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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten
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nahmen, Präsenz an Messen) werden konsolidiert und weiterentwickelt. Die entsprechenden Förderaktivitäten in den USA und in Europa werden vertieft und gleichzeitig auf neue Märkte (z. B. in Asien) ausgeweitet.
2.3.3 Darstellende Künste
Der Bund unterstützt in den Bereichen Theater, Tanz, Musiktheater und zeitgenössischer Zirkus die Schaffung von Werken der freien Szene, die Verbreitung und Promotion von Werken im In- und Ausland, die Übersetzung und Übertitelung von Werken sowie die internationale Vernetzung der Schweizer Akteure mit Veranstaltern und Koproduktionspartnern.
Ausgangslage und Herausforderungen
Die öffentliche Förderung für die freie Szene konzentriert ihre Mittel auf die Produktion von neuen Werken. Für Wiederaufnahmen oder für intensivere Recherchen gibt es nur wenige Unterstützungsmöglichkeiten. Zudem wird zu wenig in die Verbreitung investiert, insbesondere innerhalb der Sprachregionen. Dies führt dazu, dass Stücke von guter Qualität entstehen, die aber minimal oder nicht ausgewertet werden und zu wenig Publikum finden. Nachhaltiger wäre es, jene Projekte, welche nationales und internationales Verbreitungspotential haben, gezielt zu fördern und stärker in deren Verbreitung zu investieren. Das vom Nationalen Kulturdialog in Auftrag gegebene «Panorama Tanz», eine Untersuchung über die 2017 in den Tanz investierten öffentlichen Mittel, bestätigt die Unausgewogenheit zwischen Produktions- und Verbreitungsförderung mit deutlichen Zahlen. Im Theater liegen solche Zahlen derzeit nicht vor, die Verhältnisse dürften aber vergleichbar sein.
Nachwuchs
Siehe Ziffer 2.1.1.
Förderung des künstlerischen Schaffens
Pro Helvetia unterstützt die Schaffung von Werken (Produktionen) der freien Szene (freischaffende Akteure ohne festes Engagement an einem Haus). Diese Werkförderung trägt in Ergänzung zur kantonalen und kommunalen Förderung dazu bei, dass qualitativ hochstehende Werke entstehen, die im In- und Ausland verbreitet werden können.
Im Einzelnen stellen sich für die Periode 2021–2024 folgende Herausforderungen:
– Werkförderung Musiktheater und zeitgenössischer Zirkus: Die Bereiche Musiktheater und zeitgenössischer Zirkus entwickeln sich dynamisch und finden Interesse bei Veranstaltern und beim Publikum. In der letzten Finanzierungsperiode wurden deshalb durch temporäre Mittelumlagerungen erstmals Produktionen aus dem Bereich Musiktheater gezielt gefördert, im zeitgenössischen Zirkus jedoch nur punktuell. Für beide Bereiche fehlen die Mittel für eine längerfristige systematische Unterstützung.
– Produktionsdruck in der freien Szene: Es gibt noch zu wenig Möglichkeiten, vertiefte Recherchen für neue Werke oder Wiederaufnahmeproben von erfolgreichen Werken zu finanzieren.
Austausch im Inland
Pro Helvetia unterstützt Tourneen und Gastspiele in den jeweils anderen Sprachregionen. Für Tourneen innerhalb der Deutschschweiz und innerhalb der italienischen Schweiz gibt es allerdings kaum Fördermöglichkeiten – in der Romandie dagegen kann dank der Unterstützung der Commission romande de diffusion de spectacles (CORODIS) deutlich mehr getourt werden.
Im sprach- und textbasierten Theater bleibt die Verbreitung in den anderen Sprachregionen der Schweiz eine ständige Herausforderung. Pro Helvetia unterstützt deshalb Übersetzungen und Übertitelungen von Stücken und hat diese Unterstützung in der aktuellen Finanzierungsperiode intensiviert.
