Vorlage

Vernehmlassung 2007/75: Nationales Programm Ernährung und Bewegung 2008-2012 (NPEB 2008-2012) · 69 Seiten

Fedlex · Vorlage · Seite 45Fedlex · Vorlage

4. Die Rolle spezifischer Settings und Zielgruppen (vgl. 2.5.4)

Je nach Altersgruppe sowie nach soziokulturellen Merkmalen spielen die Lebenswelten oder Settings eine unterschiedliche Rolle für das Bewegungsverhalten.

Die Familie ist ein zentrales Setting sowohl für Kinder als auch für nicht ausserhalb des Haushalts arbeitstätige Erwachsene. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung, gerade bei bildungsfernen Zielgruppen Zugang zu diesem Setting zu erlangen.

Die Schule ist für Kinder im entsprechenden Alter das zweite wichtige Setting und hat den grossen Vorteil, dass hier alle soziokulturellen Gruppen und indirekt auch die Familien erreicht werden können. Es ist aber zu bedenken, dass aus dem gleichen Grund die Schule mit einer Fülle von Anliegen be- und oftmals überlastet wird.

Der Arbeitsplatz hat analoge Vorteile für extern Arbeitstätige, wobei zu berücksichtigen ist, dass Bewegungsempfehlungen entsprechend der Arbeitsbelastung anzupassen sind und bei körperlich anstrengenden Aktivitäten eher den Charakter eines Ergänzungs- und Ausgleichstrainings haben sollten.

Das Setting Gemeinde hat ein grosses Potential, da hier nicht nur eine grosse Anzahl von Menschen erreicht wird, sondern auch die lokalen politischen Prozesse zu Verbesserungen auf der Verhältnisebene genutzt werden können. Es ist zu bedenken, dass nicht alle soziokulturellen Gruppen auf Gemeindeebene gleich gut eingebunden sind und deswegen allenfalls spezifische Massnahmen notwendig sein könnten.

Innerhalb der Gemeinde können die Vereine ein spezifisches Setting darstellen, in dem einzelne Gruppen besonders gut erreicht werden können. Bei Sportvereinen und „bewegungsnahen“ Vereinen kann sicher mit dem geringsten Mittelaufwand private Initiative ausgelöst oder unterstützt werden. Um an Zielgruppen mit einem höheren Inaktivitätsanteil zu gelangen, mag aber ein etwas aufwändigerer Zugang gerechtfertigt sein, beispielsweise zu Kulturgruppen oder Vereine von Migrantinnen und Migranten.

Oftmals ist es schwierig, mit Bewegungsanliegen an körperlich Inaktive zu gelangen. Eine besondere Rolle spielt hier das medizinische Setting, wo besonders Hausärztin und Hausarzt einen sehr guten Zugang haben und auch ihre Beratung einen sehr hohen Stellenwert hat.

Im internationalen Vergleich sind die Präventionsangebote und Strukturen in der Schweiz für ein allgemeines Publikum bereits gut ausgebaut. Deshalb ist absehbar, dass sich zusätzliche Massnahmen zur Bewegungs- und Sportförderung immer mehr an spezifische Zielgruppen richten müssen, die durch die bisherigen Aktivitäten noch zu wenig erreicht werden.

5. Netzwerke

Das Netzwerk Gesundheit und Bewegung Schweiz (hepa.ch) ist ein Beispiel eines gut funktionierenden Netzwerkes auf dem Gebiet der Bewegungs- und Sportförderung. Inzwischen umfasst das Netzwerk mehr als hundert Mitgliedorganisationen. Durch Vernetzungsarbeiten wie Informationsaustausch oder Workshoporganisation, sowie Unterstützung der Akteure in verschiedenen Bereichen der Bewegungs- und Sportförderung wird die Zusammenarbeit verbessert.

NPEB 2008–2012 (27.9.2007)