Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2014/127: Teilrevision der Verordnung über die Berufsbildung (BBV) bezüglich der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit · 9 Seiten
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Handlungsbedarf bei den gesetzlichen Grundlagen im Bildungsbereich und erste Massnahmen des Bundesrates und der Verwaltung
Das Berufsbildungsgesetz und die dazugehörige Verordnung berücksichtigen zum heutigen Zeitpunkt den internationalen Kontext nur marginal. Bei der Einführung des Gesetzes standen die Anliegen der Differenzierung, Flexibilisierung und Systematisierung der Bildungsangebote sowie der Erhöhung der Durchlässigkeit des Berufsbildungssystems im Hinblick auf lebenslanges Lernen im Vordergrund der politischen Diskussion. Die Relevanz der internationalen Dimension für die Berufsbildung ist in den letzten Jahren jedoch manifest geworden. Ursächlich dafür waren unter anderem eine gestiegene internationale Aufmerksamkeit durch Studien der OECD1, die Herausforderung der Jugendarbeitslosigkeit aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise und der Einfluss des Bologna-Prozesses auf die Diskussion um die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung auch von Berufsbildungsabschlüssen. Parallel zur Aufnahme der Berufsbildung in die politische Agenda von internationalen Organisationen und anderen Ländern sind den Schweizer Akteuren die Stärken und komparativen Vorteile der Schweizer Berufsbildung im internationalen Vergleich sowie die Wichtigkeit einer internationalen Positionierung bewusst geworden.
Es besteht heute keine systematische Rechtsgrundlage, um Massnahmen zur stetigen Weiterentwicklung des nationalen Berufsbildungssystems konsequent auch international auszurichten. Der Bundesrat hat diese Lücke erkannt und erste Massnahmen zu ihrer Behebung ergriffen. Mit der vom Bundesrat am 30. Juni 2010 verabschiedeten Strategie im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (internationale BFI-Strategie) soll sich die Schweiz global als nachgefragter und bevorzugter Standort für die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation etablieren und ihre Exzellenz in diesen Bereichen für die Integration in den weltweiten Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraum nutzen. Hierzu sollen unter anderem auch spezifisch im Bereich der Berufsbildung die internationalen Zusammenarbeitsaktivitäten verstärkt und gefördert werden (Anerkennung von Abschlüssen, Mobilitätsförderung, Transfer von Schweizer Expertise etc.).
Zur Umsetzung der internationalen BFI-Strategie und vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung der Berufsbildung in internationalen Kontakten und Kooperationen hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eine Konkretisierung der internationalen BFI-Strategie spezifisch für den Bereich der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (IBBZ) vorgenommen. Diese
2 Strategie des SBFI für die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (IBBZ-Strategie des SBFI) wurde im Frühjahr 2014 vom Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF verabschiedet. Die IBBZ-Strategie des SBFI hält die Ziele, Massnahmen und Prioritäten der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit fest.
In einem nächsten Schritt wurde am 19. November 2014 der strategische Grundlagenbericht „Internationale Berufsbildungszusammenarbeit IBBZ“ vom Bundesrat zur Kenntnis genommen (strategischer Grundlagenbericht). Dieser Bericht umfasst die gemeinsamen Vorschläge der mit der Thematik befassten Bundesstellen (SBFI, SECO, DEZA, PD, DEA, BFM), wie die Aktivitäten der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit in den verschiedenen Politikfeldern des Bundes koordiniert und verstärkt werden können.
Sowohl die IBBZ-Strategie des SBFI als auch der strategische Grundlagenbericht der erwähnten Bundesstellen weisen darauf hin, dass zur Verstärkung der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit neben den eigenen Tätigkeiten des Bundes vor allem die grenzüberschreitenden Aktivitäten von nationalen Partnern eine wichtige Rolle spielen: Soll die Berufsbildung in der Schweiz selbst und international gestärkt werden, so bedarf es einer soliden rechtlichen Grundlage, die es erlaubt, entsprechende landesübergreifend ausgerichtete Massnahmen und Vorhaben von Dritten gezielt finanziell zu unterstützen. Damit sollen über den derzeitigen Rahmen einzelner thematisch und zeitlich beschränkter Vorhaben hinaus eng zu umschreibende Möglichkeiten geschaffen werden, um internationale Berufsbildungskooperationen nachhaltig auszugestalten und in ihrer Wirkung zu verstetigen. Während
1 Siehe z.B.: Learning for Jobs, OECD 2010.
2 Publiziert unter: http://www.sbfi.admin.ch/themen/01369/01697/index.html?lang=de