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Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten

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Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011

2 Begriff und Bedeutung der Biodiversität

2.1 Begriff Biodiversität

Die Schweiz orientiert sich an der Definition von Biodiversität, welche an der UN-

Konferenz von 1992 über Umwelt und Entwicklung im Rahmen der Biodiversitätskon-

vention verabschiedet wurde14. Biodiversität bezieht sich auf alle Aspekte der Vielfalt

der belebten Welt und umfasst folgende Ebenen sowie deren Interaktionen:

 die Vielfalt von Ökosystemen;

 die Vielfalt der Arten;

 die genetische Vielfalt.

Ökosysteme sind Gemeinschaften aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, die als Vielfalt von funktionale Einheit miteinander und mit ihrer nicht belebten Umwelt in Wechselwir- Ökosystemen kungen stehen. Man unterscheidet dabei zwischen terrestrischen Ökosystemen (z. B.

Steppen, Laubmischwald) und aquatischen Ökosystemen (z. B. Fliessgewässer). Öko-

systeme sind grundsätzlich offene Systeme, sie brauchen zur Erhaltung einen Energie-

fluss. Sie sind zudem dynamisch, die Gefüge verharren also nicht in einem bestimmten

Zustand, sondern verändern sich im Lauf der Zeit und in Wechselwirkung mit anderen

Systemen. Die hohe Anzahl an Wechselwirkungen führt zudem dazu, dass Ökosysteme

meist einen hohen Komplexitätsgrad aufweisen.

Die Vielfalt der Arten (verschiedenster Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien) ist die Ebene Vielfalt der Arten der Biodiversität, die den meisten Menschen am vertrautesten ist. So lassen sich in

einer Wiese auf den ersten Blick verschiedene Arten von Gräsern und Kräutern,

Schmetterlingen, Heuschrecken, Bienen und Käfern erkennen. Der Wissenschaft sind

heute weltweit rund 1,8 Millionen Arten bekannt, ein Viertel davon lebt im Boden, die

Zahl der noch unbeschriebenen Arten wird allerdings weit höher geschätzt. In der

Schweiz sind rund 40 000 Arten bekannt, doch auch hier wird vermutet, dass es etwa

70 000 Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen sein dürften.15

Eine weitere Ebene der Biodiversität, die genetische Vielfalt, bezeichnet die geneti- Genetische Vielfalt schen Unterschiede, die innerhalb von Arten bestehen. Genetische Unterschiede finden

sich z. B. zwischen den an lokalen Bedingungen angepassten Beständen einer Pflan-

zenart oder zwischen verschiedenen Sorten von Kirschen. Bei vielen Kulturpflanzen

und bei den Nutztieren ist es der Mensch, der je nach Anbaugebiet und Verwendungs-

bereich mittels Zucht gezielt bestimmte Eigenschaften gefördert und damit eine grosse

genetische Vielfalt geschaffen hat. Die genetische Vielfalt ist ein wichtiger Teil der

Biodiversität, da sie die Basis für die Anpassungsfähigkeit der Arten an neue Umwelt-

bedingungen ist, wie sie z. B. im Zusammenhang mit dem Klimawandel laufend ent-

stehen. Arten mit einer geringen genetischen Vielfalt haben ein grösseres Aussterberi-

siko.

Nach Ende des Internationalen Jahrs der Biodiversität (2010) ist der Begriff Biodiversi- Ungenügendes tät zwar bekannter geworden, er bleibt jedoch wenig verbreitet. Man muss feststellen, Bewusstsein über dass das Wissen über den Zustand der Biodiversität in Gesellschaft und Wirtschaft Biodiversität ungenügend bekannt ist. Ebenfalls zu wenig ausgeprägt ist das Bewusstsein, dass

Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik und Bürgerinnen und Bürger sowie

14 Übereinkommen über die Biologische Vielfalt, Artikel 2. www.cbd.int/convention/articles.shtml?a=cbd-02

15 Duelli P. 2004: Wie viele Arten leben in der Schweiz? Infoblatt Forsch.bereich Landsch. 61: Seite 4