Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten

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4 Freie Pensionskassenwahl

4.1 Ausgangslage

Die freie Pensionskassenwahl ist eine immer wiederkehrende Frage in der 2. Säule. Sie sorgt regelmässig für Gesprächsstoff und rückt vor allem dann ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn die berufliche Vorsorge kritisiert oder sogar in Frage gestellt wird. So geschehen zum Beispiel während der Finanzmarktkrise 2001-2002. Auch die Flexibilisierung des Mindestzinssatzes und die Anpassung des Umwandlungssatzes haben die Frage erneut aufgeworfen.

4.2 Problemanalyse

Zwei Studien68 aus dem Jahr 2002 schafften in der periodisch neu aufgerollten Debatte über die freie Pensionskassenwahl die Grundlage für weitere Diskussionen. Überdies hat das BSV zwei Untersuchungen69 in Auftrag gegeben, deren Endberichte 2005 veröffentlicht wurden. Ihre Beiträge zeichnen ein Bild der freien Wahl.

4.2.1 Konzeptuelle Elemente

Die erste Studie von Avenir Suisse70 untersucht die 2. Säule aus einer ökonomischen Perspektive im Hinblick auf mehr Effizienz. Sie geht von der Feststellung aus, dass die Zukunft der 2. Säule sowohl von der Entwicklung der Demografie als auch von jener der Finanzmärkte abhängig ist. Aus Sicht der Autoren wird den Interdependenzen zwischen Vorsorgesystem und Finanzmarkt nicht hinreichend Rechnung getragen.

Im Weiteren wird in der Studie auf die Schwachpunkte des bestehenden Vorsorgesystems hingewiesen. Dazu gehören u.a:

 Die Leistungsversprechen sind angesichts der Anlagerisiken zu gross.

 Die Mindestverzinsvorschrift hindert die Vorsorgeeinrichtungen daran, langfristig effiziente Anlagen zu tätigen.

 Staatliche Eingriffe und vor allem die Gewährung von Garantien machen das System komplizierter, erhöhen die Kosten und senken die Effizienz. Sie fördern den „Moral Hazard“ und müssen auf ein Mindestmass beschränkt werden.

Nach Ansicht der Autoren ist das bestehende Vorsorgesystem auf eine Einkommensgarantie im Alter ausgerichtet. Diese Garantie stellt aber eine höchst kapitalmarktfremde Komponente dar, da der Kapitalmarkt per Definition risikobehaftet ist. Die Studie empfiehlt hier einen Paradigmawechsel: Die Anlagestrategie müsste „auf eine Sicherstellung der Konsumpläne ausgerichtet sein, die man im Alter befriedigen will“71.

Dieser Grundsatz setzt voraus, dass die Individuen in der Lage sind, die Einkommensrisiken in tragbare Konsumrisiken zu transformieren. Wenig risikofreudige Personen schränken ihren Konsum nämlich je nach dem Grad ihrer Risikoaversion ein und schützen damit ihre Konsumpläne gegenüber Einkommensschwankungen. Das Vorsorgesystem sollte deshalb

68 Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002 und Gerber David, Freie Pensionskassenwahl in der schweizerischen Altersvorsorge, Diss. Basel, 2002.

69 Pittet Associés / Schneider Jacques-André im Auftrag des BSV, Machbarkeitsstudie zur freien Pensionskassenwahl, Forschungsbericht 10/05, Bern 2005 und Ott Walter / Baur Martin / Schmid Adrian / Keller Beat im Auftrag des BSV, Freie Wahl der Pensionskasse – Machbarkeitsstudie, Forschungsbericht 9/05, Bern 2005.

70 Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002.

71 Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002, Kurzfassung, S. 20.