Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2018/70: Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung) · 99 Seiten
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regulierte Kapitalbasis der Schweizer Verteilnetzbetreiber ist seit 2011 um 0,5 bis 0,6 Milliarden Franken p.a. angestiegen.
1.1.5.2 Netzentgelte
Mangelnde Kosteneffizienz bei den Netzkosten
Untersuchungen der ElCom zur Einführung der Sunshine-Regulierung (öffentlicher Vergleich über die Leistungen und Kosten der Netzbetreiber; bislang nur aggregiert publiziert) zeigen, dass hinsichtlich der Höhe der Netzkosten die Einflussfaktoren Topographie und Siedlungsstruktur von hoher Bedeutung sind. Dieser Punkt wird in den Vergleichen der Sunshine-Regulierung über die Berücksichtigung der Siedlungs- und Energiedichte abgebildet. Auffällig bei den bisherigen Untersuchungen ist eine hohe Streuung der Kosten der Verteilnetzbetreiber, die nicht durch die unterschiedliche Unternehmensgrösse erklärt werden kann. Dies lässt relevante Ineffizienzen vermuten. So gibt es Fälle von hohen Betriebskosten, die mit hohen Kapitalkosten verbunden sind, wobei es zugleich nicht zu einer höheren Qualität kommt. Insbesondere die Kapitalkosten können relevant zu hoch sein, da ein treibender Kostenfaktor der Netznutzungsentgelte die Tiefbaukosten auf Netzebene 7 (Niederspannung) sind. Im derzeitigen kostenbasierten System gibt es zudem grundlegende Anreizdefizite, weil es einen eindeutigen wirtschaftlichen Anreiz gibt, tendenziell kapitalintensiv auszubauen und intelligente („smarte“) betriebskostenlastige Alternativen zu vernachlässigen.
Nicht ausreichend verursachergerechte Netztarife
Die Stromnetzkosten sind hauptsächlich durch die Dimensionierung der Kapazitäten bestimmt. Ausschlaggebend für die Dimensionierung ist die zeitgleiche Höchstlast, welche sich als Summe der individuellen Lasten im Netz ergibt, da das Netz von seinem Ausbau her dem Bedarf folgt. Die Netzkosten hängen somit von der Höchstlast ab und sind vorwiegend fixkostenlastig. Diese vorwiegend lastabhängigen Kostenstrukturen reflektieren sich nur eingeschränkt in den geltenden Tarifen, die auf Netzebene 7 mindestens einen Arbeitsanteil von 70 Prozent aufweisen sollen. Dieses Defizit an Kostenorientierung ist speziell auch für die derzeitige Ausgestaltung der Eigenverbrauchslösungen von Bedeutung. Diese profitieren bei hohen Arbeitspreisen zu Lasten der anderen Netzkunden. Verbesserungsmöglichkeiten in der Netztarifierung sind in einer umfassenderen Verwendung von Leistungswerten zu sehen, da hierüber die individuelle Höchstlast stärker kostenrelevant wird und diesbezügliche Verhaltensanpassungen beanreizt werden. Über dynamische Leistungspreise ist zudem eine weiter gehende Berücksichtigung der Netzengpässe und somit ein langfristig optimierter Netzausbau möglich; dies setzt eine Verbreitung von Smart-Metern sowie Steuer- und Regelsystemen voraus. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten sind im System der Wälzung zwischen den einzelnen Netzebenen zu sehen. Hier könnte ebenfalls die Verursachergerechtigkeit erhöht werden, indem Leistungselemente und Lastflussrichtungen stärker berücksichtigt werden, die sich durch eine zunehmende dezentrale Erzeugung ändern.