Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/130: Gesundheitsberufegesetz, GesBG (provisorischer Titel) · 46 Seiten

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Vorentwurf Gesundheitsberufegesetz / Erläuternder Bericht

Das Schweizer Gesundheitswesen im Wandel

Unter dem Druck dieser Herausforderungen wurden im Schweizer Gesundheitswesen, das bisher hauptsächlich um die Akutpflege herum aufgebaut war, Reformen und Veränderungen eingeleitet, um die Gesundheit der Bevölkerung wirksam zu verbessern (Health Outcomes) und die Effizienz der eingesetzten Ressourcen nachhaltig zu erhöhen. Diese Ziele prägen die gesundheitspolitischen Prioritäten des Bundesrates vom 23. Januar 2013 und wurden in den vier Handlungsfeldern Chancengleich-

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heit, Transparenz, Versorgungs- und Lebensqualität explizit aufgenommen. In mehreren Bereichen findet ein echter Paradigmenwechsel statt. Dies machen auch die Publikationen der Schweizerischen

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Akademien , insbesondere das Positionspapier der Schweizerischen Akademie der medizinischen

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Wissenschaften (SAMW) «Nachhaltige Medizin» deutlich. Präventiv-, Rehabilitations- und Palliativmedizin tragen zur Sicherung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten bei und werden heute zusammen mit der heilenden Medizin als wesentliche Bestandteile des Leistungsangebots anerkannt. Es werden neue Organisationsmodelle für eine verstärkt integrierte Pflege gewünscht und gefordert, insbesondere um die Herausforderungen in Bezug auf den erwarteten massiven Anstieg der Zahl der chronisch kranken Menschen und deren Versorgung zu bewältigen – gegenwärtig leiden

15 rund 80 Prozent der Personen über 65 Jahren an mindestens einer chronischen Erkrankung – und um bei der zunehmend zersplitterten Versorgung für Kontinuität zu sorgen. Auch das Verhältnis zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich befindet sich im Wandel. Mit der sogenannten «Wende zur ambulanten Versorgung» sollen die Gesundheitsversorgung und die Ressourcenzuweisung optimiert werden. Zugleich führt diese Wende zu einer Reihe von organisatorischen Neuerungen in der Gesundheitsversorgung.

Auswirkungen auf die fachliche Praxis

Die beschriebenen Veränderungen des Gesundheitssystems erfordern wirkungsvollere Zusammenarbeitsmodelle zwischen den Gesundheitsfachleuten. Die Gesundheitsfachleute werden sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich (integrierte Versorgungsnetze, Spitex-Organisationen usw.) immer häufiger interprofessionell zusammenarbeiten müssen, insbesondere mit Angehörigen universitärer Medizinalberufe (zum Beispiel mit Ärztinnen und Ärzten oder Apothekerinnen und Apothekern). Sie übernehmen dadurch mehr fachliche Verantwortung, gehen mit immer komplexeren Situationen um und legen dabei über die Qualität ihrer Leistungen Rechenschaft ab.

Auswirkungen auf die Ausbildung

Vor dem Hintergrund dieser komplexen gesundheitspolitischen Herausforderungen ist eine hohe Qualität der Ausbildung und der Berufsausübung der Gesundheitsfachleute ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung einer effektiveren, effizienteren, gerechten und zugänglichen Versorgung und somit zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Die Fachkräfte müssen über eine angemessene Ausbildung verfügen, die ihnen die nötigen Kompetenzen zur Ausübung ihres Berufes in den neuen Versorgungsmodellen und zur Abdeckung der Bedürfnisse der Bevölkerung vermittelt. Dem vorliegenden Entwurf eines Gesundheitsberufegesetzes (GesBG) liegt deshalb eine Gesundheitspolitik zugrunde, die mit der Bildungspolitik zusammenwirkt.

12 Gesundheit2020 - Gesundheitspolitische Prioritäten des Bundesrates vom 23. Januar 2013, BAG, www.bag.admin.ch > Themen > Gesundheit 2020

13 Akademien der Wissenschaften Schweiz; Effizienz, Nutzung und Finanzierung des Gesundheitswesens, 2012.

14 Nachhaltige Medizin, Positionspapier der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW), 2012.

15 «Neue Versorgungsmodelle und Kompetenzen sind gefragt», Max Giger, Sabina De Geest, Schweizerische Ärztezeitung, 2008; 89: 43, S.1839–1843.