Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten
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Wunsch, die Aufsichtsbehörden und ihre «Kunden» einander näher zu bringen. Ein System mit Einheitskasse würde genau in die entgegengesetzte Richtung des gegenwärtigen Aufsichtstrends gehen.
Als Schlussfolgerung lässt sich feststellen, dass mit einer Einheitskasse zwar einige der bestehenden Probleme angegangen werden könnten, es aber angesichts der erheblichen negativen Auswirkungen trotzdem kein Allheilmittel wäre. Insgesamt überwiegen somit die Vorteile für eine eigentliche Revolution in der 2. Säule nicht, wie sie die Einführung einer Einheitskasse eine darstellen würde.
Dieser Lösungsansatz stellt für die BVG-Kommission keine Option dar.
3.3.1.3 Lösungsansatz B: Bestimmung einer Mindestgrösse der Vorsorge-
einrichtungen
Die Einheitskasse wird nur von wenigen Fachleuten befürwortet. Hingegen sprechen sich die meisten für eine Konzentration aus. In den letzten Jahren konnte auch bereits eine natürliche Konzentrationsbewegung beobachtet werden: Jede zehnte Vorsorgeeinrichtung ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts verschwunden60. In den anderen europäischen Ländern, darunter Frankreich, ist seit anfangs der 2000-er Jahre eine ähnliche Entwicklung im Gange61. Es stellt sich heute die Frage, ob es sinnvoll wäre, strengere Vorschriften in Bezug auf die Mindestgrösse der Vorsorgeeinrichtungen einzuführen, um diese natürliche Bewegung noch zu verstärken und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis in der 2. Säule zu erreichen, ohne dass dabei unerwünschte Nebeneffekte auftreten.
Eine Konzentration der Vorsorgeeinrichtungen würde nach Meinung der Befürworterinnen und Befürworter finanzielle Vorteile bringen, da die Betriebskosten einer grossen Kasse tiefer ausfallen. Es scheint a priori klar, dass sich die Grösse einer Vorsorgeeinrichtung positiv auf den Kostenaufwand der allgemeinen Verwaltung und der Vermögensverwaltung auswirkt, zumindest bis zu einer gewissen Grösse (vgl. Theorie der Skaleneffekte).
Vorsorgeeinrichtungen mit grossem Vermögen haben überdies mehr Anlagemöglichkeiten, denn gewisse Finanzprodukte sind nur ab einem gewissen Vermögen zugänglich.
Bezüglich dieser beiden ersten Punkte weist die vom BSV in Auftrag gegebene Studie62 darauf hin, dass in kleinen Vorsorgeeinrichtungen höhere Vermögensverwaltungskosten anfallen als in grossen. Die Differenz ist weitgehend auf die Mandatsgrösse zurückzuführen, denn bei grossen Mandaten können mit den Anbietern der Finanzprodukte bessere Bedingungen ausgehandelt werden. Ein weiterer wesentlicher Kostentreiber ist der Erwerb von Retailprodukten anstelle der den institutionellen Anlegern vorbehaltenen Produkte.
Es hat sich zudem gezeigt, dass die besten Renditen nicht von den grössten Vorsorgeeinrichtungen erzielt werden, ebenso wenig übrigens wie von den kleinsten63. Dieses Argument spricht für mittelgrosse Einrichtungen. Grosse Vorsorgeeinrichtungen erfüllen darüber hinaus das «Gesetz der grossen Zahlen» und ermöglichen so den
60 Seit einigen Jahren lässt sich ein Trend zur Konzentration feststellen. Vgl. Pensionskassenstatistik 2002, S.
29 ff. Vgl. auch Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002, Kurzfassung, S. 25.
61 Vgl. Thomas Carlat, Agefi (Frankreich) vom 23.04.2009, « Les institutions de prévoyance accélèrent leur mue ». Gemäss diesem Autor haben die Sozialpartner 2001 mit einem grossen Rationalisierungsprozess der Pensionskassen begonnen, mit dem Ziel, eine einheitliche Plattform für die Verwaltung der ergänzenden Pensionskassen zu schaffen (genannt « usine retraite »).
62 Mettler Ueli / Schwendener Alvin im Auftrag des BSV, Vermögensverwaltungskosten in der 2. Säule, Forschungsbericht 3/11, Bern 2011, in: http://www.bsv.admin.ch/praxis/forschung/publikationen/index.html?lang=fr&vts=3%2F11&bereich%5B0%5D=%2 A&mode=all&anzahljahre=5. Vgl. auch Kapitel 14 dieses Berichts.
63 Swisscanto, Die Schweizer Pensionskassen 2010, in: http://www.swisscanto.ch/ch/de/institutdie ional/publikationen/am/pkstudie/studien.fontSize-small.html, S. 40.