Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/23: Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) · 68 Seiten

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Erläuternder Bericht

1 Ausgangslage

1.1 Gesundheitspolitische Verankerung

Das Schweizer Gesundheitswesen erlebt seit Jahren einen starken medizinischtechnologischen Fortschritt, welcher in Verbindung mit der demografischen Alterung zu einem stetigen Kostenwachstum führte. Zur Eindämmung der Kostenentwicklung setzt die gesundheitspolitische Strategie des Bunderates auf Transparenz, Leistungsfinanzierung, integrierte Versorgung sowie Wettbewerb unter den Akteuren.1

Ein wesentliches Sparpotenzial liegt in der Optimierung der medizinischen und administrativen Prozesse und in der effizienten und qualitativ hochstehenden Leistungserbringung. Im heutigen Versorgungssystem müssen Patientinnen und Patienten Arztbesuche, Therapien oder Medikamentenverschreibungen grösstenteils selber organisieren und koordinieren. Zudem sind die Prozesse und Abläufe im Schweizer Gesundheitssystem aufgrund der föderalen und teilweise kleingewerblichen Strukturen fragmentiert – und damit fehleranfällig.2

Der Austausch von Informationen im Gesundheitswesen stellt aufgrund der immer grösser werdenden Datenmenge eine Herausforderung dar. Suche und Aufbereitung von patientenbezogenen Informationen sind für Gesundheitsfachpersonen zeitintensiv und daher kostspielig. Für ein optimales Funktionieren der Behandlungskette ist ein rascher Zugriff auf die relevanten Daten unabdingbare Voraussetzung. Die dadurch eingesparte Zeit kann die Gesundheitsfachperson dem Patienten oder der Patientin widmen. Eine Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen erhöht potenziell auch die Sicherheit diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Ohne ausreichende technische Hilfsmittel müssen sich Gesundheitsfachpersonen bei wiederkehrenden Anamnesen zu einem erheblichen Teil auf die von Patientinnen und Patienten selbst erteilten Informationen stützen. Verbesserungspotenzial liegt vor allem bei chronisch Kranken sowie bei Behandlungen, in welche mehrere Gesundheitsfachpersonen involviert sind. In solchen Fällen gestaltet sich der Austausch von Informationen häufig schwierig oder zumindest aufwändig. Für das Funktionieren einer integrierten Versorgung ist der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) von entscheidender Bedeutung.

1 Mit den Charakteristika des Schweizer Gesundheitswesens haben sich verschiedene Experten im «Handbuch Gesundheitswesen Schweiz» vertieft befasst und den Veränderungsprozess der nächsten Jahre detailliert beschrieben. Vgl. dazu OGGIER, Willy, WALTER, Andreas, REICHLIN, Serge, EGLI, Michael (Hrsg.). Handbuch Gesundheitswesen Schweiz im Umbruch. Sursee: Trend Care 2008; vgl. ebenfalls REICHLIN, Serge. Paradigmawechsel im Schweizer Gesundheitswesen. In: Schweizerische Ärztezeitung. 2008;89:17. S. 757-761 und WALTER, Andreas. Das Schweizer Gesundheitswesen ist ein System. In: Schweizerische Ärztezeitung. 2008;89:16. S. 704-706. Diese Erkenntnisse werden bestätigt in: KOCHER, Gerhard, OGGIER, Willy (Hrsg.). Gesundheitswesen Schweiz 2010-2012: Eine aktuelle Übersicht. 4. Auflage. Bern: Verlag Hans Huber, 2010. Zur gesundheitspolitischen Strategie des Bundesrates vgl: www.edi.admin.ch

2 Strategie eHealth Schweiz vom 27. Juni 2007, S. 11ff.