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Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten

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1.3.3 Situationsunangepasster Konsum

Begriffliches Unter „situationsunangepasstem Konsum“ (auch „inadäquater“ Alkoholkonsum genannt) wird der Alkoholkonsum in spezifischen Situationen verstanden, in denen schon kleine Mengen mit erheblichen Risiken für die eigene Gesundheit oder für die Gesundheit anderer verbunden sind. Weil jeder Mensch anders auf Alkohol reagiert – in Abhängigkeit zum Beispiel von Alter, Geschlecht und Gewicht – ist die Grenzziehung oft schwierig. Um fehlerhafte Einschätzungen sicherheitshalber auszuschliessen, ist in bestimmten Situationen gänzlicher Alkoholverzicht angebracht.

Formen, Ausmass Die Formen des situationsunangepassten Trinkverhaltens sind äusserst vielfältig und ihr Vorkommen kann nicht hinreichend quantifiziert werden. Beispiele für situationsunangepassten Alkoholkonsum sind:

 Trinken als Strassenverkehrsteilnehmende: Alkohol am Steuer ist in der

Schweiz nach wie vor weit verbreitet, obschon die Reaktionsfähigkeit bereits ab einem Blutalkoholgehalt von 0.3 Promille vermindert ist. Wegen Angetrunkenheit am Steuer (über 0.8 Promille oder mehr) musste im Jahr 2006 in 18'600 Fällen neu der Führerausweis entzogen werden, 6295 Verwarnungen (bei 0.5 bis 0.8 Promille) kamen hinzu (ASTRA 2007). Die Anzahl der Ausweisentzüge und Verwarnungen ist ab dem Jahr 2005 insbesondere wegen höherer Kontrolldichte gestiegen, gleichzeitig ging die Zahl der Strassenverkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zurück (BFS 2006).

 Trinken am Arbeitsplatz: Problematisches Trinkverhalten macht bei vielen

Menschen vor dem Arbeitsplatz nicht Halt – sie trinken auch während der Arbeitszeit oftmals mehr, als es die Umstände erlauben würden. In den Unternehmen ist durchschnittlich mit mindestens 5% der Mitarbeitenden (entspricht total rund 200'000 Personen) zu rechnen, die namhafte Alkoholprobleme haben (SFA 2005). Diese sind leistungsmässig oft eingeschränkt und nehmen je nach Beruf und Branche sogar die Gefährdung anderer Menschen in Kauf.

 Trinken beim Aktivsport: Eine andere Form inadäquaten Trinkens ist der

Alkoholkonsum vor, während oder nach eigener sportlicher Betätigung. Alkohol unter Belastung oder in der Regenerationsphase kann ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen und unter anderem zu Verletzungen, Kreislaufkollapsen oder Herzinsuffizienzen führen. Zudem nimmt im Mannschaftssport die Verletzungsgefahr anderer unter Alkoholeinfluss massgeblich zu.

 Trinken während der Schwangerschaft: Alkoholkonsum während

Schwangerschaft und Stillphase stellt nachweislich ein erhebliches Risiko für das (ungeborene) Kind dar. In der Schweiz werden jährlich etwa 5000 Ungeborene durch übermässigen Alkohol dem Risiko von fötalen Alkoholschädigungen ausgesetzt, was rund 7.5% der Lebendgeburten entspricht (SFA; FMH 2005).

 Trinken bei Medikamenteneinnahme: Viele Medikamente sind mit Alkohol

schlecht oder gar nicht verträglich und bei Krankheit beeinträchtigt der Alkoholkonsum den Genesungsprozess beträchtlich. Aufgrund der verbreiteten Medikamenteneinnahme (unter anderem im Alter) tritt diese Form des unangepassten Trinkens regelmässig auf. Gerade chronisches und/oder abhängiges Trinken tritt immer wieder kombiniert mit regelmässigem Medikamentenkonsum auf.

NPA 2008 – 2012