Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2007/74: Via sicura; Handlungsprogramm des Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr · 59 Seiten
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1 Ausgangslage
1.1 Die heutige Verkehrssicherheitslage in Europa und in der Schweiz
Die Mobilität spielt im sozialen und wirtschaftlichen Leben eine wichtige Rolle. Der moderne Strassenverkehr ermöglicht die schnelle Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und erlaubt dem Individuum die Befriedigung seiner Mobilitätsbedürfnisse. Den Vorteilen der Mobilität stehen aber auch Nachteile gegenüber. Europaweit sterben jährlich abertausende Menschen bei Verkehrsunfällen oder werden schwer verletzt. Die sozialen Kosten von Verkehrsunfällen sind immens. Allein in der Schweiz belaufen sie sich pro Jahr auf 13 Mia. Franken, dies bei vorsichtiger Einberechnung der immateriellen Schäden der Unfallopfer. Daneben verursachen Strassenverkehrsunfälle nicht bezifferbares, aber dennoch unermessliches Leid bei Opfern, Angehörigen, Freunden und Bekannten. Sie führen oft zu sozialen Verlusten und erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität.
In der Europäischen Union wurden im Jahr 2001 insgesamt 50'000 Tote im Strassenverkehr gezählt. Im Weissbuch Verkehr aus demselben Jahr formulierte die EU-Kommission das Ziel, die Anzahl der Verkehrstoten bis im Jahr 2010 zu halbieren. Dieses Ziel wurde in dem im Jahr 2003 verabschiedeten Europäischen Aktionsprogramm für die Strassenverkehrssicherheit bekräftigt. Auch einzelne europäische Länder haben in den letzten Jahren einen nationalen Aktionsplan beziehungsweise ein Verkehrssicherheitsprogramm und/oder quantifizierte Verkehrssicherheitsziele festgelegt, so zum Beispiel Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Spanien und Zypern.
Obwohl sich in der Schweiz seit dem Jahr 2003 die Anzahl getöteter Personen pro Jahr ständig verringert hat, kann daraus kein dauerhafter positiver Trend abgeleitet werden. Im Jahr 2007 war nämlich gegenüber dem Vorjahr wieder eine Zunahme der Anzahl getöteter Personen (4 Prozent) zu verzeichnen (2006: 370; 2007: 384). Auch die Anzahl der Schwerverletzten nimmt wieder zu (2006: 5066; 2007: 5235).
1.2 Unfallopfer
Von der positiven Entwicklung des Unfallgeschehens der letzten zehn Jahre konnten die Insassen von Personenwagen am meisten profitieren. Am negativsten entwickelt hat sich die Zahl der schwer verletzten Motorrad Fahrenden.
Die Insassen von Personenwagen sind am häufigsten von schweren Verkehrsunfällen betroffen. Im Jahr 2007 waren dies 32 Prozent der Schwerverletzten und Getöteten, 30 Prozent waren Motorrad Fahrende und je 15 Prozent Rad Fahrende beziehungsweise Fussgängerinnen und Fussgänger.
Zwischen 1996 und 2007 erfolgte im Unfallgeschehen die positivste Entwicklung bei den Kindern, die ungünstigste bei den Jugendlichen (15- bis 17-Jährige) und den 45- bis 64-Jährigen. Kinder und Senioren verunfallen vorwiegend als Fussgänger, die restlichen Altersklassen primär als Motorfahrzeugbenutzer. Jugendliche und junge Erwachsene weisen das grösste bevölkerungsbezogene Unfallrisiko auf und die Senioren die grösste Verletzungsschwere.