Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2013/35: Änderung der Anhänge der Verordnung des WBF über Mindestvorschriften für die Anerkennung von Bildungsgängen und Nachdiplomstudien der höheren Fachschulen (MiVo-HF) · 9 Seiten
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Erläuternder Bericht
2 Änderungen der Anhänge
2.1 Anhang 1: Höhere Fachschulen für Technik
Ziffer 1 Bst. p
Neue Fachrichtung:
p. Grossanlagenbetrieb
Swissnuclear setzt sich für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz ein. Ihre Mitgliedunternehmen betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 40% des Strombedarfs der Schweiz produzieren. Der Betrieb der Werke erfordert qualifiziertes Fachpersonal. Die einzige Ausbildungsstätte für "Kernkraftwerkstechniker" in der Schweiz ist derzeit die Reaktorschule des Paul Scherrer Instituts (PSI). Sie ist seit 1989 als Technikerschule anerkannt und vergibt den Absolventinnen und Absolventen den Titel "Dipl. Technikerin HF / Dipl. Techniker HF". Der Bildungsgang soll neurechtlich anerkannt werden. Die aktuell im Rahmenlehrplan Technik enthaltenen Fachrichtungen fokussieren auf Planung, Produktion oder Entwicklung von Bauwerken oder Systemen. Der Ausbildungsschwerpunkt der Ausbildung am PSI liegt jedoch auf dem Betreiben einer komplexen Anlage.
Die Fachrichtung "Grossanlagenbetrieb" deckt die Kenntnisse der Systeme und Prozesse zum Betreiben einer grossen, komplexen Anlage ab. Die Betriebszeit grosstechnischer Anlagen beträgt in der Regel Jahrzehnte. Entsprechend nachhaltig muss die Ausbildung des Betriebspersonals sein. Die Fachrichtung macht keine system- oder prozessspezifischen Vorgaben. Dies verschafft der Ausbildung die nötige Flexibilität, damit sie der künftigen Weiterentwicklung oder Modifikation bei Grossanlagen gerecht werden kann. Auch nicht-nukleare Industriezweige können sich in der Fachrichtung wiederfinden und diese weiter stärken.
Der Bedarf der Kraftwerke lag bis anhin bei der Ausbildung von 10 bis 15 Reaktoroperateuren pro Jahr. Auch ohne den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz wird der Bedarf in den nächsten zwei Jahrzehnten gleich bleiben. Somit liegt der jährliche Ausbildungsbedarf bei 10 bis 15 "dipl. Technikerinnen HF Grossanlagenbetrieb / dipl. Technikern HF Grossanlagenbetrieb". Diese Fachleute werden aufgrund regulatorischer Vorschriften ebenfalls während der Nachbetriebsphase im Kernkraftwerk benötigt werden. Es gibt weitere Industriezweige in der Schweiz (z.B. Chemie, Petrochemie, Pharmazeutika), die grosse und komplexe Produktionsanlagen mit Risikopotenzial betreiben. Die Fachrichtung "Grossanlagenbetrieb" bietet auch diesen Industriezweigen die Möglichkeit, entsprechende Bildungsangebote aufzubauen.
Die Technikerschule am PSI bietet in der Schweiz aktuell als einzige die theoretische Grundlagenausbildung an, die eine Technikerin oder ein Techniker HF für die berufliche Tätigkeit im Kernkraftwerk benötigt. Die ETH bietet einen "Master of Science in Nuclear Engineering" an. Absolventinnen und Absolventen dieses Bildungsangebots übernehmen als Fachspezialisten oder Projektleiterinnen und Projektleiter Aufgaben in der Kernenergiebranche. Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bietet zudem im Rahmen des Bachelorstudiengangs "Maschinenbau" in der Vertiefungsrichtung "Energietechnik" ein Modul "Kerntechnik" an.
Die Abgrenzung der Bezeichnung "Grossanlagenbetrieb" zu den Bezeichnungen der Studiengänge der ETH und der FHNW ist gegeben. Es gibt auch vergleichbare Studienangebote in anderen Ländern. In Deutschland wird ein ähnlicher Studiengang als Ausbildung zum "Kraftwerksmeister - Fachrichtung Produktion" bezeichnet.
Für die Fachrichtung "Grossanlagenbetrieb" gelten eidgenössische Fähigkeitszeugnisse (EFZ) in technischen Berufen als einschlägig.
Die Ergänzung des Rahmenlehrplans "Technik HF" ist in Ausarbeitung.
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