Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2008/14: Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes (Präimplantationsdiagnostik) · 74 Seiten

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Verbot vorzuziehen sei. Die zu formulierenden Rahmenbedingungen müssten dergestalt sein, dass kein Ermessensspielraum besteht, der zu einer Erweiterung der Indikationen missbraucht werden könnte.

1.2 Naturwissenschaftliche Grundlagen

1.2.1 Einleitung

Die PID ist ein neueres Diagnoseverfahren zur Untersuchung des Erbguts von Embryonen in vitro. 1990 kam in England das erste Kind zur Welt, bei dem mittels PID das Geschlecht festgestellt worden war, um das Auftreten einer Xchromosomalen Erbkrankheit zu verhindern (vgl. Ziff. 1.2.4.1).8 Zwei Jahre später wurde das erste Kind geboren, bei dem mittels PID eine monogene Erbkrankheit ausgeschlossen worden war.9 Wurde diese Technik anfangs nur in Einzelfällen und zum Nachweis einiger weniger Erbkrankheiten eingesetzt, so liegt die Zahl der bis heute weltweit nach einer PID geborenen Kinder sicherlich bereits über 500010, wobei diese Zunahme nicht zuletzt auf eine Ausweitung des Indikationenspektrums zurückzuführen ist. So wird heute die PID nicht nur zum Nachweis von etwa 200 Erbkrankheiten11 genutzt, sondern darüber hinaus für andere Zwecke wie etwa zum Versuch, die Erfolgsrate der IVF zu erhöhen, oder zur Geschlechterselektion mit oder ohne Krankheitsbezug (vgl. Ziff. 1.2.4). Die Ausweitung der Indikation ist auch gegenüber dem Indikationenspektrum im Falle der Pränataldiagnostik zu beobachten; so werden mittels PID Krankheiten diagnostiziert, die auch bei einer Pränataldiagnostik untersucht werden könnten, deren Diagnose aber nicht üblich ist.12

8A. H. Handyside et al., Pregnancies from biopsied human preimplantation embryos sexed

by y-specific DNA amplification, Nature, 1990, 344, S. 768-770.

9A. H. Handyside et al., Birth of a normal girl after in vitro fertilization and

preimplantation diagnostic testing for cystic fibrosis, The New England Journal of Medicine, 1992, 327, S. 905-909.

10Genauere Zahlen hierzu sind nicht erhältlich, da «PID-Kinder» nicht systematisch

registriert werden. So fehlen insbesondere repräsentativ abgestützte Daten zur PID aus den USA, wo die PID weit verbreitet ist. Eine Stichprobe mit Bezug auf 190 Kliniken (etwa 45% der Kliniken in den USA, wobei die Gesamtzahl nicht exakt bekannt ist)

bieten: S. Baruch et al., Genetic testing of embryos: practices and perspectives of U.S. IVF clinics, Fertility and Sterility, published Online September 2006. Etwas

aussagekräftiger sind die Daten, die eine europäische Gesellschaft erhebt, an die etwa 50 sowohl europäische als auch nicht europäische Zentren angeschlossen sind:Die Daten werden jährlich erhoben und für die einzelnen IVF- resp. PID-Etappen separat

ausgewertet. Siehe K. D. Sermon et al., ESHRE PGD Consortium data colection VI:

cycles from January to December 2003 with pregnancy follow-up to October 2004,

Human Reproduction, 2007, 22, S. 323-336.

11Vgl. The Preimplantation Genetic Diagnosis International Society (PGDIS), Guidelines

for good practice in PGD: programme requirements and laboratory quality assurance, Reproductive BioMedicine Online, 16, 2008, S. 134-147.

12«First, PGD testing of adult-onset disorders (Huntington disease, familial predispositions

to cancer, polycystic kidney disease, etc) appears to be more widespread than is the case for prenatal diagnosis. Second, testing may be requested and performed for relatively less severe or less predictable diseases: a quarter of the centres offer PGD for CMT disease, which is not a common prenatal diagnosis.» A. Corveleyn et al., Provision and quality assurance of preimplantation genetic diagnosis in Europe, European Journal of Human Genetics, 2008, 16, S. 290-299; hier S. 297.