Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2018/43: Neues Bundegesetz über elektronische Medien · 85 Seiten
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sich die verschiedenen Medienbereiche zunehmend hin zu einer «Long-Tail»-Struktur. Diese ist charakterisiert durch wenige reichweitenstarke universelle Angebote und viele reichweitenschwache Nischen-Angebote.
Dementsprechend hat die Zahl der von privaten Anbietern produzierten und verbreiteten Radioangebote seit 2007 stark zugenommen. Unterdessen gibt es 150 private Radioprogramme, davon sind 46 konzessioniert. Diese Entwicklung wurde durch die Aufhebung der Konzessionspflicht (ersetzt durch eine generelle Meldepflicht) durch das RTVG 2006 und die zunehmende Etablierung der Verbreitungstechnologie DAB+ sowie der Radioverbreitung via Internet ermöglicht. Zugenommen haben in erster Linie Musikspartenprogramme, die zum Teil von bereits bestehenden Anbietern lanciert wurden. Stabil ist seit der Neukonzessionierung im Jahr 2008 hingegen die Zahl der privaten Radios mit einem Leistungsauftrag im Bereich der regionalen Information geblieben, deren Konzessionen bis Ende 2019 gültig sind. Auch die SRG sendet unverändert 17 Programme.
Noch stärker war seit 2007 die Zunahme der schweizerischen Fernsehangebote. Heute sind neben der SRG, die unverändert 7 TV-Programme anbietet, 13 private Regionalfernsehveranstalter konzessioniert. Hinzu kommen 166 gemeldete TV-Programme. Dabei handelt es sich vor allem um neue Sparten- und Zielgruppenprogramme, die sich auf Unterhaltung konzentrieren. (Zur Nutzung und wirtschaftlichen Entwicklung des Fernsehens vgl. Ziffer 1.2.3.2 und 1.2.4.3)
Im Bereich der Tageszeitungen hat die Anbieterkonzentration im neuen Jahrtausend weiter zugenommen. Zugenommen hat indes nicht nur die Marktkonzentration, sondern auch die Mehrfachverwertung von Inhalten, zu einem wesentlichen Teil über sogenannte Mantelzeitungen. Damit wurde die Berichterstattung zu internationalen, nationalen und wirtschaftlichen Themen in der Tendenz homogenisiert.
Im Bereich der Online-Informationsmedien beginnt sich in der Schweiz eine Struktur abzuzeichnen, die dem oben skizzierten Long-Tail entspricht: Einigen wenigen reichweitenstarken Angeboten – meist von traditionellen Medienhäusern – stehen viele Nischenangebote gegenüber.
1.2.2 Technologische Entwicklung
Die vielfältigen technischen Entwicklungen sind Folge der fortschreitenden Digitalisierung im Medienbereich. Medienproduktion, Mediendistribution und Mediennutzung erfolgen zunehmend konvergent, d.h. losgelöst von spezifischen Produktions- und Empfangsgeräten. Mit computergestützten Geräten (z.B. Desktop, Smartphone oder Tablet) können Medieninhalte produziert, über verschiedene (digitale) Netze verbreitet, empfangen und genutzt werden. Die Mediennutzung erfolgt dabei zunehmend ortsunabhängig (mobil) und zeitunabhängig (zeitversetzt). Lineare Medienangebote verlieren damit tendenziell an Relevanz. Die Mediennutzung orientiert sich zunehmend nicht mehr am Zeitpunkt der Ausstrahlung einer Sendung. Konvergenz zeigt sich auch bei der Inhaltsproduktion. Fernsehveranstalter bereiten ihre Angebote für das Internet auf und «ummanteln» sie mit Textinformationen, Zeitungsverleger integrieren Audios und Videos in ihre Online-Portale etc. Zudem sind neben die traditionellen Medienhäuser neue Konkurrenten in den Medienmarkt eingetreten. Einerseits haben z.B. die klassischen Infrastrukturbetreiber (z.B. Swisscom oder UPC) oder Gerätehersteller eigene Medienangebote aufgebaut oder solche aufgekauft und weiterentwickelt. Anderseits haben Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich (z.B. RedBull) erfolgreich eigene (Unterhaltungs-)Medienangebote lanciert.
Radio wird heute noch vorwiegend auf drahtlos-terrestrischem Weg empfangen. Rund 25 Prozent der Haushalte hören Radioprogramme über Kabel- und IPTV-Netze sowie über das Internet. Derzeit ist die Umstellung der drahtlos-terrestrischen Verbreitung von analog auf digital im Gang. 2009 wurde die digitale Radioverbreitung (DAB+) lanciert. Das Ende der UKW-Verbreitung ist spätestens per Ende 2024 geplant. Daher dürfte UKW in wenigen Jahren bedeutungslos werden. Bei der digitalen Direktverbreitung besteht Regulierungsbedarf, namentlich hinsichtlich eines gesicherten Zugangs zu den nach wie vor knappen Plattform-Kapazitäten (DAB+).
Seit dem Jahr 2007 erfolgte die schrittweise Einführung des digitalen Fernsehens. Unterdessen wird TV gänzlich digital verbreitet. In den Bereich der Leitungsverbreitung fallen traditionelle Kabelnetze