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Vernehmlassung 2009/141: Bericht zur Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz · 71 Seiten
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Infrastrukturnetze verursachen Kosten
Infrastrukturen generieren nicht nur Werte, sie verursachen auch Kosten. Neben dem finanziellen Aufwand für Bau, Unterhalt und Betrieb (vgl. Anhang) gehören dazu auch nichtmonetäre, so genannt «externe» Kosten – extern deshalb, weil sie nicht von den Verursachern selbst, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Typische Beispiele dafür sind Lärm, Schadstoffe, elektromagnetische Strahlung, Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, Zerschneidung der natürlichen Lebensräume sowie nicht versicherte Unfallschäden und Gesundheitsrisiken. Die Bezifferung der externen Kosten ist naturgemäss schwierig. Methodisch am besten abgesichert sind die Schätzungen zum Landverkehr; gemäss den Berechnungen des Bundes27 betrugen 2005 die externen Kosten Strassenverkehrs rund 8 Mrd. CHF, jene des Schienenverkehrs rund 0.5 Mrd. CHF. Für den Energiesektor hat das Paul Scherrer Institut im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts die externen Kosten verschiedener Kraftwerks- und Heizungstechnologien geschätzt. Es gelangte zum Schluss, dass diese bei den fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas) im Verhältnis zum Energiepreis deutlich ins Gewicht fallen (zwischen 1 und 6 €-Cent pro kWh), während sie bei der Kernkraft und bei den erneuerbaren Energien (Wasser, Wind, Fotovoltaik) fast vernachlässigbar sind (zwischen 0,05 und 0,3 €-Cent pro kWh)28.
Obwohl die externen Kosten im Kalkül der Anbieter und Nachfrager keine Rolle spielen, beeinflussen sie dennoch indirekt die relativen Preise der Infrastrukturleistungen. Wo grosse externe Kosten anfallen, sind die Marktpreise aus volkswirtschaftlicher Sicht zu niedrig, die Nachfrage entsprechend zu hoch. Externe Kosten schaffen folglich einen Anreiz zur Übernutzung der Infrastruktur – ein Effekt, der sich tendenziell selbst verstärkt, verursacht doch eine intensivere Nutzung der Infrastruktur zusätzliche externe Kosten. Die Folge davon ist eine Verschleuderung wertvoller Ressourcen, die entweder unwiederbringlich verloren sind oder später mit grossem Aufwand regeneriert werden müssen. Deswegen ist Integration von externen Kosten – d.h. deren Anlastung beim Verursacher – ein grundlegendes Prinzip der Nachhaltigkeitsstrategie. In Teilbereichen – beispielsweise im Strassengüterverkehr mit der LSVA – ist dieses Prinzip heute bereits realisiert.
27 Die einschlägigen Studien enthalten leicht abweichende Angaben für die externen Kosten des Strassenverkehrs: das Bundesamt für Raumentwicklung und das Bundesamt für Umwelt (2008): «Externe Kosten des Verkehrs in der Schweiz; Aktualisierung für das Jahr 2005 mit Bandbreiten; Zusammenfassung» beziffern sie auf 8'074 Mio. CHF, das Bundesamt für Statistik (2009): «Transportrechnung Jahr 2005» auf 7'476 Mio. CHF. Die Differenz ergibt sich daraus, dass die ungedeckten Unfallkosten des Langsamverkehrs (Fussgänger, Radfahrer) in der letzteren Studie nicht enthalten sind.
28 Vgl. Rabl, Ari / Spadaro, Joe (2005): «Externalities of Energy: Extension of accounting framework and Policy Applications», S. 35