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1Vorwort des Präsidenten

Das Jahr 2016 war für die schweizerische Strombranche ein bewegtes Jahr. Anfang Jahr lösten eine unterdurchschnittliche Produktionsverfügbarkeit auf der Spannungs- ebene 220 Kilovolt Carlo Schmid-Sutter (kV) sowie limitierte Präsident der ElCom Importkapazitäten

erhebliche Diskussionen zur Versorgungssicherheit aus. Aufgrund günstiger Witterung und eingeleiteter Sofortmassnahmen hat sich die Situation daraufhin entspannt. Die Sofortmassnahmen waren nur durch die zeitnahe und ausgezeichnete Arbeit aller involvierten Akteure möglich. In dieser Hinsicht hatte der potenzielle Engpass durchaus positive Seiten: In der Krise haben die involvierten Parteien intensiv zu deren Entschärfung beigetragen, in Arbeitsgruppen die Zuständigkeiten definiert und die sachdienlichen Massnahmen eingeleitet. Auf technischer Ebene wurden zentrale Elemente beim Netzausbau vorangetrieben, so etwa der Transformator in Beznau. Es ist zu hoffen, dass die Schweizer Strombranche für die kommenden Winter ihre Lehren aus dem Winter 2015/2016 gezogen hat.

Aus Sicht des Regulators funktionierte die Stromversorgung in den vergangenen Jahren zufriedenstellend. So ist die Versorgungsqualität in der Schweiz ausgezeichnet. Durchschnittlich hatte ein Schweizer Konsument im Jahr 2015 – die Werte von 2016 sind erst im Sommer 2017 bekannt – mit 21 Minuten geplanter und ungeplanter Unterbrüche zu rechnen. Die ungeplanten Unterbrüche machten nur elf Minuten pro Konsument aus. Diese Zahlen gehören europaweit zu den Spitzenwerten.

Zufriedenstellend sind auch die Strompreise der Grundversorgung. Die Netznutzungskosten sind seit Beginn unserer Erhebungen 2009 stabil bei circa zehn Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh). Die Energiepreise schwanken zwischen sieben und acht Rappen, die kantonal und kommunal unterschiedlichen Steuern und Abgaben bewegen sich im Bereich von rund einem Rappen. Einzig die KEV hat sich – allerdings mit der Zustimmung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Schweiz – im Beobachtungszeitraum auf 1.5 Rappen mehr als verdreifacht.

Für die Zukunft sieht der Regulator allerdings schwierige Zeiten auf die Schweizer Stromversorgung zukommen. Kurzfristig, für den Winter 2016/2017, zeigt sich die Lage für die Schweiz einigermassen entspannt. Die Haus- aufgaben wurden gemacht, auf Seiten Netz steht gegenüber dem Vorjahr eine bedeutend höhere Importkapazität zur Verfügung. Daher kann allfällig fehlende Bandenergie – sofern sie im Ausland verfügbar ist – importiert werden. Auch die Energiesituation ist in der Schweiz in kurzfristiger Hinsicht relativ unkritisch. Dies trotz vorübergehendem Ausfall der Kernkraftwerke Beznau 1 und Leibstadt.

Mittel- und langfristig werden die Herausforderungen für die Schweiz zunehmend grösser: Der Zubau von erneuerbaren Energien geht nur schleppend voran. Wenn wir die wegfallende Energie aus der Kernkraft mit Erneuerbaren kompensieren wollen, benötigen wir dafür mit der momentanen Zubaurate rund 100 Jahre. Das heisst, dass wir die Lücke zwischen Verbrauch und Produktion im Inland mindestens teilweise mit Eigenproduktion schliessen müssen, wie dies der Bundesrat bereits in seiner Botschaft zur Energiestrategie 2050 in Aussicht gestellt hat. Oder wir werden mehr Elektrizität importieren müssen.

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Im Rahmen des periodischen Berichts zur Versorgungssicherheit hat die ElCom im Berichtsjahr vor den Risiken einer zu ausgeprägten Importabhängigkeit gewarnt. Die Importe von Elektrizität sind nur dann möglich, wenn die Produktion und Transportinfrastruktur im Ausland sowie die Übertragungskapazität im Inland in Echtzeit verfügbar sind.

Bei zunehmender Importabhängigkeit nimmt auch die Bedeutung des internationalen Umfelds zu. Auf operativer Ebene sind die Beziehungen zu den Nachbarstaaten zwar intakt. Mit der Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden der EU (ACER) haben wir ein Memorandum of Understanding, das uns Beobachterstatus in verschiedenen Arbeitsgruppen gewährt. Die Haltung Brüssels gegenüber der Schweiz ist jedoch klar abweisend. So wird der Schweiz nicht nur der Zutritt zur Day-Ahead-Marktkopplung verwehrt, sondern sie wird auch aus dem Cross-Border-Intraday-Prozess ausgeschlossen. Die Situation präsentiert sich im Hinblick auf künftige Verhandlungen als problematisch. Die zunehmende Fokussierung auf institutionelle Fragen führt dazu, dass die Optimierung des Verbundbetriebs, das Funktionieren der Märkte und die Gewährleistung der Versorgungssicherheit zur Nebensache verkommen. Wenn formale Fragen weiter dominieren, ist dem Verbundbetrieb und der Versorgungssicherheit nicht gedient.

