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Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten
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1.5 Soziale Folgen und Kosten des Alkoholkonsums
Menschliches Leid Problematisches und abhängiges Trinkverhalten ist – wie oben gezeigt – mit ei-
ner Fülle physischer und psychischer Gesundheitsschäden verbunden. Diese machen bei den übermässig Alkohol Konsumierenden nicht Halt. Sie greifen in verschiedenen Ausprägungen immer wieder auch auf Angehörige, Verwandte und Freunde über und sorgen für menschliches Leid.
Familiäre Belastungen In der Schweiz leben je nach Schätzung bis zu 110'000 Kinder an der Seite min-
destens eines Elternteils mit problematischem bzw. abhängigem Alkoholkonsum (SCHMID et al. 2003). Verschiedene Studien belegen die grossen psychischen und sozialen Belastungen, denen die Partnerinnen und Partner sowie die Kinder von Alkoholabhängigen ausgesetzt sind. Bei den betroffenen Kindern besteht nachweislich auch eine erhöhte Gefahr, später selber einen problematischen Umgang mit Alkohol zu entwickeln. Für familiären Zündstoff sorgt bisweilen auch die mit einer Alkoholabhängigkeit verbundene Schmälerung des verfügbaren Einkommens.
Alkoholbedingte Alkohol gehört in der Schweiz, wie in anderen Industriestaaten auch, zu den fünf Krankheitslast wichtigsten Krankheitsfaktoren und verursacht gegen 9% der gesamten Krank-
heitslast (WHO 2002; ISGF 2006). Die Schweiz trägt eine im internationalen Vergleich grosse Bürde an alkoholbedingten Krankheiten (engl. Burden of Disease): Mehr als 3% aller Todesfälle sind unmittelbar dem Alkohol zuzurechnen (5.2% bei Männern, 1.4% bei Frauen). Allein die alkoholbedingte Leberzirrhose führt zu mehr als 600 Todesfällen pro Jahr. Etwa doppelt so häufig sind tödlich ausgehende alkoholbedingte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Störungen (insbesondere als Folge des Rauschtrinkens). Insgesamt gehen in der Schweiz aufgrund des Alkoholkonsums jährlich mehr als 70'000 Lebensjahre durch Tod oder schwere Erkrankungen verloren (ISGF 2006; OBSAN 2006).
Verletzungs-/Unfallgefahr Gross ist der Beitrag des Alkoholkonsums an das Unfall- bzw. Verletzungsauf-
kommen. Neuesten Erhebungen zufolge sind etwa 17% aller ärztlich zu behandelnden Verletzungen bei Männern und 12% aller Verletzungen bei Frauen alkoholbedingt und wären somit vermeidbar gewesen (GMEL et al. 2006b). Die grösste Zahl der Verletzungen resultiert aus Stürzen (50%), mechanischen Einwirkungen oder Verkehrsunfällen (je ca. 20%). Das grösste Verletzungsrisiko liegt bei üblicherweise risikoarm Alkohol trinkenden Personen bei punktuellem Hochkonsum (Rauschtrinken).
Strassenverkehrsunfälle Rund 20% aller Strassenunfälle mit Todesfolgen und über 12% der schweren
Verletzungen werden statistisch den „Einwirkungen von Alkohol“ zugeschrieben. Im Jahr 2005 waren im Schweizer Strassenverkehr insgesamt 77 Getötete und 586 Schwerverletzte als Opfer alkoholbedingter Unfälle zu beklagen (BFS 2006). Etwa ein Drittel der Schwerverletzten wird zu dauerhaft Teil- oder Vollinvaliden (BFU 2007), entsprechend hoch sind die damit verbundenen Behandlungs- und Arbeitsausfallkosten.
NPA 2008 – 2012