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Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten

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In Anbetracht dieses frühen Einstiegs verwundert es kaum, dass in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen Rauschtrinken weit verbreitet ist: In dieser Alterskategorie gehört heute gut ein Fünftel aller Alkoholkonsumierenden zur Gruppe der Rauschtrinkenden (GMEL et al. 2003).

Bei Kindern und Jugendlichen treten die negativen Wirkungen des Rauschtrinkens besonders deutlich zu Tage, unter anderem in Form von Konzentrationsstörungen und Leistungsabfällen. In Schweizer Hospitälern landen täglich 3 bis 4 junge Menschen (bis 23 Jahre alt) aufgrund von Alkoholproblemen, mehr als die Hälfte mit Vergiftungssymptomen (GMEL et al. 2006a).

Nachgewiesen sind auch gewisse Zusammenhänge zwischen dem Alkoholkonsum und der vermehrt konstatierten Gewaltbereitschaft: Häufig und in grossen Mengen Alkohol trinkende Jugendliche zeigen als Folge der Enthemmung ein deutlich erhöhtes Mass an gewalttätigem Verhalten und sind auch eher bereit, sich gewalttätigen Situationen auszusetzen (KUNTSCHE et al. 2006).

1.3.2 Chronischer Alkoholkonsum

Begriffliches Als „chronischer Konsum“ wird der regelmässige und wegen der Häufigkeit und Menge nicht mehr als risikoarm einzustufende Alkoholkonsum bezeichnet. Nach den gängigen internationalen Standards beginnt der chronische Konsum bei der Einnahme von durchschnittlich 20 Gramm reinen Alkohols (entspricht rund 2 Standardgläsern) pro Tag bei Frauen bzw. 40 Gramm (entspricht rund 4 Standardgläsern) bei Männern (WHO 2000).

Ausmass, Verteilung In der Schweiz trinken schätzungsweise 260'000 Personen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren chronisch zu viel Alkohol, davon sind knapp zwei Drittel (155'000 Personen, vgl. Abb. 2) gleichzeitig episodisch Rauschtrinkende und gelten demzufolge als „Risikokumulierende“ (GMEL et al. 2003). Chronisches Trinken nimmt mit dem Alter deutlich zu und ist bei den über 50-Jährigen besonders verbreitet. Männer haben einen wesentlich stärkeren Hang zum chronischen Alkoholkonsum: Rund vier Fünftel der regelmässig Vieltrinkenden sind männlich. Erfreulicherweise schlägt sich der seit Anfang der 80er-Jahre in der Schweiz gesunkene Durchschnittskonsum an Alkohol auch in einem deutlichen Rückgang des chronischen Risikokonsums nieder. Die betreffenden Bevölkerungsanteile haben sich bis heute mehr als halbiert.

Folgen des Trotz dieser positiven Grundtendenzen sind Ausmass und Folgen des chronichronischen Konsums schen Alkoholkonsums keinesfalls zu unterschätzen. Die gesundheitlichen Schäden sind nach wie vor hoch.

Es gibt kaum ein Organ, das nicht durch regelmässiges Zuvieltrinken geschädigt werden kann. Zu den von der Medizin in Verbindung mit Alkohol am häufigsten genannten Krankheiten gehören Lebererkrankungen (Zirrhose, Leberkrebs), Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Magenblutungen, Pankreatitis), Schädigungen des Herz- und Hirnkreislaufsystems (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfälle), erhöhtes Krebsrisiko, hirnorganische Schäden (Alkoholdemenz), psychische Krankheiten (Depressionen, Psychosen) sowie mögliche Schädigungen des Immun-, Fortpflanzungs- und Nervensystems.

NPA 2008 – 2012