Im Bereich der Marktüberwachung wurde in der ElCom das Monitoring des schweizerischen Stromgrosshandels MATCH, das schweizerische Pendant zum europäischen REMIT, erfolgreich eingeführt. Im MATCH-System gehen seit 2016 bei der ElCom täglich zwischen 40’000 und 45’000 Standardverträge ein, ohne OTC-Meldungen und Fundamentaldaten. MATCH dient dem Regulator dazu, einen fairen Strompreis zu garantieren, über solide Marktkenntnisse zu verfügen sowie eine Übersicht über den Kenntnisstand auswärtiger Behörden betreffend sensible Schweizer Unternehmensdaten zu behalten.

Im Fachbereich Preise und Tarife haben wir die zweite und damit letzte Testphase der Sunshine-Regulierung erfolgreich abgeschlossen. 2017 werden wir Sunshine erstmals als Regulierungsinstrument anwenden. Die Ergebnisse werden wie in den Testjahren jedem Verteilnetzbetreiber individuell mitgeteilt und vorerst nicht öffentlich publiziert.

Im Bereich Recht bestätigte das CKW-Urteil des Bundesgerichts im Berichtsjahr die Gesetzeskonformität der sogenannten Durchschnittspreis-Methode, welche die ElCom und gut 80 Prozent der Netzbetreiber für die Preisgestaltung seit langem angewandt haben. Die Konsequenzen für jene Verteilnetzbetreiber, welche die Durchschnittspreis-Methode nicht angewendet haben, sind angesichts der parlamentarischen Reaktionen auf das Bundesgerichtsurteil abzuwarten.

Weiter hat die ElCom im April 2016 einen Grundsatzentscheid zur Vergütung von eingespeister elektrischer Energie – insbesondere Solarstrom – getroffen. Die Vergütung richtet sich nach dem Einkaufspreis, den der Netzbetreiber bei der Beschaffung von Strom ohne deklarierte Herkunft bezahlt.

Einen umfassenden Überblick über die Tätigkeiten der ElCom erhalten Sie im vorliegenden Bericht. Ich wünsche Ihnen eine angeregte Lektüre.

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2Versorgungssicherheit

Die Speicherseen liefern – insbesondere im Winterhalbjahr – einen wichtigen Beitrag an die Versorgungssicherheit in der Schweiz. Im Bild der Stausee Lac d’Emosson im Kanton Wallis.

Für die ElCom stand die Versorgungssicherheit im Jahr 2016 im Zentrum. Die im Winter 2015/2016 angespannte Versorgungssituation konnte durch kurzfristige Massnahmen entschärft werden und entspannte sich zudem durch günstige Wetterbedingungen. Mittel- und langfristig sieht die ElCom jedoch erhöhte Risiken. Renato Tami, der Geschäftsführer der ElCom, erläutert im Interview die bereits erledigten Aufgaben und die Herausforderungen für die Zukunft.

Am 2. Dezember 2015 kommunizierte dazu, dass mehr Strom aus dem Ausland impor- Swissgrid in einer Medienmitteilung, dass tiert werden musste. Obwohl die Kapazitäten eine angespannte Versorgungssituation zu am Norddach vorhanden waren, kam es zu erwarten sei. Was ist passiert? Transformationsengpässen zwischen der 380 kV-Im Winter 2015/2016 war die Versorgungssitu- und der 220 kV-Ebene.

ation aufgrund einer Verkettung von besonde-

ren Umständen angespannt. Wegen des Aus- Durch gezielte Massnahmen, aber auch durch falls der Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 fehlte ein milderes und feuchtes Klima, hat sich die in der Schweiz ein erheblicher Teil der Bandpro- Situation entschärft. Was wurde gemacht? duktion. Diese fehlende Energie musste haupt-Die netz- und marktseitigen Massnahmen, die sächlich aus Schweizer Speicherseen kompen- aufgrund der zugespitzten Lage im Winter siert werden, was wiederum bedeutete, dass 2015/2016 eingeleitet wurden, zeigten rasch diese unterdurchschnittlich tiefe Pegelstände eine positive Wirkung. Bei den netzseitigen hatten. Auch der sehr trockene Sommer und Massnahmen ging es insbesondere darum, Herbst 2015 trugen ihren Teil bei: Neben den die Belastung der 380/220 kV-Kuppeltrans- tiefen Pegelständen der Speicherseen führten formatoren zu reduzieren, beispielsweise mit die Flüsse sehr wenig Wasser, was die Produkti- der Verwendung eines Nottransformators. Zu on der Laufwasserkraftwerke, die für die den marktseitigen Massnahmen gehörte zum Schweizer Stromversorgung zentral sind, er-Beispiel die vorgezogene Beschaffung von Reheblich verringerte. Diese Umstände führten gelenergie. Zusätzlich wurden verschiedene — S. 7 —Arbeitsgruppen einberufen. Zusammen mit dem milderen und niederschlagsreichen Winterwetter sowie der Wiederinbetriebnahme von Beznau 2 haben diese Massnahmen zu einer Entspannung der Situation geführt. Einen detaillierten Überblick über den Versorgungseng- pass Winter 2015/2016 gibt der Bericht über die Versorgungssicherheit Winter 2015/2016, der auf der Webseite der ElCom abrufbar ist.

