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Vernehmlassung 2005/43: Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Agrarpolitik 2011) · 370 Seiten

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Zwischenbilanz der Reform

beträchtlichen Einwohnerverlusten befinden sich im weiteren Gotthardgebiet (Goms, Haslital, Kanton Uri, Surselva, Bleniotal, Leventina). Nach wie vor weisen das Emmental, das Entlebuch, das Sernf- und Maggiatal sowie Teile des Juras Bevölkerungsverluste auf36.

Im ländlichen Raum, definiert als alle Gebiete ausserhalb der Agglomerationen, lebten im Jahr 2000 noch 27 Prozent der Bevölkerung (1990: 31%,1970: 43%)37. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe sank zwischen 1990 und 2003 insbesondere aufgrund der technischen Entwicklung von 92 800 auf 65 000 und die Zahl der Beschäftigten von 253 600 auf 193 200. Entsprechend hat der direkte wie auch der indirekte Beitrag der Landwirtschaft zur Besiedlung abgenommen.

Eine Studie des Instituts für Agrarwirtschaft der ETH Zürich38 zeigt, dass bezüglich Besiedlung 230 Gemeinden als gefährdet bezeichnet werden müssen. Untersucht wurden alle Schweizer Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern. Als Indikatoren wurden die Entwicklung der arbeitsfähigen Bevölkerung (20-65) seit 1970 sowie die Entwicklung der jungen arbeitsfähigen Bevölkerung (20-39) seit 1990 verwendet.

Im Rahmen der Studie wurde berechnet, wie viele Gemeinden unter Berücksichtigung des indirekten Besiedlungseffekts der Landwirtschaft als gefährdet einzustufen wären, wenn die Landwirtschaft verschwinden würde. Sie kommt zum Schluss, dass ohne Landwirtschaft 245 Gemeinden in ihrer Existenz bedroht wären. Zusätzlich wäre die Hälfte der Gemeinden, die bereits heute bedroht sind (115 von 230), noch wesentlich stärker bedroht. Gesamthaft ist also der Beitrag der Landwirtschaft zur Besiedlung in 360 Gemeinden (rund 12% der Gemeinden der Schweiz) wesentlich. Bei den übrigen der insgesamt 230 bereits heute bedrohten Gemeinden (ebenfalls 115) würde der Wegfall der Landwirtschaft keinen Unterschied mehr ausmachen, weil die Landwirtschaft dort entweder praktisch keine Bedeutung mehr hat oder die Gemeinden bereits mit Landwirtschaft maximal gefährdet sind.

Bei den Gemeinden, in denen die Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Besiedlung leistet handelt es sich um Gemeinden im Münstertal, Unterengadin, Prättigau, der Surselva, im Safiental, Avers, Rheinwald, Schams, Oberhalbstein, Schanfigg, im Sernf-, Blenio- Maggia- und Verzascatal, in der Leventina, im Goms, Oberhasli, Oberems, Lötschental, Emmental, Oberaargau, in der Broye, Pacôt, dem Val de Travers, dem Vallée de Joux, in der Ajoie, den Franches Montagnes und dem Clos du Doubs. In diesen Gemeinden leben 1,2 Prozent der Schweizer Bevölkerung und befinden sich 11 Prozent der direktzahlungsberechtigten landwirtschaftlichen Flächen. Dieses Resultat ist allerdings durch die gewählte Methode bedingt. Der Einbezug weiterer Indikatoren, beispielsweise die Entwicklung von Infrastrukturelementen wie Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten, hätte möglicherweise etwas andere Resultate geliefert. Dasselbe gilt für eine Untersuchung auf einer höheren Aggregationsstufe, zum Beispiel auf der Ebene der Bezirke oder von Talschaften. Die betroffenen Regionen wären jedoch weitgehend dieselben.

36 BFS (2002): Eidgenössische Volkszählung 2000, Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850-2000 37 Schuler, M., Perlik, M. und Pasche N. (2004): Nicht-städtisch, rural oder peripher – wo steht der ländliche Raum heute, ARE, Bundesamt für Raumentwicklung 38 Rieder, P., Buchli, S., Kopainsky, B. (2004): Erfüllung des Verfassungsauftrages durch die Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung ihres Beitrags zur dezentralen Besiedlung