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Vernehmlassung 2005/43: Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Agrarpolitik 2011) · 370 Seiten

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Zukünftige Rahmenbedingungen

¾ Organisatorisch-institutionelle

Die biologisch-chemischen Neuerungen bringen höhere Flächenerträge im Pflanzenbau sowie steigende Milchleistungen und Tageszunahmen in der Tierproduktion, aber auch bessere Produktqualitäten. Diese Effizienzsteigerungen werden primär durch gezielte Züchtung, aber auch durch immer ausgefeiltere Abstimmung von Düngung, Pflanzenschutz, Fütterung etc. auf die Bedürfnisse der Pflanzen bzw. Tiere erreicht. Die durchschnittliche Milchleistung in der Schweiz ist beispielsweise seit 1960 kontinuierlich um 70 Kilogramm pro Jahr angestiegen. In der Milchproduktion ist mit einer weiteren Zunahme in dieser Grössenordnung zu rechnen. Die Tageszunahmen in der Fleischproduktion, die Legeleistung in der Eierproduktion und die Erträge im Ackerbau dagegen stossen zunehmend an natürliche Grenzen.

Auch die Effizienz des Produktionsmitteleinsatzes hat in den letzten zehn Jahren zugenommen. Die Hofdünger wurden mit verlustärmeren Verfahren und bedarfsgerechter ausgebracht. Dadurch konnte der Einsatz von Mineraldünger wesentlich reduziert werden. Diesbezüglich besteht noch ein erhebliches Potenzial. Pflanzenbehandlungsmittel wurden aufgrund der Vorgabe des ÖLN nicht mehr prophylaktisch, sondern vermehrt nur noch beim Erreichen der Schadschwelle eingesetzt.

Die Anwendung des biologisch-chemischen Fortschritts kann Gegenstand heftiger und kontroverser Debatten sein, mit dem Ergebnis, dass aus ethischen, ökologischen oder gesundheitspolitischen Gründen die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden. So ist der Einsatz von Hormonen und antibiotischen Leistungsförderern in der Schweiz verboten. Genetisch veränderte Pflanzen wurden bisher ebenfalls nicht angebaut.

Bei den mechanisch-elektronischen Neuerungen (z.B. neue Ernte- oder Melkverfahren) sind die gesellschaftlichen Vorbehalte wesentlich geringer als bei der Anwendung des biologisch-chemischen Fortschritts. Der Entscheid für oder gegen die Anwendung des mechanisch-elektronischen Fortschritts liegt weitgehend bei der Betriebsleitung. Neben dem notwendigen Investitionskapital setzt der wirtschaftliche Einsatz eine bestimmte Betriebsstruktur voraus, damit die angestrebte Produktivitätssteigerung zum Tragen kommt. Die heute verfügbare Technik erfordert in den meisten Bereichen minimale Flächen und Tierbestände. Der mechanischelektronische Fortschritt ist deshalb eine entscheidende Triebfeder für den Strukturwandel. Neuere Entwicklungen sind die elektronische Datenverarbeitung im Pflanzenbau, GPS-Satelliten-Navigation, Melkroboter oder Software zum Herdenmanagement.

Der Einsatz des technischen Fortschritts kann auf betrieblicher Ebene arbeitswirtschaftliche, ökonomische und somit soziale Wirkungen induzieren, welche auch den strukturellen Anpassungsprozess beeinflussen. Mechanisch-elektronische Neuerungen können auch von Nutzen für die Umwelt sein (minimale Bodenbearbeitung, Schleppschlauchverteiler, Gülleaufbereitung, etc.). Anhand der Milchviehhaltung, einem traditionell sehr arbeitsintensiven Betriebszweig, wird nachfolgend eine solche Entwicklung gezeigt. Mit modernen Fütterungs- und Melkverfahren wurde der Zeitbedarf und auch die körperliche Belastung laufend reduziert (Abbildung 27). Der Melkroboter ermöglicht in erster Linie einen wesentlich flexibleren Arbeitseinsatz, da die fixen Melkzeiten nicht mehr eingehalten werden müssen55. Die Arbeit verlagert

55 Kaufmann, R.; Ammann, H.; Hilty, R.; Nosal, D. u. M. Schick (2001): Automatisches Melken. FAT-Berichte Nr. 579, Agroscope FAT Tänikon.