Wenn wir den Blick nach vorne richten: Kann

mit den getroffenen Massnahmen ein Eng- pass, wie er im Winter 2015/2016 herrschte, in Zukunft ausgeschlossen werden?

Auch mit den getroffenen Massnahmen kann ein Stromengpass leider nie ganz ausgeschlossen werden. Insbesondere im Hinblick auf die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit sehen wir grosse Probleme auf die Schweiz zukommen. So genügt die momentane Zubaurate der erneuerbaren Energien nicht, um die mit der Stilllegung der Kernkraftwerke wegfallende Produktion energiemässig zu kompensieren. Die naheliegendste Möglichkeit, diese wegfallende Energie zu ersetzen, besteht darin, mehr zu importieren. Diese Importabhängigkeit ist allerdings nicht ohne Risiko.

Worin besteht das Risiko? Die tiefen Strompreise zeugen von einer regelrechten Ener-

gieschwemme in Europa.

Einerseits muss der Netzausbau genügend fortgeschritten sein. Obwohl diesbezüglich grosse Anstrengungen und Fortschritte seit dem vergangenen Winter feststellbar sind, sind weitere Ausbauten dringend notwendig, beispielsweise der Ausbau des Transformators in Mühleberg und die Leitung Bassecourt-Mühleberg.

Auf der anderen Seite setzt die Importabhängigkeit eine jederzeit uneingeschränkte Exportbereitschaft der Nachbarländer voraus. Wie die Situation allerdings zeigt, kann diese Annahme bereits mittelfristig unzutreffend sein. In Frankreich ist die Energie in den kritischen Wintermonaten knapp, das Land hat sich im Jahresvergleich vom Netto-Exporteur zu einem Netto-Importeur gewandelt. Dabei sind die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke und der Temperaturverlauf zentral. Pro Grad Celsius an kälteren Temperaturen benötigt das Land mehr als 2000 MW zusätzliche Leistung. Das ist zweimal die Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt. Zum Vergleich: In der Schweiz benötigt ein weiteres Minusgrad ca. 70 MW zusätzliche Leistung. Diese Besonderheit in Frankreich kann in einem kalten Winter zu erheblichen Problemen für die ganze europäische Stromversorgung führen. Deutschland nimmt bis 2022 die verbleibenden Kernkraftwerke vom Netz – darunter vier grosse Kraftwerke in Süddeutschland – und ist mit dem Netzausbau der Nord- und Südachse im Verzug. Das heisst: Auch für Deutschland ist fraglich, ob das Land jederzeit ausreichend exportfähig bleibt.

« Die Idee eines fest definierten Autarkiegrads ist für die Schweiz sehr interessant »

Renato Tami

Geschäftsführer der ElCom

Wäre es demnach sinnvoll, einen Autar-

kiegrad für die Schweiz zu bestimmen?

Also, wieviel Prozent der Energie in Eigen-

produktion produziert werden muss?

Es gibt verschiedene Ansätze, um die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit in der Schweiz zu stützen. Die Idee eines definierten Autarkiegrads ist sehr interessant. Wichtig ist, dass das Thema aufgegriffen und zeitnah auf der politischen Bühne im Interesse der Versorgungssicherheit diskutiert wird. Erst wenn ein gemeinsames Verständnis über den Autarkiegrad geschaffen wird, machen Debatten über neue Marktmodelle und Marktdesign überhaupt Sinn.

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2.1Übersicht

Die ElCom ist gemäss Stromversorgungsgesetz (StromVG, Art. 22 Abs. 3 und 4) für die Überwachung der Versorgungssicherheit zuständig. Zeichnet sich mittel- oder langfristig eine erhebliche Gefährdung der inländischen Versorgung ab, unterbreitet die ElCom dem Bundesrat Massnahmen nach Artikel 9 StromVG. Solche Massnahmen können bei der Effizienz der Verwendung von Elektrizität, bei der Beschaffung von Elektrizität oder in der Verstärkung und im Ausbau von Elektrizitätsnetzen liegen. Die Versorgungssicherheit ist dann gewährleistet, wenn jederzeit die gewünschte Menge an Energie mit der erforderlichen Qualität und zu angemessenen Tarifen im gesamten Stromnetz erhältlich ist.

Im Winter 2015/16 war die Versorgungssicherheit in der Schweiz aus mehreren Gründen angespannt. Die Vorkommnisse wurden anhand eines Berichts aufgearbeitet sowie verschiedene Massnahmen im Hinblick auf den Winter 2016/17 eingeleitet, welche die Wiederholung einer ähnlichen Situation verhindern sollen (vgl. Abschnitt 2.2).

Die mittel- bis langfristige Versorgungssicherheit beobachtet die ElCom anhand eines umfassenden Monitorings in den Bereichen Netze, Produktion, Preise und Tarife sowie Umfeld. Hierzu erhebt sie u. a. Daten zur Versorgungsqualität und Verfügbarkeit des Netzes bzw. zur Häufigkeit von Unterbrechungen. Zusätzlich zur Versorgungsqualität beobachtet die ElCom im Rahmen des Monitorings auch die Entwicklung der verfügbaren Importkapazität an den Grenzen zu den Nachbarländern Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien (vgl. Abschnitt 2.3). Diese Daten werden jährlich publiziert.

