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Vernehmlassung 2015/28: Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) · 50 Seiten

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Zentrale Herausforderungen

Das Schweizer Gesundheitswesen verfügt im kurativen Bereich über eine hohe Qualität und

Versorgungsdichte. Die Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF sind umfassend und verfolgen neben der Frage des individuellen auch Ziele des kollektiven Schutzes auf Bevölkerungsebene. Insbesondere im Zusammenhang mit der Frage des Herdenschutzes und des Schutzes von Personen, welche aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder weniger gut auf die Impfstoffe ansprechen, sind für einzelne empfohlene Impfungen hohe Durchimpfungsraten notwendig. Trotz des hoch entwickelten Gesundheitswesens werden die Impfziele auf Bevölkerungsebene nur teilweise erreicht.

Auch wenn die Wirksamkeit der Impfungen als Präventionsmassnahme wissenschaftlich belegt ist und die Kinder in der Schweiz in den ersten Lebensjahren hohe Durchimpfungsraten erreichen, gibt es bei

einzelnen Impfungen und bei bestimmten Zielgruppen noch Lücken und Verbesserungspotenziale. Dabei beruhen Impflücken bei einzelnen Personen oft nicht auf der Ablehnung der Impfung, sondern auf

fehlenden Kenntnissen oder Problemen der Zugänglichkeit. Oft gehen geplante Impftermine schlichtweg vergessen, weil sie auf aktive Nachfrage der zu impfenden Personen wahrgenommen werden müssen.

In der Schweiz sind viele Partner auf unterschiedlichen Ebenen am Impfen beteiligt. Das optimale

Zusammenwirken von Bund, Kantonen, Institutionen und anderen Akteuren über den gesamten Prozess – von der Zulassung von Impfstoffen durch die Heilmittelkontrolle über das Erarbeiten von

Impfempfehlungen bis zum Umsetzen des Impfplans durch Bund und Kantone und

Gesundheitsfachpersonen in unterschiedlichen Fachgebieten und Sektoren – ist eine zentrale

Herausforderung für das Erreichen der Impfziele. Der Prozess kann dazu nach den Kriterien

Verfügbarkeit, Zugang, Akzeptanz, Nutzung und Effektivität überprüft und optimiert werden (Bosch-Capblanch, 2013a). Daraus ergeben sich in den unterschiedlichen Handlungsbereichen ein

Handlungsbedarf und spezifische Zielsetzungen, die in der vorliegenden nationalen Strategie

zusammengefasst sind.

Die Akteure der öffentlichen Gesundheit haben grundsätzlich die Aufgabe, im Rahmen ihrer beruflichen Kompetenzen dazu beizutragen, dass die Impfempfehlungen und die notwendigen Informationen zu Nutzen und Risiken der Impfungen die Bevölkerung erreichen. Damit das Potenzial der Impfungen möglichst gut genutzt werden kann, ist es wichtig, dass die involvierten Akteure auf allen Ebenen ihre Rolle übernehmen und das Ziel verfolgen, Individuen und die Bevölkerung möglichst umfassend durch Impfungen zu schützen und dabei möglichst keinen Schaden zu verursachen. Die verschiedenen

Fachbereiche arbeiten so zusammen, dass der Zugang zu Informationen und zu Impfungen für impfwillige Personen einfach wird. Kindertagesstätten und Schulgesundheitsdienste bieten Gelegenheit, den

Impfschutz zu überprüfen und allenfalls zu ergänzen.

Der Impfplan selber ist komplex und die Impfberatung anspruchsvoll. Die Fachkompetenz und

Unabhängigkeit der Mitglieder der EKIF für die Ausarbeitung des Impfplans sind eine

Grundvoraussetzung für die Akzeptanz der Impfempfehlungen. Letztere müssen so aufbereitet und vermittelt werden, dass sie auf die Bedürfnisse der Zielgruppen eingehen, das heisst namentlich: für diese nachvollziehbar und verständlich sind.

Damit Fachpersonen ihre Beratungsfunktion gegenüber ihren Patientinnen und Patienten oder ihren Kundinnen und Kunden optimal wahrnehmen können, müssen sie im Rahmen ihrer universitären

Ausbildung und ihrer Weiter- und Fortbildung Kenntnisse über die wissenschaftlichen Grundlagen zur Wirksamkeit, Sicherheit und Indikation von einzelnen Impfungen erworben haben. Die Abgeltung ihres Beratungsaufwands soll den dafür notwendigen Kompetenzen entsprechen und ihr Engagement fördern.

Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) – Entwurf vom 29.03.2016