Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2019/32: Erläuternder Bericht zur internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 · 51 Seiten
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ausgehandelte Lösungen bevorzugen, sowie aufgrund von zunehmendem Protektionismus. Die Demokratisierung, der Rechtsstaat und die Achtung der Menschenrechte werden oft infrage gestellt. Gleichzeitig ist eine Stärkung der regionalen multilateralen Institutionen, eine steigende Bedeutung von lokalen Körperschaften wie Städten sowie die Entstehung neuer Bürgerbewegungen zu beobachten. Die Schweiz ist weder eine Grossmacht noch gehört sie einer mächtigen Allianz an. Sie ist stark angewiesen auf offene Märkte und auf eine internationale Ordnung, die auf Recht und Zusammenarbeit beruht.
Wirtschaftliche und soziale Fortschritte
Die Menschheit hat in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf Wohlstand, Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität so grosse messbare Fortschritte erzielt wie nie zuvor. Zwischen 1970 und 2015 stieg der Anteil der in einer Demokratie lebenden Weltbevölkerung von 33 auf über 55 Prozent. Der Prozentsatz der unterernährten Menschen sank in derselben Zeitspanne von 28 auf rund 11 Prozent. Zudem ging die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren von 36 Prozent zu Beginn des
20. Jahrhunderts auf 4 Prozent im Jahr 2015 zurück. In derselben Zeitspanne schnellte der Prozentsatz der Erwachsenen, die lesen und schreiben können, von 21 auf 85 Prozent.28 Mehr als acht von zehn Personen haben heute Zugang zu einer mindestens minimalen Stromversorgung, sieben von zehn Personen haben Zugang zu Trinkwasser29 und fast eine von zwei Personen verwendet Internet30. Dank dem stetigen Wachstum der Weltwirtschaft in den letzten Jahrzehnten, dank Sozialprogrammen von nationaler Tragweite (insbesondere in Ländern mittleren Einkommens) und auch dank der öffentlichen Entwicklungshilfe sank der Anteil an Personen, die in extremer Armut31 leben, von 41 Prozent im Jahr 1981 auf 10 Prozent im Jahr 201532 (Grafik 1).
Grafik 1: Anzahl Personen, die in extremer Armut leben (<1.90 USD/Tag), in Millionen33
Bestehende Herausforderungen
Doch diese Erfolgsgeschichte hat auch Kehrseiten: Der wirtschaftliche Aufschwung erfolgte bisher in hohem Mass auf Kosten der Umwelt. Die Artenvielfalt hat stark abgenommen, und die weltweiten Kohlendioxidemissionen sind von 9 Milliarden im Jahr 1960 auf 36 Milliarden Tonnen im Jahr 2014 gestiegen.34 Die Herausforderungen betreffend Klimawandel, Umweltzerstörung, Ernährungssicherheit,
28 Von Demokratie bis Alphabetisierung: Hans Rosling, 2018, Factfulness und Our World in Data, 2019, ourworldindata.org
29 WHO, 2018, verfügbar unter: www.who.int > Health topics > Factsheets > Search: Drinking water
30 Weltbank, 2016, data.worldbank.org > Individuals using the Internet (% of population)
31 Die Definition von extremer Armut wird von der Weltbank regelmässig an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten angepasst. Seit 2015 wird extreme Armut als Einkommen von weniger als 1.90 US-Dollar pro Tag definiert (Kaufkraftparität 2011, d.h. Kaufkraft von USD 1.90 in den USA im Jahr 2011). Beispiel: Personen, die in extremer Armut leben, besitzen in der Regel weder ein Transportmittel (Fahrrad oder Ähnliches) noch ein Bett und müssen jeden Tag lange Strecken zu Fuss zurücklegen, um Wasser zu holen und Holz zu sammeln.
32 Weltbank, 2018, data.worldbank.org > Poverty headcount ratio at $1.90 a day (2011 PPP).
33 Weltbank, 2018, blogs.worldbank.org > Bloggers > Divyanshi Wadhwa > Latest Posts > The number of extremely poor people continues to rise in Sub-Saharan Africa, while falling rapidly in all other regions.
34 Weltbank, 2018, data.worldbank.org > CO2 emissions (kt) Erläuternder Bericht zur internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 (02.05.2019)