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Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten

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Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011

Neben den klassischen Schutzgebieten leisten auch die Flächen, welche mithilfe finan-

zieller Anreize biodiversitätsfördernd bewirtschaftet werden, einen wichtigen Beitrag

zum Lebensraumschutz.

Zum Schutz der Lebensräume bestehen gesetzliche Bestimmungen in den Bereichen Gesetzliche

Gewässerschutz, Wasserbau, Wald, Raumplanung, Chemikalien, Umweltschutz und Bestimmungen zum Landwirtschaft. Das Wasserbaugesetz und das Gewässerschutzgesetz (beide aus dem Lebensraumschutz Jahr 1991) kombinieren das Anliegen des Hochwasserschutzes mit dem Bestreben, die

ökologischen Funktionen der Gewässer zu sichern. Mit der Revision des Gewässer-

schutzgesetzes (in Kraft seit 1. Januar 2011) werden die Anstrengungen zur Gewässer-

revitalisierung und zur Minderung der negativen Auswirkungen der Wasserkraftnut-

zung in Zukunft deutlich intensiviert.

Gemäss der Definition der Biodiversitätskonvention (Schutzgebiete müssen geogra- Anteil der Schutzgebiete fisch festgelegt und gesichert sein und einem biodiversitätsspezifischen Management in der Schweiz unterliegen87) verfügt die Schweiz schätzungsweise (siehe Anhang A3) über Schutzge-

biete im Umfang von 11,9 % der Landesfläche88. Allein durch die Einrichtung und

langfristige Sicherung von Schutzgebieten konnte der Rückgang der Biodiversität in

der Schweiz bisher aber nicht gestoppt werden.

Untersuchungen weisen darauf hin, dass die bestehenden Flächen nicht genügen, oft zu Funktionsfähigkeit der klein, zu wenig vernetzt und in ihrer Qualität stark beeinträchtigt sind.89 Meist sind

Schutzflächen nicht

Aufwertungen und Regenerationen erforderlich, damit die Gebiete, die dem Schutz der immer sichergestellt Biodiversität gewidmet sind, ihre Funktion erfüllen können. Da diese Gebiete vom

Menschen zum Teil stark beeinträchtigt wurden, finden die natürlichen Prozesse häufig

nicht mehr statt. Funktionsfähige Gebiete sind zur Sicherung von Lebensräumen und

Arten sowie für die Vernetzung entscheidend.

Die Defizite an Fläche und Qualität sind zum Teil auf Mängel im Vollzug des heute Gründe für Flächen- und geltenden Rechtes zurückzuführen. Tatsache ist, dass die Mittel der Kantone und des Qualitätsdefizite Bundes unzureichend sind, um die Vollzugsaufgaben zufriedenstellend wahrnehmen zu

können. Dabei ist zwischen Bund und Kantonen zu unterscheiden, wird doch der Bund

eher als verhindernd wahrgenommen, da die Kantone ihre Bereitschaft signalisieren,

trotz Sparprogrammen bereits heute mindestens 50 %90 mehr in diese Verbundaufgabe

zu investieren. Der Vergleich der geschätzten Unterhaltskosten von Biotopen von

nationaler Bedeutung mit den derzeitigen Ausgaben für Natur- und Landschaftsschutz

zeigt, dass es zum Schutz und zur Pflege der Biotope etwa doppelt so viele Mittel

bräuchte, als Bund und Kantone heutzutage zur Verfügung stellen. Dazu sind einmali-

ge Investitionen für die Aufwertung und Regeneration der Biotope nötig, deren Kosten

einem Mittelwert von 1,2 Milliarden entsprechen.91 Schliesslich wird die fehlende

Einhaltung und Umsetzung des geltenden Rechts oft nicht sanktioniert.

Eine grosse Herausforderung der nächsten Dekaden stellt die Anpassung der Lebens- Anpassung der räume an den Klimawandel dar. Bis Ende 2011 wird eine nationale Anpassungsstrate- Lebensräume an den gie erarbeitet, die sich auch den Anpassungen im Bereich Biodiversität annimmt. Klimawandel Wichtig ist dabei, dass die jetzigen und künftigen Schutz- und Vernetzungsgebiete so

87 Biodiversitätskonvention, Artikel 2. www.cbd.int/convention/articles/?a=cbd-02 88 Die Überlappungen wurden bei der Flächenberechnung nicht berücksichtigt. Dies führt zu einer Überschätzung der Gesamtfläche. 89 Klaus G. 2007: Zustand und Entwicklung der Moore in der Schweiz. Bern: BAFU und BAFU 2010: Switzerland’s Fourth National Report under the Convention on Biological Diversity. Bern

90 Es handelt sich um errechnete Zahlen auf Basis der erklärten Investitionsbereitschaft der Kantone in den Bereichen Natur- und Landschaftsschutz und Biodiversität im Wald. 91 Ismail S. et al. 2009: Kosten eines gesetzeskonformen Schutzes der Biotope von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Basel: Pro Natura, Bern: Forum Biodiversität. www.wsl.ch/dienstleistungen/publikationen/pdf/9625.pdf