Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2014/127: Teilrevision der Verordnung über die Berufsbildung (BBV) bezüglich der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit · 9 Seiten
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1 Ausgangslage
Internationalisierung der Berufsbildung und Bedarf nach internationaler Positionierung und Stärkung
Das Bildungssystem und die Bildungspolitik der Schweiz sind mit einem sich stark verändernden internationalen Umfeld konfrontiert: Globale Phänomene wie beispielsweise die Emergenz von kompetenzbasierten Ökonomien, demographische Entwicklungen von grosser Tragweite in Ländern sowohl der nördlichen als auch der südlichen Hemisphäre, die sich intensivierende Mobilität von Arbeit und Kapital, eine auf allen Kontinenten anzutreffende hohe Arbeitslosigkeit sowie gleichzeitig stark zunehmende internationale wirtschaftliche Verflechtungen wie auch neue Techniken der Datenverarbeitung und der Kommunikation fordern nationale Bildungssysteme heraus. Bei der Wahrnehmung ihrer Funktion, qualifizierte Fachkräfte für die Wirtschaft auszubilden, haben sie zunehmend Faktoren Rechnung zu tragen, die über den engeren Rahmen nationaler Grenzen hinaus weitreichende Auswirkungen haben können.
Als integraler Teil des Bildungssystems kann sich die Schweizer Berufsbildung dieser Entwicklung nicht entziehen. Auch sie muss sich international positionieren. So ist einerseits eine vom Ausland ausgehende starke Tendenz zur Akademisierung von Bildungsgängen und Abschlüssen feststellbar, während andererseits das internationale Interesse an der Schweizer Berufsbildung stark gestiegen ist, da man sich immer mehr des hohen Potentials von dualen Berufsbildungssystemen aufgrund ihrer Effizienz und Arbeitsmarktnähe bewusst wird. Zudem lässt sich in verschiedenen Politikbereichen, in denen die Schweiz auf internationaler Ebene bilateral oder multilateral mit Partnerländern und Institutionen zusammenarbeitet, eine steigende Bedeutung des Themas Berufsbildung feststellen. Sowohl in der Aussenpolitik im allgemeinen als auch in sektoralen Bereichen wie der internationalen Bildungspolitik, der Entwicklungspolitik und der Wirtschaftspolitik wird die Berufsbildung von Partnern verstärkt als mögliches Feld für grenzüberschreitende Kooperationen eingebracht. Auf nationaler Ebene sind Schweizer Unternehmen zunehmend international vernetzt und binden Produktionsstandorte im Ausland in ihre Wertschöpfungskette ein. Ausländische Unternehmen siedeln sich in der Schweiz an und rekrutieren hier Fachkräfte. Aber auch Schweizer Arbeitnehmende sind aufgrund zunehmender beruflicher Mobilität darauf angewiesen, dass ihre Berufsbildungsabschlüsse international anerkannt werden und sie selbst über internationale Kompetenzen verfügen.
Für die Schweizer Berufsbildung bietet diese komplexe Ausgangslage sowohl Chancen als auch Risiken. Für den langfristigen Erhalt der Schweizer Berufsbildung als wesentlicher Bestandteil des Wirtschaftssystems und als wichtiger Eckpfeiler der Gesellschaft sind neben nationalen Weiterentwicklungsmassnahmen auch solche wichtig, welche im Sinne einer proaktiven Positionierung und Stärkung auf internationaler Ebene Aussenwirkung entfalten und grenzüberschreitenden Charakter haben.
Solche Massnahmen sollen dazu beitragen, dass die positive Wahrnehmung der Schweizer Berufsbildung als arbeitsmarktnahe Ausbildung erhalten und ausgebaut und der internationale Kontext und Diskurs mitgestaltet werden kann, um beispielsweise die Anerkennung von Schweizer Abschlüssen der Berufsbildung zu fördern. Strategien hierzu umfassen insbesondere die internationale Bekanntmachung der Stärken und Eigenschaften des schweizerischen Berufsbildungsansatzes, die Förderung des Verständnisses und der Wertschätzung bei ausländischen Akteuren und der Transfer von spezifischer Berufsbildungsexpertise in Partnerländer. Langfristig gilt das übergeordnete Ziel, auch mittels internationaler Zusammenarbeit ein zukunftsfähiges Berufsbildungssystem zu erhalten und weiterzuentwickeln. Es soll weiterhin als Basis für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dienen und für die Individuen eine attraktive Option für die Integration in die Arbeitswelt bleiben.