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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten
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Im Einzelnen stellen sich für die Periode 2021–2024 folgende Herausforderungen:
– Innovative Literaturformen: Eine Herausforderung besteht in der angemessenen und kontinuierlichen Förderung von innovativen Literaturformen, welche nicht nur eine textliche, sondern auch eine visuelle oder performative Ebene beinhalten (u. a. Comics, Graphic Novels, illustrierte Kinderbücher) und die oft neue Zielgruppen ansprechen.
– Aufwändige thematische oder formale Recherchen: Literaturschaffenden fehlt zu Beginn des Schreibprozesses oft der finanzielle Spielraum für Recherchen thematischer oder stilistischer Art. Dieser für die künstlerische Entwicklung notwendige Teil des Schreibprozesses wird bislang vom Bund nicht gefördert.
– Gleichstellung Übersetzerinnen und Übersetzer mit Autorinnen und Autoren: Literarische Übersetzerinnen und Übersetzer, die im Gegensatz zu Autorinnen und Autoren bislang für ihre Auftritte im Literaturbetrieb kein angemessenes Honorar erhalten, sollen künftig Letzteren gleichgestellt und angemessen entschädigt werden.
Verlagsförderung
Die Lebendigkeit der Schweizerischen Verlagslandschaft ist eine grosse Stärke der Schweizer Kultur und drückt sich in einer überraschend grossen Anzahl vor allem kleiner und mittlerer Verlage aus, die je nach Sprachregion über unterschiedliche Praktiken und Traditionen verfügen. Diese besondere Ausgangslage beeinflusst die Schweizer Literatur und den Sprachaustausch positiv. Allerdings schränken die chronischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die allgemeine Unsicherheit des Buchmarktes die Projekte der Verlage ein, die ihre Ausgaben oft auf ein Minimum reduzieren müssen. Weniger sichtbare Tätigkeiten wie Recherche, Lektorat, Überprüfung von Manuskripten oder die Beziehung zu Autorinnen und Autoren sowie die Vermittlung werden aus Kostengründen in Frage gestellt, obwohl sie von grosser Wichtigkeit sind. Die Verlagsförderung des Bundes, die seit 2016 in Kraft ist, besteht aus Strukturbeiträgen an Schweizer Verlage, die eine qualitativ hochstehende Editionsarbeit leisten und damit einen Gewinn für die gesamte Schweizer Kulturlandschaft darstellen. In der Förderperiode 2016–2020 haben 48 Verlage Strukturbeiträge erhalten. 2016–2018 wurden Förderprämien an 22 Verlage vergeben, und 2019–2020 an 36 Verlage. Sämtliche Unterstützungsbeiträge wurden auf der Grundlage einer Ausschreibung ausgerichtet. Eine Umfrage des BAK zur Verlagsförderung fiel weitgehend positiv aus.19
Austausch im Inland
Vom Bund unterstützte Festivals ermöglichen einen Austausch zwischen Schweizer Akteuren aus den Bereichen Buch und Literatur ebenso wie die Begegnung des Schweizer Publikums mit anderssprachiger Literatur aus den verschiedenen Landesteilen.
Übersetzungen tragen massgeblich zum Austausch zwischen den Schweizer Sprachregionen bei. Daher hat der Bund in der Förderperiode 2016–2020 im Austausch mit allen relevanten Akteuren den Ausbau und die Intensivierung seiner Übersetzungs- und Übersetzerförderung vorangetrieben. Dabei wurden vier Ziele angestrebt: die Steigerung von Qualität, die Erhöhung der Quantität, die bessere Promotion und Verbreitung der übersetzten Werke sowie eine grössere Diversität des Angebots und eine Ausweitung des Portfolios über literarische Übersetzungen hinaus. Die neuen Förderinstrumente haben sich bewährt und sollen weitergeführt werden.
