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Vernehmlassung 2007/76: Nationales Programm Alkohol 2008 - 2012 (NPA) · 64 Seiten

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Alkohol und Gewalt Diverse Untersuchungen belegen kausale Zusammenhänge von Alkohol und

Gewalt (BABOR et al. 2003). In der Schweiz sind bei Männern knapp die Hälfte der beabsichtigten Verletzungen durch tätliche Angriffe als alkoholbedingt einzustufen, bei den Frauen knapp ein Viertel (GMEL et al. 2006). Auch bei Sachbeschädigungen wie Vandalismus ist Alkohol oftmals mit im Spiel.

Eine Rolle spielt Alkohol im Bereich der so genannten Jugendgewalt. Der dem Alkoholkonsum anzurechnende Anteil am Gros aller jugendlichen Gewaltakte liegt bei den Jungen zwischen 25% (individuelle Kämpfe) bis 50% (Gruppenkämpfe), bei den Mädchen sogar zwischen 30% und 70% (KUNTSCHE et al.

2006). Ein Grossteil der Gewalthandlungen unter Jugendlichen entfällt auf die vergleichsweise kleine Gruppe der häufig Rauschtrinkenden, die neben ihrem Alkoholproblem zum Teil noch andere Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Sport Seine enthemmende Wirkung entfaltet der Alkohol insbesondere im Gruppen-

oder Massenkontext, weshalb etwa bei Partys oder Grossveranstaltungen mit hohem Alkoholkonsum (z.B. an Fussball- oder Eishockeyspielen) dessen Einfluss auf die regelmässig stattfindenden Übergriffe und gewaltsamen Ausschreitungen als gross betrachtet wird. Sport und Alkohol sind im Alltag teilweise unheilvoll miteinander verknüpft.

Häusliche Gewalt Auch im Kontext häuslicher Gewalt spielt Alkohol eine nicht zu unterschätzende

Rolle. Bei rund 40% der Gewaltfälle im häuslichen Bereich sind die überwiegend männlichen Täter zum Zeitpunkt der Tat alkoholisiert. Zu solchen Gewaltfällen zählen unter anderem Prügel, schwere Drohungen und sexuelle Übergriffe meist gegenüber den (Ehe-)Partnerinnen und -partnern und den Kindern. Alkohol ist zwar oft nicht die einzige Gewaltursache, er fördert aber massgeblich die gewaltsame Austragung von Beziehungs- und Familienkonflikten (MAFFLI et al.

2001).

Offene Alkoholszenen Öffentliche Ansammlungen von Rauschtrinkenden z.B. bei Fest- und anderen

Anlässen oder von Alkoholabhängigen in Orts-/Stadtzentren haben in den letzten Jahren zugenommen. Sie wirken sich negativ auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung aus und führen oft zu unwirtlichen Zuständen vor Ort.

Soziale Kosten Der problematische Alkoholkonsum und die Alkoholabhängigkeit sind mit ausim Überblick serordentlich hohen Kosten verbunden, welche grösstenteils die Allgemeinheit

trägt. Dazu gehören unter anderem die Kosten der entsprechenden medizinischen Behandlungen und Therapien, der Unfallsachschäden, der Arbeits- und Produktionsausfälle (inkl. Leistungen der Invalidenversicherung) und die vielfältigen immateriellen Kosten des Alkoholkonsums.

Im Jahr 2003 sind die sozialen Kosten der Alkoholabhängigkeit für die Schweiz bei vorsichtigen Annahmen auf jährlich CHF 6.5 Mia. geschätzt worden

(JEANRENAUD et al. 2003). Dabei nicht berücksichtigt wurden wesentliche Kostenanteile des problematischen Alkoholkonsums (vgl. Kap. 1.3), die verminderte Arbeitsleistung von Risikotrinkenden oder etwa die Schäden durch alkoholbeeinflusste Gewaltakte.

20 NPA 2008 – 2012