Im Weiteren hängt die Versorgungssicherheit auch von der Produktionskapazität und der Verfügbarkeit der Elektrizität ab. Aus diesem Grund beobachtet die ElCom die ausländischen Märkte und die Aktivitäten der ausländischen Regulatoren im Bereich der Kapazitätsmechanismen (vgl. Abschnitt 2.4).

Genügend Produktionskapazitäten und ein ausreichend dimensioniertes Übertragungs- und Verteilnetz allein reichen nicht aus, um die Sicherheit der Stromversorgung zu gewährleisten. Da sich elektrische Energie im Stromnetz nicht speichern lässt, muss die ins Netz eingespeiste Energie zu jedem Zeitpunkt gleich gross sein wie die daraus bezogene Energie. Diese Abstimmung erfolgt über die Systemdienstleistung Regelenergie (vgl. Abschnitt 2.5).

2.2Die Versorgungssicherheit im Rück- und Ausblick

2.2.1Rückblick auf den Winter 2015/2016

Die Situation im Winter 2015/2016 war zeit- weise kritisch. Als Nadelöhr haben sich die 380/220 kV-Kuppeltransformatoren erwiesen, welche die Importkapazität beschränkten. Die Branche hat – unter massgeblicher Beteiligung der ElCom – in der «Arbeitsgruppe Winter» die Situation erörtert und mit verschiedenen Massnahmen entschärft. Ein ausführlicher Bericht zur Versorgungssituation im Winter 2015/2016 wurde auf der Webseite der ElCom publiziert.

In der Nachbearbeitung des Winters wurden die Verantwortlichkeiten in einer weiteren Arbeitsgruppe unter Leitung der ElCom festgehalten. Die mit der Inkraftsetzung des StromVG umgesetzte Entflechtung zwischen den Netzen respektive den Produktions-, Handels- und Vertriebstätigkeiten hat dazu geführt, dass eine integrale Gesamtverantwortung für die Versorgungssicherheit nicht mehr besteht. Die Verantwortlichkeiten der einzelnen Akteure sind aber klar: Die Versorgung — S. 9 —von Endverbrauchern in der Grundversorgung liegt von Gesetzes wegen in der Verantwortung der Verteilnetzbetreiber. Die Versorgung von freien Endkunden ist privatrechtlich über Lieferverträge geregelt. Swissgrid obliegt die Gewährleistung eines sicheren, leistungsfähigen und effizienten Betriebs des Übertragungsnetzes. Hingegen hat Swissgrid keine Verantwortung zur Bereitstellung von Versorgungsenergie.

2.2.2Bericht zur Stromversorgungssicherheit 2016

Alle zwei Jahre erstellt die ElCom einen detaillierten Bericht über die mittelfristige Stromversorgungssicherheit der Schweiz. Der aktuelle Bericht wurde im Sommer 2016 auf der Webseite der ElCom kommuniziert. Die Auswertung der relevanten Beobachtungsgrössen ergibt kein einheitliches Bild: Während die Dimensionen Preise und Tarife in Bezug auf die Versorgungssicherheit als unkritisch beurteilt werden, sieht die ElCom Handlungsbedarf bei den Netzen und der Produktion.

Die Beobachtungsgrössen in der Systemführung des Übertragungsnetzes entwickelten sich stabil bis leicht positiv. Kritisch ist die Importkapazität, um geplante und ungeplante Produktionslücken in der Schweiz zu kompensieren. Aufgrund der Erkenntnisse des Winters 2015/2016 wurden seitens Swissgrid gewisse Ausbauvorhaben neu priorisiert. Dazu gehört beispielsweise die Erweiterung der 380/220 kV-Kuppeltransformatoren mittels Ausbau in Laufenburg und Neubau in Beznau. Die ElCom hat in einer Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Energienetze der ETH

2.2.3Situation im Winter 2016/2017

Als vorbeugende Massnahme trifft sich die «Arbeitsgruppe Winter» auch im Winter 2016/2017. Bis zum Dezember blieb die Situation entspannt. Allerdings wurden in der Folge die Speicherseen sehr stark zur Produktion eingesetzt, so dass deren Pegelstände sehr tief waren. Aufgrund der Verbesserungen und Erfahrungen aus dem vergangenen Winter ist aber die Importkapazität deutlich grösser, wodurch auch bei tiefen Pegelständen die Versorgung sicher bleibt.

Zürich FEN die Wirksamkeit dieser Massnahmen in Ergänzung zu den Untersuchungen von Swissgrid verifiziert. Ein nächster wichtiger Schritt ist im Hinblick auf die Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerks Mühleberg die Spannungserhöhung der Leitung Bassecourt – Mühleberg. Eine Herausforderung bei diesen Vorhaben stellen die langen Verfahrensdauern bei Leitungsprojekten dar.

