Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2011/23: Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) · 68 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 9Fedlex · Erläuternder Bericht
Das elektronische Patientendossier
Im Zentrum der «Strategie eHealth Schweiz» (siehe Ziffer 1.2) und deren Umsetzung steht das elektronische Patientendossier als das entscheidende Element zum Austausch von Informationen im Rahmen der institutionsübergreifenden, integrierten Patientenversorgung. Dabei ist mit dem Begriff «elektronisches Patientendossier» nicht die gesamte Patientendokumentation bei der einzelnen Gesundheitsfachperson (Krankengeschichte) gemeint, sondern lediglich derjenige Teil davon, welcher für eine integrierte Behandlung von Bedeutung ist. Nur dieser Teil muss für andere Gesundheitsfachpersonen elektronisch abrufbar sein.
Ohne die Etablierung eines elektronischen Patientendossiers sind verschiedene Reformen im Schweizer Gesundheitswesen kaum denkbar.
Die Versichertenkarte
Seit dem 1. Januar 2010 sind die Versicherer zur Herausgabe der Versichertenkarte mit Mikrochip zum Zweck der Vereinfachung der administrativen Abläufe zwischen Versicherten, Versicherern und Leistungserbringern verpflichtet. Als Identifikationsnummer der Karte dient die neu konzipierte Sozialversicherungsnummer (AHVN13) nach Artikel 50c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 19465 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG). Die Karte ermöglicht auf Wunsch der versicherten Person ebenfalls die Aufnahme von medizinischen Notfalldaten und weiteren Informationen, wie z.B. den Aufbewahrungsort einer Patientenverfügung. Gleichzeitig ist die Karte ein mögliches Identifikationsmittel für kantonale Modellversuche im Rahmen der Umsetzung der «Strategie eHealth Schweiz».
Neue Spitalfinanzierung mit Hilfe von «eHealth-Anwendungen»
Ab 2012 werden in der Schweiz einheitliche und leistungsbezogene Fallpauschalen zur Abgeltung von Spital-Leistungen eingeführt. Das bedeutet einen Übergang zu einer leistungsbezogenen Abrechnung, die auf Fallpauschalen nach dem Modell der Diagnosis Related Groups (DRG) basiert. Erwartet werden ein effizienterer Ressourceneinsatz und Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Die Spitäler müssen ihre Ressourcen effizienter einsetzen und interne Abläufe optimieren. «eHealth-Anwendungen» wie das elektronische Patientendossier oder die elektronische Verschreibung helfen mit, die Patienten und Patientinnen mit weniger Aufwand in gleicher, wenn nicht besserer Qualität zu betreuen. Im Universitätsspital Genf konnten grosse Fortschritte allein dadurch erreicht werden, dass die in den einzelnen Kliniken erhobenen Informationen in einem spitalübergreifenden Klinikinformationssystem allen Gesundheitsfachpersonen und dem Pflegepersonal zur Verfügung stehen.6
Unterstützung der integrierten Versorgungsmodelle
Seit dem 1. Januar 1996 ist es gemäss KVG möglich, alternative Versicherungsmodelle anzubieten. Ein Ziel dieser Versicherungsmodelle ist die Förderung der integrierten Versorgung. Unter diesem Begriff werden verschiedene Modelle zur Bündelung von medizinischen Leistungen zusammengefasst. Dies kann beispielsweise mittels folgender Organisationsformen erreicht werden: Hausarztmodelle, Ärztenet-
5 SR 831.10
6 Siehe http://www.ehr-impact.eu/cases/documents/EHRI_case2_HUG_Geneva.pdf