Vorlage

Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten

Fedlex · Vorlage · Seite 23Fedlex · Vorlage

Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011

Feuchtgebiete und Gewässer beherbergen eine grosse Vielfalt an speziellen Lebens- Feuchtgebiete und räumen und stellen wichtige Ökosystemleistungen sicher, wie z. B. den Schutz vor Gewässer Hochwasser, die Regulierung des Wasserhaushalts oder die CO2-Speicherung. Die

Ausdehnung dieser Lebensräume ist vor allem in den dicht besiedelten Gebieten des

Mittellandes stark zurückgegangen. Von 1900 bis 1990 betrug der Flächenverlust für

Auen 36 %, für Moore 82 %. Viele Kleingewässer verschwanden zudem als Folge von

Entwässerungen. Die Gewinnung von Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen, Gewäs-

serverbauungen und die Nutzung der Gewässer zur Energiegewinnung haben die

gewässertypischen Lebensräume und die davon abhängenden Arten stark beeinflusst.

Seit 1990 konnte der Flächenverlust bei den Auen und Mooren dank dem Inkrafttreten

der entsprechenden Bundesinventare und einer wirksamen Gesetzgebung weitgehend

gestoppt werden. Eine grosse Herausforderung bleibt die Erhaltung der Lebensraum-

qualität in den verbliebenen Flächen. Die meisten Moore weisen eine beeinträchtigte

Hydrologie auf und sind langfristig von Eutrophierung, Austrocknung und Verbu-

schung bedroht.67 Die Situation könnte sich in Zukunft verschlechtern, wenn sich

aufgrund des Klimawandels die Niederschlagsverhältnisse grundlegend ändern sollten.

Von 65 000 Kilometern Fluss- und Bachläufen sind 14 000 Kilometer stark beeinträch-

tigt, gänzlich naturfremd oder eingedolt. Durch den Bau von Kläranlagen ab den

1960er-Jahren ist die organische Belastung der Gewässer deutlich zurückgegangen,

wodurch die Artenvielfalt manchenorts wieder zugenommen haben dürfte. Heute

stellen bei der Gewässerbelastung Mikroverunreinigungen (z. B. hormonaktive Sub-

stanzen, Arzneimittelwirkstoffe) eine Herausforderung dar. Wie stark sie die Biodiver-

sität beeinflussen, ist noch wenig erforscht.

Trockenwiesen und -weiden erlitten von 1900 bis 1990 einen Flächenverlust von 95 %. Trockenwiesen In den letzten zwanzig Jahren hat die übrig gebliebene Fläche infolge Nutzungsintensi- und -weiden vierung oder Nutzungsaufgabe (Nichtnutzung führt zu Verwaldung) und durch Über-

bauungen zusätzlich um rund ein Fünftel abgenommen68. Die Wiesen und Weiden in

der Schweiz sind im letzten Jahrhundert deutlich artenärmer geworden69, und die Ar-

tenzusammensetzung in Wiesen und Weiden der tieferen und mittleren Lagen wird zu-

nehmend ähnlicher bzw. monotoner70. Dank der Öko-Qualitätsverordnung71 von 2001

sowie dem Inventar zu den Trockenwiesen und -weiden, welches 2010 zur Trocken-

wiesenverordnung72 führte, konnte dieser Flächenverlust teilweise gebremst werden.

4.2 Artenvielfalt

Zwischen 1900 und 1990 erlitt die Artenvielfalt in der Schweiz starke Verluste. Viele Bedrohte Artenvielfalt einst häufige Arten waren von drastischen Arealverlusten und sinkenden Bestandes-

grössen betroffen. Von den heutigen Kenntnissen ausgehend wird angenommen, dass

ein Drittel der Arten in der Schweiz bedroht ist73. Nicht wenige einheimische Arten

kommen heute nur noch in einzelnen dezimierten Beständen vor oder es sind nur noch

einzelne Individuen vorhanden. Vor allem im Mittelland ist die Artenvielfalt so stark

67 Klaus G. 2007: Zustand und Entwicklung der Moore in der Schweiz. Bern: BAFU

68 Urech M., Eggenberg S., pro seco 2007: Inventarvergleiche. Interner Bericht. Bern: im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt 69 Rechsteiner C. 2009: Wiesen der Schweiz – vor 120 Jahren und heute. Masterarbeit. Universität Zürich 70 Biodiversitätsmonitoring: Vielfalt von Artengemeinschaften (Z12). www.biodiversitymonitoring.ch/deutsch/indikatoren/z12.php 71 Verordnung vom 4. April 2001 über die regionale Förderung der Qualität und der Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft (Öko-Qualitätsverordnung, ÖQV) SR 910.14

72 Verordnung vom 13. Januar 2010 über den Schutz der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (Trockenwiesenverordnung, TwwV), SR 451.37 73 Baur B. et al. 2004: Biodiversität in der Schweiz: Zustand, Erhaltung und Perspektiven. Grundlagen f ür eine nationale Strategie. Bern: Forum Biodiversität Schweiz (Hrsg.) und BAFU (Hrsg.) 2010: Umsetzung der Biodiversitätskonvention. Kurzfassung des 4. Nationalberichts der Schweiz. Bundesamt für Umwelt, Bern