SASIS (Filiale von Santésuisse für die Vergabe und Verwaltung der Zahlstellenregister – ZSR) kann die Zahl der Fachpersonen, die KVG-Leistungen unter ihrer eigenen ZSR-Nummer abrechnen, geschätzt werden. Stellt ein Physiotherapeut mit eigener ZSR-Nummer vier Physiotherapeuten als Arbeitnehmende an, verwenden diese zur Leistungsabrechnung die ZSR-Nummer ihres arbeitgebenden Physiotherapeuten. Dieser wird in der Tabelle somit nur einmal aufgeführt.

Diese Angaben zeugen von der Dynamik dieser Berufe und ihrer Bedeutung in der Versorgungskette. Die Berufsausübung im ambulanten Bereich wird unter anderem durch den Strukturwandel und die laufenden Reformen der Finanzierung weiter zunehmen. Auch auf internationaler Ebene ist diese Tendenz zu beobachten.