Vorlage
Vernehmlassung 2015/28: Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) · 50 Seiten
Fedlex · Vorlage · Seite 15Fedlex · Vorlage
Handlungsbereich 1b: Beratung und Impfung fördern
Hintergrund
Heute beraten hauptsächlich die Ärztinnen und Ärzte zu Impfungen. Vor allem in der Pädiatrie ist die Beratung für die Impfungen im Kindesalter sehr gut etabliert. Hingegen gehört sie viel weniger zur Routine bei den Allgemeininternistinnen und -internisten und noch weniger bei Fachärztinnen und -ärzten, welche die Versorgung bei besonderen Risiken sicherstellen (z. B. im Bereich Onkologie, Pneumologie,
Rheumatologie) oder Frauen im gebärfähigen Alter betreuen (Gynäkologinnen und Gynäkologen).
Die militärische Aushebung ist eine gute und auch bereits recht häufig genutzte Gelegenheit, um den Impfschutz zu aktualisieren. Die jungen Erwachsenen zeigen sich empfänglich für die Argumente und nehmen die angebotenen Auffrisch- und Nachholimpfungen gerne in Anspruch, wenn sie sich im Zivilleben nicht aktiv darum kümmern. Sie nutzen die Gelegenheit, um die eigene Meinung zu überprüfen oder sich eine solche zu bilden. Personen, die keinen Militärdienst leisten, sind jedoch von dieser Möglichkeit
ausgeschlossen. Ähnlich sind gynäkologische Konsultationen eine Gelegenheit, den Impfschutz bei jungen Frauen zu aktualisieren. Obwohl bereits stark präventiv orientiert, sind diese Konsultationen ungenügend auf die Impfprävention ausgerichtet.
Häufig werden die Ärztinnen und Ärzte durch ihre Hauptaufgabe, die Diagnose und Behandlung, stark in Anspruch genommen. Andere Gesundheitsfachpersonen hätten bei entsprechender Ausbildung eher zeitliche Ressourcen, um über Impfungen zu informieren. In der Westschweiz gehört es zu den Aufgaben der «infirmières scolaires» (Pflegefachpersonen im schulärztlichen Dienst), die Schülerinnen und Schüler im Jugendalter zu informieren. Die Hebammen und die Mütter- und Väterberatungen sind besonders geeignet, um bei Kontrollen, insbesondere bei den Routinekontrollen der Säuglinge in den ersten
Lebensmonaten, entsprechende Gespräche mit den Eltern zu führen. Dies ist derzeit jedoch nicht Teil ihrer Aufgaben und wird deshalb nicht finanziell abgegolten. Es setzt zudem voraus, dass die fraglichen
Berufsgruppen über gute Kenntnisse und Fähigkeiten hinsichtlich der Impfungen verfügen und bereit sind, die nötigen Informationen an die Eltern weiterzugeben. Apothekerinnen und Apotheker eignen sich
ebenfalls gut, um Ihre Kundschaft zu informieren, da Apotheken in grosser Zahl vorhanden, gut zugänglich und oft stark frequentiert sind.
Da Impfungen vergessen gehen, wären Terminerinnerungen sinnvoll. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es aber mit Aufwand verbunden und schwierig, entsprechende Dateien für ihre Patientinnen und Patienten zu erstellen, solange sie nicht über geeignete elektronische Instrumente verfügen.
Gemäss Epidemiengesetz müssen die Kantone die Impfungen fördern und die Ärztinnen und Ärzten und die andere Gesundheitsfachpersonen zur Umsetzung des Impfplans beitragen und über den Impfplan informieren (Art. 20 und 21 EpG und Art. 33-37 EpV).
Handlungsbedarf
Die ärztliche Praxis als Ort und Gelegenheit zur Impfberatung und Durchführung von Impfungen hat für die Umsetzung des Impfplans zentrale Bedeutung. Pädiaterinnen und Pädiater sowie auch Hausärztinnen und Hausärzte, welche Eltern von Säuglingen und Kleinkindern betreuen, legen mit ihrer Beratung das
Fundament für eine gute Compliance mit den Impfempfehlungen. Insgesamt und besonders in ländlichen Regionen sind diese Grundversorgerinnen und Grundversorger aber nicht überall gut verfügbar oder leicht zugänglich. Zudem gestaltet sich die Impfberatung bei Eltern, die grundsätzlich impfkritisch durch
unterschiedliche und sich zum Teil widersprechende Informationen zu den empfohlenen Impfungen
verunsichert oder sind, aufwändig. Die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und gut abgestützter Argumente zur Beratung von verunsicherten Eltern ist vom individuellen Interesse und Engagement der beratenden Fachperson abhängig.
Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) – Entwurf vom 29.03.2016