Die Versorgungssicherheit im Verteilnetz ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Netzverfügbarkeit erreichte in den vergangenen sechs Jahren eine sehr hohe Qualität. Dies bestätigt auch der jährliche Ländervergleich des Rats der Europäischen Energieregulierungsbehörden (Council of European Energy Regulators CEER).

Der Schweizer Kraftwerkpark weist einen hohen Anteil an Spitzenlastkraftwerken auf. Deswegen bestehen leistungsseitig Reserven. Bezogen auf die Energie ergibt die Beurteilung des Schweizer Kraftwerkparks jedoch ein tendenziell grösseres Risiko. Die Leistung ist nur nutzbar, wenn die notwendige Primärenergie zur Verfügung steht.

Der Grund für die hohe Speicherproduktion liegt einerseits im kalten Winterwetter. Andererseits steht der Kernkraftwerkpark in Frankreich und der Schweiz teilweise still. Aufgrund stark verbreiteter Elektroheizungen in Frankreich steigen der Stromverbrauch und entsprechend das Preisniveau in Frankreich und in Folge auch das Preisniveau der Schweiz stark an, so dass sich die Speicherproduktion für die Kraftwerkbetreiber rechnet.

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In Frankreich wurde im Oktober 2016 etwa ein Drittel der Kernkraftwerke als Vorsichtsmassnahme nach Anomalitäten abgeschaltet. Ein Teil davon konnte bis Jahresende wieder in Betrieb genommen werden. In der für Frankreich kritischsten Zeit hat dann Italien die Exporte

2.2.4Längerfristiger Ausblick

Unter den aktuellen Rahmenbedingungen und Marktpreisen scheinen die Eigentümer der Schweizer Kraftwerke nicht in der Lage zu sein, Investitionen zu tätigen und die Erneuerung der Kraftwerke zu finanzieren. Die schrittweise Abschaltung der Kernkraftwerke führt in den nächsten Jahrzehnten zu einer Abnahme der in der Schweiz produzierten Energie im Umfang von jährlich 25 Terawattstunden (TWh). Der Zubau erneuerbarer Energie wird dies aus heutiger Sicht nicht genügend schnell kompensieren können. Wie oben dargestellt, ist die Abhängigkeit von Importen risikobehaftet.

2.3Qualität der Versorgung

2.3.1Verfügbarkeit des Netzes

Die Versorgungsqualität ist unter anderem durch eine hohe Verfügbarkeit des Netzes definiert. In der Schweiz wird die Entwicklung der Netzverfügbarkeit seit 2010 beobachtet. Die ElCom stützt sich dabei auf die international üblichen Kennzahlen SAIDI (System Average Interruption Duration Index) und SAIFI (System Average Interruption Frequency Index). Der SAIDI quantifiziert die durchschnittliche Unterbrechungsdauer pro Endverbraucher, der SAIFI die durchschnittliche Unterbrechungshäufigkeit pro Endverbraucher. In die Berechnung des SAIDI/SAIFI fliessen alle ungeplanten Unterbrechungen ein, die länger als drei Minuten dauern und aufgrund von Naturereignissen, menschlichem Versagen, betrieblichen Ursachen oder Fremdeinwirkungen auftreten.

kurzzeitig limitiert. Swissgrid hat Frankreich soweit möglich unterstützt und die Situation mit der ElCom reflektiert. Auch wenn dies nicht zu unmittelbar kritischen Situationen in der Schweiz führte, zeigten sich Risiken im Falle von hoher Importabhängigkeit.

Verstärkt wird dieses Risiko durch die geplante Ausserbetriebnahme von mehreren Gross- kraftwerken in Süddeutschland ohne gleichzeitigen Ausbau des innerdeutschen Netzes.

Die ElCom stellt fest, dass dieses Thema bei den zuständigen politischen Stellen (Bundesamt für Energie, Energiekommissionen des Parlaments) zur Kenntnis genommen wurde. Die ElCom wird die entsprechenden Diskussio- nen verfolgen und sich wo nötig einbringen, damit die Schweizer Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleistet bleibt.

Die ElCom wertet für die Beobachtung der Netzverfügbarkeit die Unterbrechungen der 96 grössten Schweizer Netzbetreiber aus. Diese 96 Netzbetreiber wickeln 89 Prozent des gesamten Schweizer Energieumsatzes über ihre Netze ab und speisen 80 Prozent der Energie direkt an ihre Endverbraucher aus. Im Jahr 2015 verzeichneten die 96 grössten Schweizer Netzbetreiber 4’401 ungeplante Unterbrechungen (vgl. Tabelle 1). Damit nahm die Zahl der ungeplanten Unterbrechungen gegenüber dem Vorjahr um knapp 400 zu. Die Anzahl Unterbrechungen als solches lässt jedoch noch keine abschliessende Aussage über die Netzverfügbarkeit zu. Erst verbunden mit der Dauer der Unterbrechungen und der Anzahl betroffener Endverbraucher kann eine aussagekräftige Angabe zur Verfügbarkeit des Netzes gemacht werden.

