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Vernehmlassung 2015/56: Gesamtschau Sportförderung des Bundes · 43 Seiten

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3.3 Vereine

Der Wandel des Zeitgeistes29 macht vor den Sportvereinen nicht halt und verändert das Vereinsleben. Angesichts der fortschreitenden Ausdifferenzierung des Sports und der damit einhergehenden Etablierung neuer Sportformen ist der traditionelle vereinsgebundene Sport zusätzlich herausgefordert. Hinzu kommt die Tatsache, dass es zunehmend anspruchsvoller wird, ehrenamtlich tätige Personen und Übungsleitende zu finden. Hier macht sich besonders deutlich bemerkbar, dass Frauen im Vereinsleben markant schlechter vertreten sind als Männer. Für Vereine mit einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen ist diese Entwicklung besonders problematisch.

Seit 2000 weisen Sportvereine wieder steigende Mitgliederzahlen auf; dies im Unterschied zu Vereinen ausserhalb des Sports. Dabei ist eine Tendenz zu grösseren Vereinen30 festzustellen. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass eine Konzentration der Kräfte und eine Bündelung der ehrenamtlichen Ressourcen im Gang ist.

Die mit Abstand grösste Sorge stellt die Rekrutierung und Bindung von Mitgliedern dar, die für ein freiwilliges Engagement bereit sind. Namentlich fehlt es an Mitgliedern, die sich für ein Ehrenamt verpflichten. In jüngerer Vergangenheit nimmt die Konsumhaltung der Mitglieder zu, während das Zusammenhörigkeitsgefühl tendenziell abnimmt.

Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben den typischen Vertreter des Ehrenamts als männlich, Schweizer mittleren Alters, Vollzeit erwerbstätig, Vater mit einer mittleren bis höheren Bildung und entsprechendem Einkommen. Hauptstütze des Ehrenamts ist der schweizerische Mittelstand. Frauen, Senioren und Migranten beteiligen sich seltener an der Vereinsarbeit.

Im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Mitgliederzahlen kann davon ausgegangen werden, dass sich der zu beobachtende Mitgliederanstieg bei den unter 14-Jährigen sowie bei den Mädchen und Frauen fortsetzt. Die überwiegende Zahl der Vereine hat freie Kapazitäten für neue Mitglieder. Lediglich Vereine mit einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen - insbesondere Fussballvereine - stossen an Grenzen. Als limitierende Faktoren sind schliesslich ausgelastete oder nicht vorhandene Infrastrukturen sowie fehlende Trainerinnen und Trainer zu erwähnen.31

3.4 Schule

Mit ihrer Erklärung zur Bewegungserziehung und Bewegungsförderung in der Schule aus dem Jahre 2005 unterstreicht die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK die Bedeutung des Sports in der Schule.

In Übereinstimmung mit neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen geht die EDK von einem breiten Sport- und Bewegungsverständnis aus. Dieses erstreckt sich neben dem Sportunterricht auf weitere bewegungsfördernde Aktivitäten im Schulalltag, die ein bewegungsfreundliches Umfeld voraussetzen.

Im Rahmen des Sportobligatoriums und des freiwilligen Schulsports können grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen mit sportpädagogisch wertvollen Angeboten erreicht werden. Sport bietet sich zudem als sinnvolles Element der Freizeitgestaltung in schulischen Tagesstrukturen an.

Bewegungserziehung und Bewegungsförderung für alle Schülerinnen und Schüler sind Bestandteil des Bildungsauftrags der Schule. Damit leistet die Schule einen Beitrag zur Gesundheitsförderung und zur Persönlichkeitsentwicklung. Entsprechend den Absichten der EDK ist der Bewegungsförderung und -erziehung in der Schule künftig ein noch stärkeres

29 NZZ vom 26. Mai 2014, Nr. 120, S. 40 „»Neue Ideen braucht der Verein“».

30 1996: 4.6% mit mehr als 300 Mitgliedern, 2010: 7.9%.

31 Lamprecht et al. (2011), Fn 16.