Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten

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Es existieren für die Pensionskassen auf Basis der Pensionskassenstatistik erst seit Ende 2005 zuverlässige Renditeberechnungen. Für weiter zurückliegende Daten muss ein Benchmark verwendet werden, wie beispielsweise der Pictet BVG Index 93. Üblicherweise liegen die notwendigen Renditen einer Vorsorgeeinrichtung bei rund 4% (abhängig je nach Kasse, vor allem der Anteil der Rentner ist aufgrund des hohen Umwandlungssatzes entscheidend). In den letzten 10 Jahren konnte dieser Wert nicht erreicht werden. Davor waren seit Einführung des BVG ansprechende Renditen möglich. Dass die notwendige Rendite seit nun 10 Jahren nicht erreicht werden kann, verursacht insbesondere denjenigen Kassen Probleme, welche in den vorangegangenen Jahren knapp an Reserven waren oder Mittel grosszügig verteilt haben (z.B. im Rahmen von Frühpensionierungen bei Stellenabbau). Die Zinsen sind aktuell auf ausserordentlich tiefem Niveau. Der Kassazinssatz der 7-jährigen Bundesobligationen lag per Ende 2010 bei 1.41% respektive per Ende Juni 2011 bei 1.39%. Um eine einigermassen genügende Rendite für die Vorsorgeeinrichtungen auf Basis von festverzinslichen Obligationen zu erhalten, müssten demnach die Zinsen um rund 2.5% steigen. Dies würde sehr grob110 gesagt einen Verlust von 15% auf einem 7-jährigen Bondportfolio bedeuten. Dieser Verlust müsste zuerst wieder wettgemacht werden, was Jahre in Anspruch nehmen würde111.

Die Schweizer Aktienmärkte unterlagen in den letzten Jahren zwar Schwankungen, doch haben sich die Werte gegenüber 1997 kaum verändert. Die Renditeaussichten der Kassen sind demnach sehr bescheiden, was die Finanzierung insbesondere des hohen Umwandlungssatzes vor kaum zu bewältigende Herausforderungen stellt. Die Renditedefizite können auch kaum mit einer Senkung von Administrationskosten ausgeglichen werden, weil die Renditedefizite dafür wahrscheinlich zu gross sind (was aber nicht heissen soll, dass die Kassen die entsprechenden Potentiale nicht ausschöpfen sollen).

Trotz den aktuellen Herausforderungen im Anlagebereich sollte dennoch festgehalten werden, dass das Kapitaldeckungsverfahren eine ideale Ergänzung zum Umlageverfahren darstellt. Die (inflationsbereinigt positiven) Erträge dienen als 3. Beitragszahler, die Leistungen werden vorfinanziert und stehen demnach auch zur Verfügung, und die Auswirkungen der demographische Entwicklung auf die Finanzen ist etwas weniger erschreckend. Länder mit einem starken Kapitaldeckungsverfahren dürften sich in älter werdenden Gesellschaften wesentlich besser behaupten. Staaten, welche die Renten mit einem Umlageverfahren finanzieren müssen, stehen wegen der stark ansteigenden Staatsverschuldung viel stärker unter Zugzwang. Die Staatsverschuldung ist aufgrund der Krisen in Griechenland und Irland wieder stärker in den Blickwinkel von Investoren geraten. Die Pensionsverpflichtungen müssen dabei zur Staatsverschuldung hinzugerechnet werden. Können die Staaten aufgrund von politischen Widerständen die eingegangenen Pensionsverpflichtungen nicht reduzieren, ist die Bonität von Ländern mit hohen Verpflichtungen gefährdet. Die Märkte werden deshalb für Ausleihungen an entsprechende Staaten einen Risikozuschlag, d.h. höhere Zinsen verlangen. In der Folge kann dies zu gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Instabilität führen. Selbst wenn der Staat Einsparungen vornehmen kann oder die Steuern erhöht, wird dies beispielsweise den Konsum in den entsprechenden Staaten kaum fördern. Das stabile 3-Säulen System dürfte für die Schweiz in den kommenden Jahren gegenüber vielen Ländern deshalb einen wesentlichen Vorteil darstellen.

110 Der effektive Wert ist stark vom Coupon, der Restlaufzeit und weiteren Faktoren abhängig.

111 Eine entsprechende Obligation (Coupon 1.41%, 7 Jahre Laufzeit, Rendite 1.41%, Rückzahlung bei 100% weist eine Modified Duration von rund 6.6 auf). Steigenden Zinsen können ausserdem negative Effekte im Bereich von Aktien und weiteren Anlagen auslösen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass in den meisten Fällen die Duration der Aktiven tiefer ist als die Duration der Passiven. Steigende Zinsen wirken sich demnach bei einem ökonomischen Deckungsgrad positiv auf die finanzielle Situation der Vorsorgeeinrichtungen aus. Bei der aktuellen Deckungsgradberechnung wird jedoch der technische Zins konstant (hoch) gehalten.