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Unterbrechungen 4’264 5’038 4’615

SAIDI 16 2215

SAIFI 0.28 0.34 0.28

2014 2015 1 Einheit

4’039 4’401 Anzahl

13 11 Minuten pro Endverbraucher

0.22 0.23 Unterbrechungen pro Endverbraucher

Tabelle 1: Entwicklung der Versorgungsqualität in der Schweiz 2011–2015 (nur ungeplante Unterbrechungen)

Im Jahr 2015 betrug die durchschnittliche Dauer der ungeplanten Unterbrechungen pro Endverbraucher 11 Minuten. Damit verbesserte sich dieser Indikator landesweit gegenüber dem Vorjahr um 2 Minuten. Die durchschnittliche Häufigkeit einer ungeplanten Unterbrechung pro Endverbraucher nahm im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr leicht zu und lag bei 0.23 Unterbrechungen pro Endverbraucher.

Die Schweizer Netzverfügbarkeit entwickelte sich insgesamt seit dem Jahr 2012 positiv. Die höheren SAIDI- und SAIFI-Werte im Jahr 2012

2.3.2Importkapazität

Neben der Verfügbarkeit des Netzes ist auch die verfügbare Importkapazität eine wichtige Kenngrösse für eine sichere Stromversorgung in der Schweiz. Die ElCom verfolgt deshalb die Entwicklung der verfügbaren Grenzkapazitäten (Net Transfer Capacity, NTC). Der NTC gibt an, wie viel Transportkapazität grenzüberschreitend mit den Nachbarstaaten verfügbar ist, ohne die Sicherheitsstandards zu

NTC (MW) 20122013
Frankreich 3’109 3’060 Deutschland 895965
Östereich 456512

Italien 1’724 1’726 waren hauptsächlich auf ausserordentliche Naturereignisse (Sturm und Schnee) zurückzuführen. Die hohe Versorgungsqualität in der Schweiz ist auch im internationalen Vergleich feststellbar. Gemäss dem «6th CEER Benchmarking Report on the Quality of Electricity and Gas Supply» gehört die Schweiz zur Gruppe von Ländern mit der höchsten Versorgungsqualität in Europa.

1 Die Zahlen zur Versorgungsqualität 2016 werden im Juni 2017 veröffentlicht und sind auf der Internetseite der ElCom abrufbar.

verletzen. Swissgrid bestimmt den Wert für die vier Schweizer Grenzen gemeinsam mit den Betreibern der benachbarten Übertragungsnetze. Der Anteil der Importkapazität des Fürstentums Liechtenstein, das der Regelzone Schweiz angehört, wird der Importkapazität aus Österreich angerechnet. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Entwicklung der verfügbaren Importkapazitäten.

2014 20152016

3’093 3’073 2’974 1’094 1’373 1’468

612779 1’722 1’722 1’717 Tabelle 2: Verfügbare Importkapazität der Schweiz 2012–2016 Abgaben und Leistungen Direkte Steuern Betriebs- und Verwaltungskosten Kapitalkosten 2011 2012 2013 2014 Abbildung 6: Zusammensetzung der Netzkosten Investitionen Abschreibungen 2014 Abbildung 7: Entwicklung der Investitionen und Abschreibungen im Verteilnetz 15.0 KEV 10.0 5.0 0.0 2013 2014 Abgabe Energie Netznutzung 2016 Abbildung 12: Kostenbestandteile des mittleren Gesamtstrompreises für das Konsumprofil H4 (exkl. MWSt.) Abbildung 14: Vergleich der mittleren kantonalen Tarife (Median) für die Energie für das Konsumprofil H4 der Jahre 2013 und 2017 Abbildung 15: Vergleich der kantonalen Mediantarife für die kantonalen und kommunalen Abgaben und Leistungen an das Gemeinwesen für das Konsumprofil H4 der Jahre 2013 und 2017 Abbildung 16: Vergleich der mittleren kantonalen Tarife (Median) für den Gesamtstrompreis für das Konsumprofil H4 der Jahre 2013 und 2017 2014 2015 für die Reduktion der anrechenbaren Kosten für Erhalt und Ausbau des Übertragungsnetzes für die Kosten des Auktionsbetriebes und der Engpassbeseitigung Abbildung 17: Verwendung der Auktionserlöse 2012–2016 Abbildung 18: Das Organigramm der ElCom

— S. 12 —

Da der Austausch von Energie mit den Nachbarländern hauptsächlich über das 380 kV-Netz erfolgt, der importierte Strom den Endkunden in den Verteilnetzen der Schweiz allerdings auf 220 kV bereitgestellt wird, bestimmt in erster Linie die verfügbare Kapazität der Kuppeltransformatoren (380/220 kV) die maximal mögliche Importkapazität der Schweiz. Die Importkapazitäten an den einzelnen Landesgrenzen blieben zwischen 2012 und 2016 für Italien relativ stabil und stiegen in Deutschland und Österreich leicht an. Dieser Anstieg der Importkapazitäten in den Jahren 2014 und 2015 war einerseits auf eine Verschiebung bzw. einen Neubau eines 380/220 kV-Transformators (Bassecourt bzw. Bickigen) zurückzuführen (physische Kapazitätserweiterungen). Andererseits konnte Swissgrid die Importkapazität an der deutschen und österreichischen Grenze im

NTC (MW) 20122013

Italien 2’826 2’767 Winter 2015 aufgrund von neuen Planungs- und Prognosesystemen optimieren. Für Frankreich blieben die Importkapazitäten zwischen 2012 und 2015 relativ stabil. Für 2016 sanken sie allerdings.