Internationale Verbreitung und Promotion
Auch im internationalen Kontext spielt die Übersetzungsarbeit eine entscheidende Rolle. Dazu gehören die Unterstützung von Vermittlungsaktivitäten im Lizenzbereich (z. B. «12 Swiss Books») sowie Zuschüsse an Übersetzungshonorare für internationale Verlage, die Schweizer Bücher in Übersetzung publizieren. Zudem partizipiert der Bund an internationalen Übersetzungsnetzwerken wie «Traduki» (für Übersetzungen im südosteuropäischen Raum), «Books first» und «New books in German» (für den englischsprachigen Raum).
Mit Blick auf die internationale Promotion förderte der Bund Auftritte der Schweizer Verlage an internationalen Plattformen, namentlich an Buchmessen. Diese sorgen für Sichtbarkeit und stärken die Verbindung von Schweizer Autorinnen und Autoren mit der internationalen Literaturszene. Daher hat Pro Helvetia mit den Schweizer Verlegerverbänden eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen, die ihnen den Besuch von internationalen Messe-Destinationen erlaubt. Schweizer Gastlandauftritte («Francfort en Français» an der Frankfurter Buchmesse 2017; Internationale Kinderbuchmesse Bologna 2019) verschafften der Schweizer Literatur internationale Aufmerksamkeit. In Ergänzung zu den Buchmessen fördert der Bund auch thematische oder genrespezifische Promotionsvorhaben zugunsten des Schweizer Buchs im Ausland. Seit 2018 fördert der Bund zudem verstärkt die Promotion bestehender Übersetzungen (z. B. gemeinsame Auftritte von Autorinnen und Autoren mit Übersetzerinnen und Übersetzern; Präsenz an internationalen Übersetzungsfestivals und Veranstaltungsreihen).
Im Einzelnen stellen sich für die Periode 2021–2024 folgende Herausforderungen:
– Wettbewerbsnachteil der Schweizer Akteure im internationalen Buch- und Literatursektor: Schweizer Autorinnen und Autoren sind darauf angewiesen, dass ihre Verlage den internationalen Markt für sie erschliessen. Für die meist kleineren und mittelgrossen Schweizer Verlage besteht die Herausforderung darin, ihren Betrieb hinsichtlich Marketing- und Promotionsmassnahmen trotz ökonomisch angespannter Situation zu professionalisieren. Schweizer Übersetzerinnen und Übersetzer, deren Arbeit im internationalen Vergleich kostspielig ist, sollen wirtschaftlich konkurrenzfähigbleiben.
– Wettbewerb um internationale Aufmerksamkeit: Auftritte der Schweizer Verlage an internationalen Buchmessen und anderen Plattformen sorgen für Sichtbarkeit und stärken die Verbindung der Autorinnen und Autoren mit der internationalen Literaturszene. Schweizer Gastlandauftritte («Francfort en Français» 2017, Bologna 2019, Quebec 2020) verschaffen der Schweizer Literatur grosse Aufmerksamkeit und steigern ihre Marktchancen. Diese Auftritte bedürfen auch künftig grosser finanzieller Mittel.
– Konkurrenz auf dem Lizenzmarkt: Im Kontext der internationalen Verbreitung spielt die Übersetzungsarbeit eine entscheidende Rolle. Internationale Verlage, die Schweizer Bücher in Übersetzung publizieren, können vom Bund eine Förderung in der Höhe der landesüblichen Übersetzerhonorare erhalten. Dieser finanzielle Anreiz wird zunehmend wichtiger, damit die Schweizer Literatur auf dem internationalen Lizenzmarkt attraktiv bleiben kann.
Ziele und Massnahmen
Zusätzlich zu den bisherigen Fördermassnahmen wird in der Finanzierungsperiode 2021–24 den dargestellten Herausforderungen wie folgt begegnet:
Nachwuchs
Siehe Ziffer 2.1.1.
19 Erste Umfrage zum neuen Förderungskonzept 2016–2020, einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Kulturschaffen > Literatur > Verlagsförderung