Bericht Gesetz
Vernehmlassung 2005/35: Verfassungsbestimmung und Bundesgesetz über die Forschung am Menschen · 137 Seiten
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schende über die verfügbaren Materialien und Daten informieren und entsprechend Anträge für ihr Forschungsprojekt stellen können.
Schweiz: SAPALDIA
SAPALDIA (Swiss Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults) ist eine Kohortenbiobank und besteht seit 1991. An der ersten, auf zehn Jahre angelegten Studie nahmen 100'000 Schweizerinnen und Schweizer teil. Die zweite Studie findet nun mit denselben Personen statt. Ziel des Projekts ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und der Lungenfunktion. Die Biobank enthält neben Blutproben der Spenderinnen und Spender auch Daten über deren Lungenfunktion, Krankheitsgeschichte sowie meteorologische Messungen an ihrem jeweiligen Standort42.
1.3.4 Forschung an verstorbenen Personen
1.3.4.1 Einleitung
Diese Forschung hat zum Ziel therapeutische, diagnostische oder epidemiologische Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Behandlung von kranken Menschen weiter entwickelt werden können. Die nachfolgenden Beispiele aus den einzelnen Forschungsbereichen sollen die Ziele der Forschung verdeutlichen.
1.3.4.2 Forschungsbereiche Bildgebende Verfahren
Um die Methoden der bildgebenden Verfahren zu verbessern, werden Studien an Leichen durchgeführt. So werden z.B. Computer- und Magnetresonanz-Tomografie-Bilder von Leichen aufgenommen, um diese dann mit den tatsächlichen anatomischen Gegebenheiten zu vergleichen43.
Erforschung von Operations- und Diagnosetechniken
Da die Anwendung neuer operativer Verfahren bei lebenden Personen mit unverhältnismässigen Risiken behaftet ist, müssen grundlegend neue Operationsverfahren zunächst an Leichen getestet werden. So werden z.B. computerunterstützte Operationen, aber auch neue diagnostische Verfahren zunächst an Leichen bzw. Leichenteilen getestet und optimiert44.
Erforschung von Todes- und Krankheitsursachen
Leichen dienen auch der Erforschung von Krankheits- und Todesursachen. Ein Beispiel: In westeuropäischen Ländern ist der plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome; SIDS) die häufigste Todesursache bei Säuglingen. Der Tod tritt während des Schlafes unerwartet ein und meistens lässt sich auch via Obduktion keine genaue Todesursache nachweisen. Neben den retrospektiven Fragebogenerhebungen besteht der Grossteil der SIDS-Forschung aus postmortalen Untersuchungen an den verstorbenen Kindern.
42 http://www.sapaldia.ch/Page/withframes/frameset.html.
43 Vgl. Ackerman MJ, Yoo T, Jenkins D, From data to knowledge – The Visible Human Project continues, in: Medinfo, 10, 2001, S. 887- 890.
44 Vgl. Witte H, Kozianka J, Das Erlernen und Optimieren minimal-invasiver Operationsverfahren am menschlichen Leichnam, in: Der Chirurg, 1999, S. 923-928; Herzog C, Schwarz WV, Robot-assisted spinal interventions in multislice-spiral-CT. First experiences in soft-tissue phantoms and human corpses, in: Radiology, 221 Suppl., 2001, S. 341 f.