Vorlage
Vernehmlassung 2015/55: Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten · 82 Seiten
Fedlex · Vorlage · Seite 9Fedlex · Vorlage
Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten Entwurf
Schwarze Liste Für gebietsfremde Pflanzen wurden von info flora14 rechtlich unverbindliche Watch-Liste Listen für Pflanzenarten, die Schäden verursachen (Schwarze Liste) und für
solche mit Schadenspotenzial (Watch-Liste) für die Schweiz erstellt. Auch für gebietsfremde Tiere wurde die Möglichkeit einer vergleichbaren Einteilung geprüft. Eine Übersicht zu Schwarzen Listen anderer europäischer Länder liefern Essl et al. 201115.
Längerfristige Entwick- Erfahrungen mit invasiven gebietsfremden Arten beziehen sich häufig auf lung von Invasionen die Phase der exponentiellen Zunahme der Ausbreitung (vgl. Abb. 1-1). Zur
längerfristigen Entwicklung nach dieser Phase und möglicher Reaktionsmechanismen des betroffenen Systems liegen weniger Erkenntnisse vor. So wurden am Beispiel aquatischer Kleinlebewesen verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie mögliche längerfristige Entwicklungen ablaufen können (Abb. 1-2):
Abbildung 1-2 Fünf mögliche Entwicklungsszenarien wie eine langfristige Entwicklung für gebietsfremde Arten (hier am Beispiel Wandermuschel) aussehen könnte. (aus Kopp & Klappert 2010)16
Abschätzung des invasi- Obwohl seit Jahrzehnten intensiv geforscht wird, bleibt es nach wie vor ven Potenzials schwierig, das invasive Potenzial einer Art vorherzusagen. Dies hängt unter
anderem damit zusammen, dass das invasive Verhalten eng von den äusseren Bedingungen abhängt. So hält Wittenberg (2006)17 fest, dass „eine Art, die heute keinerlei Schäden anrichtet, namentlich im Zusammenhang mit anderen weltweiten Veränderungen morgen dennoch zur Problemart werden kann“.
Er führt verschiedene Faktoren auf, die aus einer gebietsfremden Art eine invasive gebietsfremde Art machen:
„artspezifische Faktoren: Fähigkeit sich verschiedenen Bedingungen und Klimazonen anzupassen, hohe Toleranz in Bezug auf abiotische Faktoren, hohe Reproduktions- bzw. Ausbreitungsfähigkeit.
extrinsische Faktoren: Anzahl natürlicher Feinde, Anzahl konkurrierende einheimische und gebietsfremde Arten, Bodenbeschaffenheit, Art und Häufigkeit von Störungen etc.
Einstellung des Menschen: Attraktivität und Bedeutung einer Art und dadurch Beeinflussung der Einführungswege und Vektoren“.
Umgekehrt werden u.a. als Folge des Klimawandels Arealverschiebungen einheimischer Arten erwartet. Die dadurch frei werdenden Nischen stehen neuen, an die veränderten Bedingungen besser angepassten, nicht-einhei-
14 Nationales Daten- und Informationszentrum zur Schweizer Flora (http://www.infoflora.ch/)
15 Essl, F., et al. 2011: Journal for Nature Conservation 19: 339-350.
16 http://www.eawag.ch/medien/publ/eanews/news_69/en69d_kopp.pdf, nach Strayer & Malcolm (2006), Freshwater Biology 51: 117-130
17 Wittenberg R. (Hrsg.) 2006: Gebietsfremde Arten in der Schweiz. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Wissen Nr. 0629: 154 S. http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/00028/index.html?lang=de