Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2025/84: Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Schweizerinnen: Teilrevision der Bundesverfassung sowie der dazugehörigen Gesetzesbestimmungen · 10 Seiten

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1 Ausgangslage

Heute nehmen jährlich rund 1 200 Frauen freiwillig an einer Orientierungsveranstaltung über den Militär- und Schutzdienst (Orientierungstag) teil1. Am Orientierungstag, der für junge Männer bereits heute Pflicht ist, erhalten die Teilnehmenden einen vertieften Einblick in das sicherheitspolitische System der Schweiz und die Möglichkeiten und Chancen, die sich mit einem Dienst in der Armee oder im Zivilschutz ergeben. Ohne Dienstpflicht und obligatorische Teilnahme am Orientierungstag ist für viele Frauen die Hemmschwelle hoch, sich für eine Teilnahme am Orientierungstag zu entscheiden. Aus Sicht des Bundesrates ist dieser ungleiche institutionelle Zugang zu Informationen über das sicherheitspolitische System der Schweiz, über die Armee und den Zivilschutz einer der Gründe, weshalb sich nur wenig Frauen für einen freiwilligen Dienst entschei- den.

Die sicherheitspolitische Bedrohungslage in Europa hat sich in den letzten Jahren er- heblich verschlechtert. Die Sicherstellung der personellen Alimentierung der Armee und des Zivilschutzes hat dadurch zusätzlich an Dringlichkeit gewonnen. Der Bundesrat geht davon aus, dass die beabsichtigte Erhöhung des Frauenanteils in der Armee und im Zivilschutz auch zu einer generellen Verbesserung der personellen Alimentie- rung beitragen wird.

Der Bundesrat hat anlässlich seiner Diskussion zur Weiterentwicklung des Dienst- pflichtsystems am 15. Januar 2025 aus diesen Gründen beschlossen, dass der Orien- tierungstag auch für Schweizerinnen obligatorisch werden soll. Die notwendigen Vor- abklärungen zur Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Schweizerin- nen hat das VBS in seinem Bericht vom 12. Juli 2024 dargelegt.2

Mit der Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Schweizerinnen verfolgt der Bundesrat zwei Hauptziele. Zum einen will er die Chancengleichheit verbessern. Am Orientierungstag erhalten Schweizerinnen einen vertieften Einblick in das sicher- heitspolitische System der Schweiz, die Armee und den Zivilschutz sowie die Chancen und Möglichkeiten, die solche Dienste eröffnen: Die Armee und der Zivilschutz bieten Zugang zu Ausbildungen, Führungsfunktionen und beruflichen Qualifikationen, die auch im zivilen Berufsleben relevant sein können. Der obligatorische Orientierungstag soll Frauen gleichwertigen institutionellen Zugang zu Perspektiven in den gesellschaft- lich relevanten Bereichen der Verteidigung, des Bevölkerungsschutzes, der Krisenbe- wältigung und der Sicherheitspolitik schaffen. Auf Basis dieser Informationen können Frauen eine informierte Entscheidung für oder gegen einen weiterhin freiwilligen Dienst treffen.

Zum anderen ist der Bundesrat überzeugt, dass mit der Einführung des obligatorischen Orientierungstags mehr Frauen für einen freiwilligen Dienst gewonnen werden können. Die Massnahme soll damit den Frauenanteil von Armee und Zivilschutz verbessern und

1 Im Jahr 2024 nahmen 1 234 Frauen an einem Orientierungstag und 685 an der Rekrutierung teil. In die Rekrutenschule rückten 549 Frauen ein. 464 Frauen wurden in die Armee eingeteilt.

2 Bericht des VBS vom 12. Juli 2024 zur Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Schweizerinnen («Status Quo Plus»).