Aufgrund der hohen Transitflüsse durch die Schweiz von Norden nach Süden ist für die Versorgungssicherheit der Schweiz auch die verfügbare Exportkapazität nach Italien von Bedeutung. Der Umfang dieser Exportkapazität hat einen massgeblichen Einfluss auf die Belegung der Importkapazität an der Grenze zu Frankreich, Deutschland und Österreich. Um die italienische Netzstabilität sicherzustellen, ordnete der italienische Übertragungsnetzbetreiber TERNA in den vergangenen Jahren häufigere Kapazitätsreduktionen an (siehe Tabelle 3).

2014 20152016

2’557 2’948 2’986

Tabelle 3: Entwicklung der Exportkapazität der Schweiz nach Italien 2012–2016

2.4Kapazitätsmechanismen

Der mittel- und westeuropäische Produktionspark für elektrische Energie befindet sich in einem radikalen Umbau. Konventionelle Kraftwerke, insbesondere Kernkraftwerke, verlieren an Bedeutung, während immer mehr Produktionsanlagen für erneuerbaren Strom zugebaut werden. Dies geschieht auch mit Unterstützung staatlicher Förderprogramme. Im Gegensatz zur befürchteten Stromlücke hat sich in den vergangenen Jahren auf dem europäischen Strommarkt – trotz Ausserbetriebnahme von thermischen Kraftwerken – ein breites Überangebot ergeben. Die stagnierende Nachfrage hat diesen Trend verstärkt. Das Überangebot führte an den Grosshandelsmärkten für Strom, zusammen mit sinkenden Brennstoffkosten und fallenden Preisen für CO2-Zertifikate, zu einem langjährigen Preiszerfall. Auf Basis des Schweizer Strompreises SwissIX lässt sich – verglichen mit dem Preisniveau zum Ende des vergangenen Jahrzehnts – nur noch etwa die Hälfte des Erlöses pro kWh erwirtschaften.

Um die Wirtschaftlichkeit der bestehenden Kraftwerke auch in Zukunft garantieren zu können, werden zwei Konzepte verfolgt: Entweder lässt man den Marktkräften an den Stromhandelsplätzen freien Lauf, so dass sich in Engpasssituationen Strompreise ergeben, die unter Umständen ein Vielfaches über den Durchschnittspreisen liegen. Damit liessen — S. 13 —sich auch bei wenigen Betriebsstunden im Jahr die Vollkosten der konventionellen Kraftwerke finanzieren. Oder aber der Staat lässt keine freien Preisspitzen zu und begrenzt somit die Preise für Strom. Zugleich sichert er aber mit sogenannten Kapazitätsmechanismen die Bereitstellung ausreichen- der Kraftwerkskapazitäten.

Abbildung 1: Vereinfachte Übersicht zu Kapazitätsmechanismen in ausgewählten Ländern Europas

In vielen Ländern Europas, auch innerhalb der EU, ist die Einführung solcher Kapazitätsmechanismen geplant oder bereits umge- setzt (vgl. Abbildung 1). In einer einschlägi- gen Sektoruntersuchung identifizierte die EU Kommission im Jahr 2016 eine Vielzahl von Kapazitätsmechanismen: 35 bisherige, aktuelle, verworfene und geplante Mechanismen alleine in den elf untersuchten Ländern. Gemäss der Untersuchung sind marktweite Kapazitätsmechanismen am besten geeignet, wenn auf lange Sicht ein Risiko für eine angemessene Versorgungssicherheit besteht. Für ein vorübergehendes Risiko sind, gemäss der Untersuchung, strategische Reserven das geeignete Mittel. Die Europäische Kommission hat nach detaillierter Prüfung den französischen Kapazitätsmechanismus genehmigt, nach dem explizit auch Anbieter aus anderen Mitgliedstaaten teilnehmen können. Allerdings ist die Frage, ob Schweizer Anbieter teilnehmen können, derzeit noch ungeklärt.

Mit den heutigen Kraftwerkskapazitäten reichen die Importmöglichkeiten aus, um die Versorgungssicherheit in der Schweiz zu gewährleisten. Die ElCom hat jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Sicherstellung der Versorgungssicherheit mittels Stromimporten die Schweiz abhängig von exogen — S. 14 —gesteuerten Risiken macht. Zudem ist nicht damit zu rechnen, dass unter den derzeit gegebenen Marktbedingungen neue Kraftwerke in der Schweiz ohne staatliche Förderung im längerfristig benötigten Umfang zugebaut werden. Die ElCom hat aufgrund dieser Ent-

2.5Systemdienstleistungen

Um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, sind genügend Produktionskapazitäten für die Erzeugung elektrischer Energie und ein ausreichend dimensioniertes Übertragungs- und Verteilnetz für den Energietransport zum Endkunden notwendig. Da man elektrische Energie im Stromnetz nicht speichern kann, muss die ins Netz eingespeiste Menge an Energie zu jedem Zeitpunkt mit jener Menge übereinstimmen, die aus dem Netz entnommen wird. Trotz qualitativ hochwertiger Prognosen der Energieversorger für Produktion und Verbrauch ist eine exakte Planung nicht möglich. Deshalb müssen auch kleinere Abweichungen von den Sollwerten kontinuierlich ausgeglichen werden.

