Bericht Gesetz
Vernehmlassung 2005/35: Verfassungsbestimmung und Bundesgesetz über die Forschung am Menschen · 137 Seiten
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1.3.5 Forschung an Embryonen und Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen und Spontanaborten sowie an Totgeburten
1.3.5.1 Einleitung
Ein Spontanabort ist die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft durch spontanen Verlust des Fötus mit einem Gewicht unter 500 Gramm. Rund 20% aller erkannten Schwangerschaften enden mit einem Spontanabort. Als Totgeburt wird die Geburt eines Kindes bezeichnet, das nach der Trennung vom Mutterleib keine Lebenszeichen (Herzschlag, natürliche Lungenatmung, Pulsation der Nabelschnur) und ein Gewicht von über 500 Gramm aufweist. Um einen Einblick in diese Art Forschung zu bekommen, werden im Folgenden die wichtigsten Forschungsbereiche vorgestellt.
1.3.5.2 Forschungsbereiche Gewinnung fötaler Zellen
Aus Embryonen bzw. Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen und Spontanaborten werden verschiedene Zellen zu Forschungs- und Transplantationszwecken (z.B. Versuche mit Dopamin bildenden Hirnzellen zur Behandlung der Parkinson'schen Krankheit) gewonnen. So werden z.B. aus den Genitalleisten51 von Embryonen so genannte primordiale Keimzellen isoliert, die ähnliche Eigenschaften wie embryonale Stammzellen aufweisen und dereinst für Zelltherapien herangezogen werden sollen.
Erforschung der Ursachen von Spontanaborten und Totgeburten
Spontanaborte stellen die häufigste Komplikation während einer Schwangerschaft dar. Zu den Ursachen eines Spontanaborts zählen einerseits Chromosomenanomalien sowie Fehlbildungen des Embryos bzw. Fötus, andererseits Infektionen, Gebärmutterhalsschwäche, Gebärmutteranomalien oder Abstossungsreaktionen seitens der Mutter. Totgeburten infolge eines intrauterinen Fruchttodes treten bei zirka 1-4 % aller Schwangerschaften auf. Die wichtigste Ursache ist eine so genannte Plazentainsuffizienz, d.h. die mangelnde Fähigkeit des Mutterkuchens, den Embryo bzw. Fötus zu ernähren.
Grundlagenforschung
Embryonen bzw. Föten aus Aborten sowie Totgeburten werden auch für die Grundlagenforschung verwendet. So werden z.B. Studien an abgetriebenen Embryonen bzw. Föten mit Spina bifida (offener Rücken) durchgeführt mit dem Ziel, Erkenntnisse über die Ursache und den Verlauf dieser relativ häufigen Fehlbildung zu erlangen.
1.4 Ethische Aspekte
1.4.1 Der Grundkonflikt
Die rasche Entwicklung in der medizinischen Forschung wirft eine Reihe von Fragen auf, die sich nicht alleine durch das in der medizinischen Praxis geltende ärztliche Ethos beantworten lassen. Denn in der Anwendung und Forschung werden unterschiedliche Ziele verfolgt. Dies
51 Als Genitalleisten werden bestimmte Regionen bezeichnet, aus denen im weiteren Verlauf der Entwicklung die Geschlechtsorgane hervorgehen.