Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2018/70: Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung) · 99 Seiten

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weils dagegen aus. Zur Einordnung der politischen Diskussionen über die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Produktion und mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen über die wirtschaftliche Situation der Schweizer EVU, hat das BFE verschiedene Analysen durchgeführt bzw. in Auftrag gegeben. So hat das Beratungsunternehmen Ernst & Young für die Jahre 2007 bis 2016 die öffentlich zugänglichen Geschäftsberichte von 30 EVU durchleuchtet17. Die Analysen zeigen, dass sich der aggregierte Umsatz sowie der EBITDA18 von Unternehmen mit umfassender eigener Produktion, jedoch ohne Zugang zur Grundversorgung, negativ entwickelten. Bei den meisten anderen Unternehmen entwickelten sich diese Kennzahlen tendenziell positiv. Bei den kleineren EVU stieg der aggregierte Reingewinn zwischen 2007 und 2016 sogar an. Die Eigenkapitalquoten zeigen für sämtliche Unternehmen eine solide Basis.

Eine Datenumfrage bei Betreibern von Wasserkraftwerken, die das BFE im Herbst 2017 im Auftrag der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (UREK-N) durchführte19, und eine Studie der ETH Zürich20 zeigen vergleichbare Ergebnisse zur Kostenstruktur der Schweizer Wasserkraft. Die variablen Kosten können bei allen untersuchten Kraftwerken gedeckt werden. Dabei schwanken die Kosten erheblich. Die Gegenüberstellung von durchschnittlichen Marktpreisen und Gestehungskosten enthält zudem noch nicht die möglichen Zusatzerlöse am Intradaymarkt.

Die selbst produzierte Energiemenge, welche heute in der Grundversorgung zu Gestehungskosten (inkl. Eigenkapitalrendite) abgesetzt wird, beträgt gemäss Auswertungen der ElCom rund 10 TWh (rund ein Drittel der in der Grundversorgung abgesetzten Menge). Dies dürfte mindestens der Menge entsprechen, die die Schweizer Wasserkraft zu Gestehungskosten absetzen kann. Es gibt Wasserkraftwerke mit marktfähigen Gestehungskosten. Erlöse am Grosshandelsmarkt zur Erwirtschaftung einer marktgerechten Eigenkapitalrendite konnten hingegen in den vergangenen Jahren nur eingeschränkt erzielt werden. Die Schweizer Wasserkraft insgesamt hat allerdings in den letzten Jahren keine Verluste erzielt. Diese Einschätzung bestätigt auch ein Bericht der ElCom an die UREK-N.21

Bei einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist zu berücksichtigen, dass mit der Marktprämie der Grosswasserkraft bis Ende 2022 jährlich rund 110 Millionen Franken zukommen wird. Hinzu kommen die Investitionsbeiträge für Wasserkraftanlagen mit jährlich ca. 65 Millionen Franken. Zudem erhalten Wasserkraftwerke bei Lieferungen in die eigene Grundversorgung die vollen Gestehungskosten. Der Lieferanteil beträgt grob die Hälfte der Gesamterzeugung und mag aufgrund der Neuregelung im Rahmen der Strategie Stromnetze (volle Gestehungskosten inländisch produzierter erneuerbarer Energien dürfen neu bis zum Auslaufen der Marktprämie abzüglich allfälliger Unterstützungen in die Grundversorgungstarife eingerechnet werden) tendenziell zunehmen. Auch beschaffen die Verteilnetzbetreiber im Durchschnitt ihren Strom zu

17 Ernst & Young (2017), Wirtschaftliche Situation von Schweizer Energieversorgungsunternehmen im Zeitverlauf.

18 Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

19 BFE (2018), Rentabilität der Schweizer Wasserkraft – Resultate einer Datenumfrage bei Betreibern von Schweizer Wasserkraftwerken im Auftrag der UREK-N.

20 ETHZ (2018), Kostenstruktur der Schweizer Wasserkraft, Aktualisierung 2017 (im Auftrag des BFE).

21 ElCom (2017), 16.035 – UREK-N Um- und Ausbau der Stromnetze, Entwurf 2.