Dieser Ausgleich findet grösstenteils durch die Anpassung der Stromproduktion an den aktuellen Verbrauch statt. Für diesen ständigen Ausgleich zwischen Produktion und Verbrauch sind Kraftwerke nötig, deren Produktion sich besonders gut regeln lässt. Die von diesen Kraftwerken bereitgestellte Regelleistung wird in einem marktbasierten Verfahren beschafft. Die dafür anfallenden Kosten sind vom Endkunden über den Tarif für allgemeine Systemdienstleistungen zu tragen. Über diesen Tarif werden noch weitere für den sicheren Netzbetrieb notwendige Dienstleistungen wie Bilanzmanagement, Schwarzstart- und Inselbetriebsfähigkeit, Spannungshaltung oder der Ausgleich der Wirkverluste verrechnet. Die Regelleistung stellt jedoch den finanziell bedeutendsten Teil der Systemdienstleistungen dar. wicklungen beschlossen, die Notwendigkeit der Einführung von Kapazitätsmechanismen in der Schweiz grundsätzlich zu überdenken. Dies wird vor allem im Hinblick auf die mittel- und langfristig sichere Versorgung zu angemessenen Preisen geschehen.

Aufgrund der kritischen Netzsituation im Winter 2015/2016 (vgl. Tätigkeitsbericht der ElCom 2015, Kapitel 3.5) musste im Berichtsjahr mit einer Verknappung der Reserven der Speicherseen gerechnet werden. Dies hätte weiter zu einer möglichen Verknappung des Angebots an Regelleistungsprodukten führen können, da diese hauptsächlich von Speicherkraftwerken geliefert werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat Swissgrid eine Risikoabwägung bezüglich der Reduktion der Regelleistungs- vorhaltemengen durchgeführt. Aufgrund dieser Analyse und der drohenden Verknappung der Speicherreserven hat sich Swissgrid entschieden, die Vorhaltemengen zu senken und diese Minimalmengen vorzeitig zu beschaffen.

Im Berichtsjahr betrugen die Kosten für Regelleistung rund 169.7 Millionen Franken, wobei der Anteil für die Sekundärregelleistung mit rund 109.4 Millionen Franken am höchsten war. Abbildung 2 zeigt die Preisentwicklung der Sekundärregelleistung von 2012 bis 2016, wobei für 2016 die Preise inklusive der vorzeitigen Beschaffung (2016 inkl. vB) und für die reguläre Beschaffung der Restmenge (2016 rB) getrennt abgebildet werden. Aufgrund der kritischen Netzsituation im Winter 2015/2016 und der Ausserbetriebnahme von Kernkraftwerken in Frankreich (vgl. Kapitel 2.2) stiegen die Preise für Sekundärregelleistung zu Beginn und Ende des Berichtjahres an.

— S. 15 —

110Max.: 376 CHF/MW/h

100

90

80

70

60

50

40

30

20 10 0 1 6 11 162126 31 36 41 4651
Kalenderwoche 2012 20132014

2015 2016 inkl. vB 2016 rB

Abbildung 2: Preisentwicklung Sekundärregelleistung 2012 bis 2016 unter Berücksichtigung der vorzeitigen Beschaffung (vB) und regulären Beschaffung der Restmenge (rB)

Durch die vorzeitige Beschaffung konnte der übliche Preisanstieg im Frühjahr gemildert werden. Die Preise der ersten Beschaffungs- stufe (2016 vB S1) verblieben noch auf dem hohen Preisniveau, während die Preise der vorzeitigen Beschaffung in der zweiten (2016 vB S2) und dritten (2016 vB S3) Stufe sanken und sich dem Preis der regulären Beschaffung der Restmenge (2016 rB) annäherten (vgl. Abbildung 3). Die Preise für die reguläre Beschaffung (2016 rB) der Restmenge lagen hingegen unter dem mehrjährigen Frühjahres- durchschnitt (vgl. Abbildung 2).

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2016 vB S1 2016 vB S2 2016 vB S3 2016 rB

Abbildung 3: Preisentwicklung vorzeitige Beschaffung Sekundärregelleistung 2016

Ein Vergleich über mehrere Jahre lässt schlie- einzelne Grossverbraucher (Kühlhäuser, Wärssen, dass der langjährige Preistrend für Regelmepumpen etc.) ihren Verbrauch vorüberge- leistung nach unten zeigt. Dabei spielen hend reduzieren, um einen Beitrag zum Aus- mehrere Faktoren mit. So haben die Kraft- gleich von Produktion und Verbrauch zu leisten. werksbetreiber gezielt Anstrengungen unter-Ein weiterer Ansatz liegt im Ausbau internationommen, um das Angebot von Regelleistung naler Kooperationen. Die Zusammenarbeit mit zu erhöhen. Anstatt einer Steuerung über die Nachbarländern eröffnet weitere Sparpoten-Produktion können auf der anderen Seite auch ziale bei der Regelleistungsbeschaffung.

Quelle: elcom.admin.ch · Tätigkeitsberichte (EDÖB) 2017