Im Tanz besteht die Herausforderung in der begrenzten Zahl an Theatern und Festivals, die regelmässig Tanz programmieren. Insbesondere ausserhalb der fünf grössten Städte gibt es nur wenige permanente Tanzveranstalter, die zudem meist finanziell schlecht ausgestattet sind. In den letzten Jahren wurde durch die Pilotprojekte von Reso – Tanznetzwerk Schweiz der Austausch zwischen den Zentren und peripheren Regionen initiiert. Die Projekte sind erfolgreich, bleiben aber punktuell. Im zeitgenössischen Zirkus ist die Situation vergleichbar, wenn nicht sogar noch ungünstiger.
Im Einzelnen stellen sich für die Periode 2021–2024 folgende Herausforderungen:
– Sprachgrenzen: Im sprachbasierten Theater findet die Verbreitung in den anderen Sprachregionen noch nicht ausreichend statt. Für Theaterproduktionen ist es eine grössere Herausforderung, in einer anderen Sprachregion der Schweiz gezeigt werden zu können, als im nahen Ausland des eigenen Sprachraums aufzutreten.
– Beschränkte Anzahl Spielorte für zeitgenössischen Tanz und Zirkus: Die Anzahl Spielstätten ausserhalb der urbanen Zentren ist sehr begrenzt, und sie sind zum grössten Teil finanziell nicht ausreichend ausgestattet, was die Tournee- und Gastspieltätigkeit erschwert.
– Beschränkte öffentliche Mittel für die Verbreitung: Für die bessere Auswertung der produzierten Stücke und deren Verbreitung fehlen die Mittel, insbesondere innerhalb der Deutschschweiz und des Tessins.
Internationale Verbreitung und Promotion
Zahlreiche Schweizer Gruppen sind erfolgreich, ihre Werke sind qualitativ hochstehend und die internationale Nachfrage danach ist gross. Zwar nehmen die Tourneemöglichkeiten zu, jedoch reichen die dafür eingeplanten Fördermittel nicht mehr aus. Dazu kommen neue Bereiche wie Musiktheater und zeitgenössischer Zirkus, die in den letzten Jahren mit sehr bescheidenen Mitteln gefördert wurden und deren Tourneeförderung es nun zu konsolidieren gilt.
Pro Helvetia unterstützt Tourneen und Gastspiele im Ausland. Zudem unterstützt die Stiftung ausgewählte herausragende freie Tanz- und Theatergruppen durch dreijährige kooperative Fördervereinbarungen, die gemeinsam mit den jeweiligen Städten und Kantonen abgeschlossen werden. Diese haben insbesondere im Bereich Tanz viel zur Professionalisierung und zur internationalen Präsenz der Schweizer Gruppen beigetragen. Diesem Erfolg steht eine wachsende Szene gegenüber, für die nicht ausreichende Mittel zur Verfügung stehen.
In Europa, dem wichtigsten ausländischen Markt für darstellende Künste, wird sehr ausgeprägt in internationalen Netzwerken gearbeitet, was sich in den letzten Jahren durch die EU-Fördertätigkeit noch verstärkt hat. Schweizer Gruppen bleiben davon weitgehend ausgeschlossen. Eine weitere grosse Herausforderung für die Schweizer Gruppen sind die hohen Lebenskosten im Inland und die vergleichsweise geringen Gagenangebote im Ausland. Pro Helvetia hat in der aktuellen Finanzierungsperiode deshalb zwei neue Massnahmen entwickelt: Zum einen wurden erstmals gezielt internationale Kooperationen zwischen Schweizer und europäischen Institutionen unterstützt, um den Gruppen den Zugang zu diesen Netzwerken zu erleichtern. Zum anderen wird bei Tourneen in Europa die Diffusionsarbeit unterstützt, was zur Wettbewerbsfähigkeit und zur Professionalisierung der freien Gruppen und damit zur Stärkung ihrer Stellung im Markt beiträgt.