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Vernehmlassung 2005/43: Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Agrarpolitik 2011) · 370 Seiten
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Rahmenbedingungen für Produktion und Absatz (2. Titel LwG)
2.1.2 Milchwirtschaft
2.1.2.1 Ausgangslage
2.1.2.1.1 Heutige Milchmarktordnung
Milch ist seit je das strategisch wichtigste Produkt der schweizerischen Landwirtschaft und entsprechend gross ist auch der staatliche Einfluss. Liberalisierung und marktwirtschaftliche Neuorientierung im Rahmen der Agrarreform haben diesen Sektor deshalb in besonderem Masse gefordert. Auch wenn der Reformprozess noch nicht abgeschlossen ist, prägen liberale marktwirtschaftliche Prinzipien die heutige Milchwirtschaft.
Grundsätze
Der Bund greift nicht mehr direkt ins Marktgeschehen ein. Die Marktakteure bestimmen in unternehmerischer Selbstverantwortung über Produktion, Verwertung und Vermarktung von Milch und Milchprodukten. Die preisliche Konkurrenzfähigkeit des Sektors wird von der öffentlichen Hand mit Zulagen und Beihilfen unterstützt, Garantien irgendwelcher Art gibt es aber keine mehr. Einzig über die Einfuhrbestimmungen und durch die Milchkontingentierung beeinflusst der Bund das Angebot an Milch- und Milchprodukten auf dem Schweizer Markt.
Auch unter einer liberalen Ordnung sind Käseherstellung und Käsevermarktung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung des Milchsektors ausschlaggebend. Fährt die „Lokomotive Käse“ gut, profitiert davon der ganze „Milchzug“. Das Ziel der heutigen Milchmarktordnung ist es deshalb, die Wertschöpfung in der Milchwirtschaft mit einer möglichst erfolgreichen Vermarktung von Käse im In- und Ausland zu optimieren.
Instrumente
Das Instrumentarium der aktuellen Milchmarktordnung setzt sich zusammen aus der Mengenregelung bei der Milchproduktion (Milchkontingentierung), aus der Marktstützung (Zulagen für verkäste und silagefrei produzierte Milch sowie differenzierte Beihilfen zugunsten des Absatzes im In- und Ausland) und aus dem Grenzschutz. Im Zusammenspiel der drei Bereiche kommt der Marktstützung heute eine dominierende Rolle für die Höhe des Produzentenmilchpreises zu. Ausschlaggebend dafür ist insbesondere die Höhe der Zulage auf der verkästen Milch, die den Käsereimilchpreis anhebt. Gleichzeitig übt die Verkäsungszulage indirekt auch einen entsprechenden Einfluss auf den Produzentenmilchpreis im ungestützten Molkereibereich aus (Abbildung 36). Auch ohne spezifische Marktstützung mit öffentlichen Mitteln bleibt somit der Produzentenpreis für die Herstellung von Molkereiprodukten vergleichsweise hoch. Der Hersteller kommt zum Rohstoff Milch nur dann, wenn er dafür etwa jenen Preis zahlt, den der Käsefabrikant offerieren kann einschliesslich Verkäsungszulage (Hebelwirkung). Das Konsumentenpreisniveau für Molkereiprodukte ist deshalb ebenfalls entsprechend höher.