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Vernehmlassung 2009/141: Bericht zur Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz · 71 Seiten
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Verbreitung zu einem unverzichtbaren Bestandteil des modernen Lebens geworden ist. Da ein zusätzlicher Teilnehmer für den Mehrwert, den er zugunsten der anderen Nutzer stiftet, nicht entschädigt wird, handelt sich um einen so genannten positiven externen Effekt14. Solche «Netzwerkexternalitäten» führen zusammen mit sinkenden Durchschnittskosten dazu, dass grundsätzlich stets das grösste Netzwerk das günstigste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist. Mit anderen Worten: der Betrieb von Infrastrukturen ist ein stark skalenabhängiges Geschäft. Wirken keine entgegengesetzten Kräfte (z.B. zunehmende Transaktionskosten), bleibt im Endeffekt ein einziges Netzwerk übrig – ein so genanntes «natürliches Monopol»15. Natürliche Monopole sind volkswirtschaftlich nicht unbedingt schädlich: stellt ein einziges Netz die Versorgung mit Mobilität, Energie oder Kommunikation zu geringeren Durchschnittskosten sicher als mehrere parallele Netze, ist das Monopol theoretisch die effizienteste Marktform. Voraussetzung ist allerdings, dass keine Monopolrenten16 abgeschöpft werden und die Innovationsdynamik nicht erlahmt.
In der Regel stellt nicht das gesamte Infrastrukturnetz ein natürliches Monopol dar, sondern nur bestimmte Teile davon; man spricht von «monopolistischen Engpässen». Heute gilt beispielsweise (im Unterschied zum Beginn des Telekommunikationszeitalters) nicht mehr das ganze Telefon-Festnetz als natürliches Monopol, sondern nur noch die Verbindung zwischen der Verteilzentrale und dem Teilnehmeranschluss, die so genannte «letzte Meile». Das Einziehen eines zweiten Kupferkabels auf der «letzten Meile» wäre aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Ressourcenverschwendung, da sich das neue Kabel nicht vom bestehenden unterscheiden würde und jeder Teilnehmer nur eines davon nutzen könnte. Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre der Aufbau eines zweiten Kupfernetzes nicht sinnvoll, denn die Aussicht, diese Investition jemals zu amortisieren, wäre zum Vornherein gleich null: der potenzielle Investor wüsste, dass der Betreiber des bestehenden (weitgehend abgeschriebenen) Anschlussnetzes durch vorübergehendes Absenken des Preises auf die (sehr niedrigen) Grenzkosten die Abwanderung seiner Kunden auf das alternative Netz unterbinden könnte. Allerdings ist das natürliche Monopol auf der «letzten Meile» nur so lange stabil, als sich keine neuen Anschlusstechnologien wie z.B. Glasfaserkabel, WLL, UMTS oder WiMax auf breiter Linie durchsetzen. Das Ausmass und die Stabilität von monopolistischen Engpässen hängt somit von der technologischen Dynamik ab; dauerhafte monopolistische Engpässe findet man deswegen vor allem in technisch weitgehend ausgereiften, stark standardisierten Infrastrukturnetzen wie z.B. der Eisenbahn oder der Stromübertragung.
2.4 Die Rolle des Staates
Wegen ihrer grossen Bedeutung für die gesellschaftliche Wohlfahrt und ihrer Neigung zu natürlichen Monopolen zählen die Infrastrukturnetze seit jeher zu den öffentlichen Aufgaben. Zwar gibt es Beispiele von rein privaten Infrastrukturnetzen (TV-Kabelnetze), doch wurden die meisten entweder vom Staat selbst errichtet oder aber – falls sie ursprünglich durch private Gesellschaften gebaut worden waren (Eisenbahn) – im Verlauf der Zeit verstaatlicht. Erst in den 1990er Jahren setzte vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass staatliche Ver-
14 Unter einer Externalität oder einem externen Effekt versteht man in der ökonomischen Theorie eine nicht abgegoltene Auswirkung einer Transaktion auf unbeteiligte Dritte.
15 Natürliche Monopole können auch durch die Einzigartigkeit bestimmter Netzelemente bedingt sein; ein offenkundiges Beispiel sind die nicht duplizierbaren Höhenstandorte von Rundfunk-Sendeanlagen.
16 Unter «Rente» versteht man in der ökonomischen Theorie ein Einkommen, das nicht aus dem Verkauf einer entsprechenden Leistung, sondern aus der Ausnutzung eines Privilegs respektive einer Machtstellung resultiert.