Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten

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„als System zur Allokation individueller Einkommens- und Konsumrisiken“72 verstanden werden, da diese Risiken letztlich nur dezentral, das heisst von den Leistungsempfängern getragen werden können, indem sie die letzten Risikoträger des Systems sind.

Damit ein System, das auf den Sachkenntnissen und der Verantwortung der einzelnen Versicherten beruht, funktioniert, muss es sich gemäss den Autoren auf zwei wesentliche Grundsätze stützen: Die freie Pensionskassenwahl für die Versicherten und den Wettbewerb zwischen Pensionskassen.

Die zweite Studie73 ist ebenfalls auf wirtschaftliche Aspekte ausgerichtet und analysiert hauptsächlich die Einführung von Wettbewerbselementen in der schweizerischen beruflichen Vorsorge. Trotz eines insgesamt eher positiven Befunds des Autors (das System wird als ausgeglichen und wirksam bezeichnet) ist die 2. Säule doch mit mehreren grossen Herausforderungen verschiedener Art konfrontiert:

 ungünstige demografische Entwicklung

 im internationalen Vergleich niedrige Anlageperformances

 unzureichende Berücksichtigung der Präferenzen der Versicherten

 von der gegenseitigen Abhängigkeit von Vorsorge und Arbeitgeber verursachte Probleme

 Heterogenität der Pensionskassen

 ungenügende Transparenz und Informationsdefizit

 unzureichender Schutz der einkommensschwachen Versicherten74

 gesetzliche und administrative Komplexität

Ausgehend von den aufgedeckten Schwachpunkten empfiehlt der Autor eine tiefer greifende Reform, deren Hauptmerkmal die Einführung der freien Wahl des Vorsorgeprodukts ist, mit welcher der Betriebsgebundenheit der Pensionskassen ein Ende gesetzt würde. Das vorgeschlagene Modell würde aus einem System des organisierten Wettbewerbs bestehen, in dem auch der Staat mitwirkt. Er hätte die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für ein gutes Funktionieren des Marktes und den Erhalt der Garantien sicherzustellen.

Zusammenfassend hätte ein solches Modell folgende Vorteile: Ein Wettbewerbssystem würde den individuellen Präferenzen besser Rechnung tragen und durch die Berücksichtigung der Anlagepräferenzen der einzelnen Versicherten (und ihrer individuellen Risikoneigung) könnte die Bildung des Sparkapitals optimiert werden.

Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der Autor zum Schluss der Studie der Machbarkeit eines solchen Modells nur geringe Chancen beimisst.

Weiter ist hervorzuheben, dass sich sowohl die von Avenir Suisse in Auftrag gegebene als auch die von D. Gerber ausgearbeitete Studie auf das Altersrisiko beschränken und die Risiken Invalidität und Tod nicht einbeziehen. Beide Studien vermitteln demzufolge ein reduzierendes Bild der Vorsorge, welches impliziert, dass die nicht behandelten Risiken den Mechanismen der Privatversicherungen unterliegen.

4.2.2 Machbarkeitsstudien

Im Rahmen der vom BSV in Auftrag gegebenen Doppelstudie75 wurde die Machbarkeit von drei Szenarien im Detail untersucht. Die vom BSV vorgegebenen Szenarien hatten die folgenden Hauptmerkmale:

72 Zimmermann Heinz / Bubb Andrea im Auftrag von Avenir Suisse, Das Risiko der Vorsorge, 2002, Kurzfassung, S. 21.

73 Gerber David, Freie Pensionskassenwahl in der schweizerischen Altersvorsorge, Diss. Basel, 2002.

74 Dieses Argument ist seit Herabsetzen der Eintrittschwelle in der beruflichen Vorsorge (01.01.2005) weniger relevant.

75 Das BSV hat zwei Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, weil die Haltungen der Forscher bezüglich der freien Pensionskassenwahl im Voraus bereits bekannt waren. Mit der Doppelstudie sollte verhindert werden, dass