Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/49: Bau und Finanzierung eines 4-Meter-Korridors für den Schienengüterverkehr auf der Gotthard-Achse · 56 Seiten

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sungen auf italienischer Seite des Simplons erfolgte wenig später21. Diese sogenannten SIM-Trassen (Simplon-Inter-Modal) sind für hochprofilige22 kombinierte Verkehre ausgelegt und im Fahrplan speziell trassiert.

Da die Strecke teilweise nur auf einem Gleis ausgebaut wurde, sind nur ein Teil der Trassenkapazitäten am Simplon für hochprofiligen kombinierten Verkehr verwendbar: es stehen zwei stündliche SIM-Güterverkehrs-Trassen pro Richtung zur Verfügung, die bereits heute praktisch vollständig ausgelastet sind. Die verbleibenden zwei stündlichen Trassen weisen eine ungenügende Ladungsgrenze (P45) auf. Südlich des Simplons sind die Kapazitäten zwischen Domodossola und Novara für den Transport von Behältern mit vier Metern Eckhöhe zusätzlich beschränkt, da dort grösstenteils nur einspurige Abschnitte bestehen (es verbleiben 33 Trassen pro Tag). Dies entspricht einem Angebot von etwa einer Trasse pro Stunde und Richtung. Rund zwei Drittel dieser Trassen werden durch das Angebot der Rollenden Landstrasse zwischen Freiburg im Breisgau und Novara sowie ca. ein Drittel durch hochprofiligen UKV beansprucht.

Über die Lötschberg-Simplon-Achse können die wichtigen Terminals in Domodossola und Novara im UKV und mit der Rollenden Landstrasse erreicht werden. Weitere wichtige Terminals des kombinierten Verkehrs südlich der Alpen wie Busto-Arsizio, Gallarate und Melzo können mit 4-Meter-Behältern über diese Achse derzeit nicht angefahren werden.

Nebst dem Lichtraumprofil ist die erlaubte Zugslänge ein wichtiger Infrastrukturparameter. Italien und die Schweiz haben in verschiedenen ministeriellen Arbeitsgruppen die nötigen Verbesserungen der Infrastruktur für den Güterverkehr in beiden Ländern diskutiert und Massnahmen koordiniert. Demnach ist geplant, dass bis ins Jahr 2020 auf der Lötschberg-Simplon-Achse zwischen Basel–Domodossola– Novara Züge mit einer Länge von 650 Metern via Borgomanero, bzw. 750 Metern via Arona fahren können (heute 575, bzw. 540 Meter).23

Gotthard-Achse

Auf der Gotthard-Achse gilt derzeit der Streckencode P60/384, was dem Lichtraumprofil EBV 224 entspricht. Nur Sattelauflieger mit einer Eckhöhe von maximal 3,84 Metern können somit über die Gotthard-Achse befördert werden. Die NEAT-Basistunnels des Gotthards und Ceneri (im Übrigen auch des Lötschbergs) sind hingegen bereits für eine maximale Eckhöhe von 4,20 Metern (entspricht EBV 4 bzw. Streckencode P99) ausgelegt.

Die Gotthard-Achse ist für den kombinierten Verkehr von hoher Bedeutung, da über den Ast Giubiasco–Ranzo–Luino die Terminals von Busto-Arsizio, Gallarate und weitere Terminals westlich Mailands erreicht werden können. Über die Streckenfüh-

21 Die Finanzierung des Ausbaus erfolgte über Mittel der zweckgebundenen Mineralölsteuer. Die veranschlagten Kosten lagen bei 230 Millionen Franken.

22 Hochprofiliger kombinierter Verkehr kann Sendungen mit einer Eckhöhe von vier Metern befördern (z. B. Sattelauflieger).

23 Rapport annuel 2011 du groupe de travail 1 Suisse-Italie «Infrastructure et monitoring»; 13.10.2011.

24 Südlich von Rotkreuz bzw. Zug gilt das Lichtraumprofil «EBV 1/P60». Für den Güterverkehr hat dies keine Auswirkungen. Der Unterschied ist im Personenverkehr wesentlich, da der Einsatz der Doppelstockzüge das Profil EBV 2 voraussetzt.