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Vernehmlassung 2009/141: Bericht zur Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz · 71 Seiten
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Dieser Zusammenhang lässt sich empirisch nachweisen23. Besonders deutlich trat die Rolle der Infrastrukturen als Wachstumstreiber in den Industriestaaten im 19. und 20. Jahrhundert zu Tage. Bahnbrechende technische Innovationen wie Dampfmaschine, Elektrizität, Telefon, Automobil und Flugzeug zogen den Aufbau völlig neuer Infrastrukturnetze nach sich und lösten damit gewaltige Investitionswellen aus, die nicht nur die Konjunktur antrieben, sondern auch die gesamte Produktionsweise und Wirtschaftsstruktur revolutionierten. Dabei wurde die gesamtwirtschaftliche Produktivität jedes Mal auf ein neues Niveau angehoben24.
Gegenwärtig sind – abgesehen vom Informations- und Kommunikationssektor – keine fundamentalen technologischen Umwälzungen im Infrastrukturbereich absehbar. Die grossen Infrastrukturnetze sind im Wesentlichen gebaut. Entsprechend kommt die neuere Forschung zum Schluss, dass in den entwickelten Volkswirtschaften die Wachstumsimpulse, die durch einen Ausbau der Infrastrukturnetze ausgelöst werden, geringer ausfallen als früher. Wo bereits eine gut ausgebaute Infrastruktur vorhanden ist, generiert deren Ausbau nicht mehr automatisch mehr Wachstum25. Dafür tritt der umgekehrte Zusammenhang um so mehr in Erscheinung: Störungen oder gar Zusammenbrüche der Infrastruktur haben zwangsläufig grosse volkswirtschaftliche Schäden zur Folge und behindern das Wachstum. Deshalb steht in den Industriestaaten die Erhaltung der Funktionalität und Effizienz der bestehenden Infrastrukturen im Vordergrund26– was neben der Substanzerhaltung auch Modernisierungen und gezielte Netzergänzungen mit einschliesst.
Die Unterschiede in der Infrastrukturausstattung der Industriestaaten haben in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen und dürften weiter abnehmen. Dennoch scheint die Bedeutung der Infrastruktur für die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht geringer zu werden. Sie könnte in Zukunft sogar noch zunehmen, da im Zeitalter der Globalisierung die Suche nach dem attraktivsten Standort zu einem zentralen unternehmerischen Erfolgskriterium geworden ist. In dem Masse, wie die mobilen Produktionsfaktoren beweglicher und damit homogener werden, steigt die Bedeutung der ortsgebundenen Produktionsfaktoren für den Standortentscheid. Bereits geringe Unterschiede in der Qualität der Infrastrukturausstattung können somit einen entscheidenden Einfluss auf die Standortattraktivität eines Landes ausüben. Der Zustand der Infrastrukturnetze bleibt auch in Zukunft ein wesentliches Element der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Volkswirtschaft.
23 Ein Überblick über die Vielfalt der angewendeten Methoden und Resultate der zu diesem Thema in jüngerer Zeit veröffentlichten Studien findet sich – mit besonderem Bezug zu den Verkehrsinfrastrukturen in der Schweiz – in der im Auftrag der Schweizerischen Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) sowie der Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KöV) erstellte Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), 2005: «Wachstumswirkungen und Rentabilität von Verkehrsinfrastrukturinvestitionen – Stand der Forschung und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen für die Schweiz».
24 Ausgeprägte wirtschaftliche Aufschwungphasen, die durch so genannte «Basis-Innovationen» und damit zusammenhängende Investitionen in neue Infrastrukturnetze ausgelöst werden, werden nach dem sowjetischen Konjunkturforscher Nikolai D. Kondratiew (1892-1938) benannt. Noch ist es zu früh, im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) von einer neuen «Kondratiew-Welle» zu sprechen, doch gibt es Anzeichen dafür, dass der kräftige Anstieg der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate der Weltwirtschaft ab den 1990er Jahren mit der Revolutionierung der Informationsverarbeitung zu tun hatte.
25 Dies schliesst nicht aus, dass neue Infrastrukturen zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der betroffenen Region beitragen können, wie etwa die Auswirkungen des Lötschberg-Basistunnels auf den Tourismus im Oberwallis zeigen. Dem komparativen Vorteil der neu erschlossenen Region steht indes ein komparativer Nachteil der nicht von der neuen Infrastruktur bedienten Regionen gegenüber.
26 Ökonomisch ausgedrückt, sinkt mit zunehmendem Bestand die Grenzproduktivität zusätzlicher Infrastrukturen, und die Differenz zwischen Grenz- und Durchschnittsproduktivität des Infrastruktursystems wird immer grösser.