Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten

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3.3 Lösungsansätze

3.3.1 Problem: Vielzahl sehr unterschiedlicher Vorsorgeeinrichtungen

3.3.1.1 Problembeschreibung

Man geht davon aus, dass das Hauptproblem der Kassenvielfalt die fehlende Effizienz ist, das heisst das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die kleinen Kassen. Einzelne Fachleute sind deshalb der Meinung, das Milizsystem habe ausgedient58.

3.3.1.2 Lösungsansatz A: Einheitskasse

Nach Ansicht der Befürworterinnen und Befürworter der Einheitskasse könnte mit diesem System der Kostenaufwand für die allgemeine Verwaltung und für die Vermögensverwaltung durch den Masseneffekt gesenkt werden, da dieser unter anderem einen geringeren Verwaltungsaufwand zur Folge hätte. Ein System mit Einheitskasse hätte den erheblichen Vorteil, dass es keine Kassenwechsel mehr gäbe und damit auch die damit verbundenen Aufgaben (wie die Berechnung und Überweisung der Austrittsleistung, der Informationsaustausch zwischen den Pensionskassen, eventuell auch die Teilliquidation der alten Kasse, Marketingaufwand) entfallen würden. Nicht vergessen werden darf jedoch, dass der Aufbau einer solchen Organisation sehr kostenintensiv und komplex wäre (Logistik, Informatik, etc.).

Durch den Zusammenschluss aller Versicherten der 2. Säule unter einem Dach würde die Einheitskasse die Rolle der heutigen Auffangeinrichtung übernehmen. Damit fielen die Pensionskassenwechsel gänzlich weg, und es wäre dafür gesorgt, dass die Versicherten mit ihren unterschiedlichen Merkmalen alle an einem Ort vereint sind.

Ein System mit Einheitskasse würde zudem grundsätzlich eine bessere Anlagestrategie ermöglichen, da ein längerer Anlagehorizont und dadurch höhere Renditen in Betracht kämen.

Weiter führen die Befürworterinnen und Befürworter an, dass mit einer Einheitskasse das Fachwissen konzentriert und die Professionalisierung der 2. Säule sichergestellt würden, was dem gegenwärtigen Milizsystem vorzuziehen sei.

Schliesslich wäre mit einer Einheitskasse ein besserer Risikoausgleich und dadurch mehr Solidarität und Sicherheit möglich.

Gegnerinnen und Gegner hingegen argumentieren, ein System mit Einheitskasse würde zweifellos zu einer gewissen Leistungsstandardisierung führen. Eine Einheitskasse könnte zwar verschiedene Vorsorgepläne anbieten, aber niemals die heutige Angebotsbreite erreichen. Dadurch könnte der besonderen Situation der einzelnen Arbeitgeber nicht mehr Rechnung getragen werden. Ausserdem birgt eine solche Harmonisierung das Risiko, dass im schweizerischen Sozialschutz eine Nivellierung nach unten stattfindet. Auf die Arbeitgeber, denen die Wahl der Vorsorgeeinrichtung und somit die Identifikationsmöglichkeit mit der Pensionskasse entzogen wird, könnte das System demotivierend wirken. Arbeitgeber könnten versucht sein, sich weniger für die 2. Säule einzusetzen, indem sie sich etwa auf die Anwendung des strikten BVG-Minimums beschränken. Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf das Postulat Rechsteiner59, das eine Einheitskasse nach SUVA-Modell für die BVG-Risikoversicherung fordert, bereits auf diese und andere Gefahren hingewiesen und deshalb die Idee einer Einheitskasse abgelehnt.

Die Strukturreform hatte unter anderem die Optimierung der Aufsicht mittels einer Dezentralisierung zum Ziel. Eines der Hauptargumente für diese Dezentralisierung war der

58 Vgl. insbesondere in diesem Sinne Pittet Associés/Jacques-André Schneider, Machbarkeitsstudie zur freien Pensionskassenwahl, Juli 2005, p. 157; Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002, Kurzfassung, S. 24 ff.

59 Postulat Rechsteiner (03.3379), Einheitskasse nach Suva-Modell für die BVG-Risikoversicherung, eingereicht am 19. Juni 2003.