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Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten

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Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011

4 Zustand der Biodiversität in der Schweiz

Die Biodiversität in der Schweiz ist geprägt durch die Topografie mit grossen Höhenunterschieden, die geologische Vielfalt, die heterogene Niederschlagsverteilung und durch die langjährige traditionelle Bewirtschaftung des Kulturlandes. Rund zwei Drittel der Schweizer Landesfläche liegen in den Alpen. Für die in diesem geografischen Raum vorkommende hohe Konzentration an vielfältigen Lebensräumen sowie für die darin lebenden Arten mit ihrer hohen genetischen Vielfalt trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung.62

Die Biodiversität in der Schweiz erlitt seit 1900 starke Verluste. In den letzten zwanzig Jahren konnten die Bestandesrückgänge bei einigen Arten und die quantitativen Flächenverluste bei bestimmten Lebensräumen zwar gebremst, jedoch nicht gestoppt werden. Zudem ist die Qualität der meisten Lebensräume tief und nimmt weiterhin ab. Ein Aufwärtstrend ist unter den heute gegebenen Rahmenbedingungen nicht absehbar.63

4.1 Ökosysteme und Lebensräume

Biodiversität braucht Raum. Sie ist überall – vom Hochgebirge über den Wald und die Vielfältige Lebensräume Landwirtschaftsfläche bis hin zu den Siedlungsräumen, ja sogar entlang von Infrastrukturanlagen wie Bahnlinien, sofern der Boden nicht versiegelt ist.64 In den letzten Jahrtausenden entstand auf der Fläche der heutigen Schweiz eine grosse Vielfalt von Lebensräumen und Ökosystemen mit typischen Arten. Heute werden über 230 Lebensraumtypen unterschieden65.

Die allermeisten terrestrischen Ökosystemprozesse, die das Leben auf der Welt ge- Boden - eine knappe währleisten (Bodenfruchtbarkeit, Nährstoff- und Klimagaskreisläufe, Schadstoffabbau Ressource usw.), basieren auf der Interaktion zwischen bodenbiologischen und photosynthetischen Prozessen. Bodenlebewesen spielen dabei eine zentrale Rolle. Natürlich gewachsene Böden bilden die Grundlage der Biodiversität. Boden ist eine knappe, nicht erneuerbare Ressource. Versiegelung, Verdichtung, Überdüngung, Schadstoffeinträge und Verlust an organischer Substanz66 sind die Hauptprobleme, die zur Verarmung der biologischen Vielfalt im und über dem Boden in der Schweiz führen. Sie werden oft durch Tätigkeiten des Menschen verursacht, namentlich durch die Bodenansprüche der Siedlung und Infrastruktur, durch Emissionen von Verkehr und Industrie, aber auch durch intensivere forst- und landwirtschaftliche Nutzung.

Speziell gefährdete Ökosysteme in der Schweiz sind Feuchtgebiete, Trockenwiesen und -weiden. Diese erlitten zwischen 1900 und 1990 einen massiven Flächenverlust. Viele Tier- und Pflanzenpopulationen sind aus diesem Grund lokal oder regional vom Aussterben bedroht.

62 Stöcklin J. et al. 2007: Landnutzung und biologische Vielfalt in den Alpen. Fakten, Perspektiven, Empfehlungen. Synthesebericht II, NFP 48. Zürich: vdf

63 Lachat T. et al. 2010: Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900. Ist die Talsohle erreicht? 1. Bern: Haupt 64 MacArthur R.H., Wilson E.O. 1967: The Theory of Island Biogeography. N.J.: Princeton University Press: «Artenvielfalt ist eng mit Flächengrösse verbunden. Die Artenvielfalt nimmt mit einer Vergrösserung der Fläche zu und mit der Verkleinerung ab. Die Distanz zu anderen Lebensräumen desselben Typs wirkt sich ebenfalls auf die Artenvielfalt aus: stark isolierte Lebensräume beherbergen weniger Arten als gut vernetzte und die Vitalität der Populationen nimmt ab.» 65 Delarze R., Gonseth Y. 2008: Lebensräume der Schweiz. Ökologie – Gefährdung – Kennarten. h.e.p. Ott Verlag 66 Bundesamt für Raumentwicklung / Bundesamt für Umwelt (Hrsg., 2007): Landschaft unter Druck. 3. Fortschreibung 1989–2003. Bern, und Lachat T. et al. 2010: Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900. Ist die Talsohle erreicht? 1. Bern: Haupt