Vorlage

Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten

Fedlex · Vorlage · Seite 20Fedlex · Vorlage

Folgen des situations- Situationsunangepasstes Trinken ist – neben der Gefährdung der eigenen Geunangepassten Konsums sundheit – sehr oft mit gesundheitlichen und anderen Risiken und/oder unmittel-

baren Schäden anderer verbunden. Vor allem alkoholbedingte Unfälle (Strassen-, Arbeits-, Sportunfälle) gehören zu den auffälligsten Begleiterscheinungen.

1.4 Abhängiges Konsumverhalten (Alkoholabhängigkeit)

Begriffliches „Abhängiges Konsumverhalten“ bzw. „Alkoholabhängigkeit“ kann sich nach gel-

tenden internationalen Standards (WHO 2007b) durch diverse Symptome äussern, wie:

 starkes Verlangen nach Alkohol,

 verminderte Kontrolle über den Alkoholkonsum,

 körperliche Entzugssymptome bei Reduzieren oder Absetzen des Alkohols,  Toleranzentwicklung gegenüber den Wirkungen des Alkohols,

 Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkohols,

 anhaltender Konsum trotz eindeutig schädlicher Folgeerscheinungen.

Sind mindestens drei dieser Kriterien erfüllt, wird von Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinne gesprochen.

Ausmass, Verteilung In der Schweiz ist schätzungsweise von annähernd 300'000 alkoholabhängigen

oder zumindest stark abhängigkeitsgefährdeten Personen auszugehen, davon sind gut zwei Drittel Männer (ACT-INFO 2006). Alkoholabhängigkeit gilt (in Anwendung des WHO-Diagnoseschlüssels) hierzulande als die bei Spitalaufenthalten am häufigsten diagnostizierte Männerkrankheit. Alkoholabhängigkeit tritt bei Männern und Frauen im „End-Midlife“-Segment der 40-55-Jährigen überproportional in Erscheinung (BFS 2004).

Folgen der Die negativen Folgen der Alkoholkrankheit sind hinlänglich bekannt: Alkoholab-Alkoholabhängigkeit hängigkeit verringert das eigene Leistungsvermögen und schmälert die in der

Arbeitswelt nötige Präsenz und Zuverlässigkeit. Oft verkleinert sich das Interessengebiet, soziale Beziehungen werden aufgegeben und Isolation macht sich breit. Neben akuten Körperbeschwerden zeitigt die Alkoholabhängigkeit immer wieder auch psychische Krankheitssymptome wie Depressionen, Psychosen oder Demenz.

Gross sind überdies die Beziehungsschäden, insbesondere im direkten (familiären) Umfeld von Alkoholkranken. Kinder sowie Partnerinnen und Partner leiden massiv unter der Alkoholabhängigkeit eines Familienmitglieds. Daraus resultieren nicht selten lang wirkende seelische und körperliche Leiden. Eine besondere Leidensform (häufiger von Frauen) stellt die so genannte Co-Abhängigkeit dar, bei der die Alkoholabhängigkeit des Partners aus Scham- und Schutzgefühlen heraus mannigfaltig unterstützt und zum dominierenden Inhalt des eigenen Lebens gemacht wird.

Problemfeld Alkoholabhängige Personen nehmen zeitweilig auch zusätzliche Substanzen „Mischkonsum“ (Tabak, Tabletten, Kokain, Cannabis etc.) zu sich. Ein grosser Teil der Drogen-

abhängigen konsumiert auch Alkohol in grossen Mengen. Dieser Mischkonsum hat an Bedeutung gewonnen und stellt insbesondere für die therapeutische Seite eine grosse Herausforderung dar (EKDF 2005).

18 NPA 2008 – 2012