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Vernehmlassung 2015/28: Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) · 50 Seiten
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Handlungsbereich 2d: Verwendung von elektronischen Impfausweisen fördern, die das offizielle Expertensystem nutzen
Hintergrund
Ein elektronischer Impfausweis8 wurde 2011 von einem Spin-off-Unternehmen der Universität Genf9,
entwickelt. Er wurde vom BAG unterstützt. Er ermöglicht es, die verschlüsselten Impfdaten an einem sicheren Ort aufzubewahren. Der Dateneigentümer kann sie jederzeit und überall über das Internet oder eine Smartphone-Applikation abrufen. Ein weiterer Vorzug dieses Instruments besteht aber auch darin, dass man dank seiner Verbindung mit einem Expertensystem automatisch feststellen kann, ob die
Impfungen gemäss dem neuesten schweizerischen Impfplan auf dem aktuellen Stand sind. Das
Expertensystem beruht auf komplexen Algorithmen, die die Impfempfehlungen der EKIF abbilden und durch Impfexperten aktualisiert und evaluiert werden. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn die Impfungen nach einem ausländischen Impfplan stattgefunden haben. Dabei werden die Impf- und
Krankengeschichte oder Risikofaktoren der betreffenden Person berücksichtigt und bei einem Impfbedarf automatisch Erinnerungen verschickt. Bei einer sehr breiten Anwendung wird er für die
Gesundheitsbehörden von Nutzen sein, um zum Beispiel auf freiwilliger Basis und mit anonymisierten Daten Durchimpfungsraten zu berechnen, den Kommunikationsbedarf entsprechend den Schwachpunkten festzulegen und verletzliche Bevölkerungsgruppen zu identifizieren.
Seit 2013 ist eine Expertensoftware in eine Webplattform (meineimpfungen.ch) integriert, was die Nutzung über das Internet ermöglicht, und im selben Jahr entstand der Online-Validierungsdienst DATAVAC.
Während der Europäischen Impfwochen in den Jahren 2013 und 2014 übernahm das BAG die Kosten im Höhe von 10 Franken für die Validierung der elektronischen Impfausweise über DATAVAC. Dadurch stieg die Bekanntheit des elektronischen Impfausweises beim breiteren Publikum: In vier Jahren ist die Zahl der elektronischen Impfausweise von Null auf über 100 000 angestiegen (Stand Januar 2016), und rund 40 % der papierbasierten Impfausweise wurden durch DATAVAC oder eine der registrierten 4300
Gesundheitsfachpersonen validiert. Das eImpfdossier von meineimpfungen.ch nutzen gegenwärtig vor allem Erwachsene über 30 Jahre (65,5 %), gefolgt von der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen (18,5 %) und der Kinder bis 15 Jahre (16 %). Letztere sind gemäss der schweizerischen Bevölkerungsstatistik überdurchschnittlich vertreten – ein Zeichen für das Interesse, das junge Eltern diesem modernen Tool entgegenbringen.
Heute werden die meisten elektronischen Impfausweise (74 %) von den Bürgerinnen und Bürgern auf meineimpfungen.ch selber erstellt, was zeigt, dass sie deren Vorteile erkannt haben. Die Ärztinnen und Ärzte sind bei der systematischen Verwendung der Software aus Zeitgründen zurückhaltender, obwohl sich in einer Umfrage 75 % der InfoVac-Abonnentinnen und -Abonnenten bereit erklärten, sie unter bestimmten Voraussetzungen einzusetzen (d. h. Schnittstelle mit der Software der elektronischen Patientendossiers und bei Fortbestand der Kostenlosigkeit)(OFSP, 2014). Bei den Apothekerinnen und Apothekern ist die Nutzung des elektronischen Impfausweises dagegen bereits weit verbreitet.
Der elektronische Impfausweis gehört zur Strategie eHealth Suisse von Bund und Kantonen sowie zur Strategie «Gesundheit2020» des Bundesrates. Für die Erfassung der Impfdaten gibt es verschiedene Softwareprodukte, aber nur ein Expertensystem, das mit dem schweizerischen Impfplan übereinstimmt.
8 Der Datenschutz ist beim elektronischen Impfausweis gewährleistet. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, welcher Gesundheitsfachperson sie Zugang zu ihren Daten gewähren. Diese können von ihnen selbst oder von einer Gesundheitsfachperson eingegeben werden. Man kann jederzeit eine Papierversion ausdrucken, die einem herkömmlichen Impfbüchlein gleichwertig ist, sofern eine Gesundheitsfachperson sie validiert (auf Basis eines Dokuments, das die durchgeführten Impfungen nachweist).
9 Mitte 2015 wurde eine Stiftung mit behördlich anerkannter gesundheitspolitischer Zielsetzung gegründet (Fondation mesvaccins). Sie gewährleistet den Fortbestand des Zugangs zum elektronischen Impfausweis und des Einsatzes der in meineimpfungen.ch integrierten Software. Nationale Strategie zu Impfungen (NSI) – Entwurf vom 29.03.2016