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Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten

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Ausmass, Betroffene Rund 1 Million Menschen gehören in der Schweiz zum Personenkreis mit proble-

matischem Alkoholkonsum, dies ohne Berücksichtigung des situationsunangepassten Konsums (WICKI et al. 2005). Betroffen durch problematisches Trinkverhalten sind nicht nur die Konsumierenden selber. Auch jener Teil der Bevölkerung, der den Alkoholkonsum „im Griff“ hat, gehört dazu: Sei es als Angehörige, Bekannte oder Mitarbeitende von alkoholgefährdeten Personen, sei es als Steuer- und Prämienzahlende, als Gefährdete oder gar als Opfer von alkoholbedingten Unfällen oder Gewaltakten.

1.3.1 Rauschtrinken

Begriffliches Der Begriff „Rauschtrinken“ (engl.: Binge Drinking) steht für den Konsum einer

grossen Menge Alkohol in einem kurzen Zeitraum. Unter Rauschtrinken wird nach international anerkannten Richtlinien ein Konsum von mindestens 4 Standardgläsern bei Frauen bzw. von mindestens deren 5 bei Männern verstanden, dies jeweils bei einer Gelegenheit und mindestens zweimal innert eines Monats (WHO 2007a). Unter einem Standardglas wird jene Alkoholmenge verstanden, die normalerweise 3 dl Bier, 1 dl Wein oder 2 cl Spirituosen entspricht und ca. 10 bis 13 Gramm reinen Alkohol enthält (BAG, SFA 2004).

Ausmass, Verteilung In der Schweiz trinken über eine halbe Million Personen bei wiederkehrenden Ge-

legenheiten (episodisch) zu viel Alkohol, ein Teil davon tut dies sogar chronisch (GMEL et al. 2006). Rauschtrinkende sind in allen Alterskategorien zwischen 15- und 44-Jährigen in absoluten Zahlen etwa gleich stark vertreten. Anteilsmässig nimmt der Anteil Rauschtrinkender mit höherem Alter ab. Rauschtrinken ist zudem eher eine männliche Domäne, jedoch mit zunehmender Verbreitung unter Frauen (WICKI et al. 2005).

Folgen des Lange Zeit wurde in Politik und Öffentlichkeit verkannt, dass mit dem Rauschtrin-Rauschtrinkens ken neben dem chronischen Risikokonsum ein nicht minder Besorgnis erregen-

des Konsummuster besteht. Rauschtrinken ist mit einer Vielzahl von gesundheitlichen und sozialen Negativfolgen verknüpft wie Vergiftungssymptomen, Konzentrationsstörungen, Aggressionen und Gewaltakten, ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder suizidalen Handlungen. Lange Zeit unterschätzt wurde auch die mit Rauschtrinken verbundene Unfall- und Verletzungsgefahr: Neuesten Untersuchungen zufolge tragen gelegentlich Rauschtrinkende das vergleichsweise

höchste Unfallrisiko (SFA 2007).

Rauschtrinken im Besonders gesundheitsschädigend und mit unerwünschten Folgen verbunden ist Kindes-/Jugendalter das Rauschtrinken von Jugendlichen. Der Anteil der unter 16-Jährigen, die bereits

mindestens zweimal in ihrem Leben betrunken waren, hat in den 90er Jahren signifikant zugenommen. Seit dem Jahr 2002 konnte der bedenkliche Trend zwar gebrochen werden – heute haben aber immer noch über ein Viertel der Jungen und knapp ein Fünftel der Mädchen im Alter von 15 Jahren bereits zwei oder mehr „Saufabenteuer“ hinter sich, ein beträchtlicher Teil schon mit 13 Jahren oder früher (SCHMID et al. 2007).

14 NPA 2008 – 2012